Aber wann beginnt das Eigentliche? Mit fünfundvierzig bin ich nahezu täglich dankbar, dass ich der Erwachsene bin, der ich mit siebzehn so gern sein wollte. An meiner Armkraft arbeite ich im Fitnessraum; mit Werkzeug komme ich mittlerweile ganz gut zurecht. Gleichzeitig, nahezu täglich, verliere ich Schlachten gegen den Siebzehnjährigen, der noch immer in mir steckt. Ich esse mittags eine halbe Schachtel Oreo-Kekse, ich mache am Fernseher Großeinkäufe, ich fälle moralische Pauschalurteile, ich renne in zerschlissenen Jeans durch die Stadt, ich trinke an einem Dienstagabend Martini, ich glotze auf Bierwerbungsdekolletés, ich bezeichne jede Gruppe, der ich nicht angehöre, als uncool, ich verspüre den Drang, Range Rover zu ritzen und ihnen die Reifen zu zerstechen; ich tue so, als würde ich nie sterben.
Jonathan Franzen, Die Unruhezone
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Es ist zu verspüren, dass Du mittlerweile mit allerlei Werkzeug auch gut zurecht kommst!
Nach welchen subjektiven Kriterien ausgewähltes Franzenzitat?
Es TRIFFT….
Gruß von Sonja
@iris
Im Grunde meines Herzens bin ich Betroffenheitsblogger
@wildgans
Dieses Zitat hätte ich Wort für Wort genauso sagen können. Allerdings: ich esse nicht eine halbe, sondern eine ganze Schachtel
OreoSchokaden-Kekse.Ich hab’ das gelesen, mit großen Augen und mit einem Lächeln. Ich fühle mich angesprochen, die wilde Seite in mir, die noch immer pöbeln will liebt es. Und die, die sich für erwachsen hält, auch.
Ich war total überrascht. Ich dachte, meine Güte, das hat ja Hand und Fuss und ich stimme mit dem sogar über ein. Was ist bloss los mit mir? Aber dann bemerkte ich, stop, ich bin ja gar nicht bei ‘Überhebliche Arroganz’ – kurz nebenher: Warum setzt man sich eigentlich Sachen aus, die einen derart impotent aufregen ? -, sondern bei good ol’ axeage.
Obwohl ich Franzen eigentlich nicht mag. Will er einem doch die Blutwurscht vergällen.
Schönes Zitat.
Muss den Franzen doch mal lesen.