Das schlimme an sich selbst erfüllenden Prophezeiungen ist, dass sie sich selbst erfüllen.
Eine verdammte Scheiße ist das!
RIP Amy.
Das schlimme an sich selbst erfüllenden Prophezeiungen ist, dass sie sich selbst erfüllen.
Eine verdammte Scheiße ist das!
RIP Amy.
Die Älteren werden sich noch an den guten alten Imperialismus erinnern, an Zeiten, in denen Staaten systematisch den Ausbau ihres wirtschaftlichen, militärischen, politischen und kulturellen Macht- und Einflussbereiches betrieben und in der Folge Heerscharen von Linken, 68ern und bewaffneten Rotarmisten aus ihren Kommunen trieben, um langhaarig, mit verquasten Manifesten oder Sprengstoff gegen diese verhasste Praxis der Landnahme und Kolonisation vorzugehen. 1961 wurde deshalb sogar ein antiimperialistischer Schutzwall gebaut, der 1989 allerdings wieder eingerissen wurde, weil die Imperialisten fast dreißig Jahre lang kaum Anstalten machten, ihrer imperialistischen Pflicht nachzukommen. Außerdem waren es die vom Schutzwall Geschützten leid, ständig in kleinen, stinkenden Plastikautos herumzufahren, während die Limousinen und Bulliden auf der anderen Seite des Walls schon immer aus Stahl, zum Schluss aus Aluminium waren und mehr Raum boten, als so manches Wohnungsexperiment in antiimperialistischen Plattenbauten.
Mit der Einführung der Globalisierung sind diese Zeiten endgültig vorbei. Heutzutage braucht es keine aufwändige Kriegs- und Besetzungsstrategien mehr. Man befriedigt seine imperialistischen Grundbedürfnisse mit dem Geldbeutel, kauft sich in andere Länder und Kontinente ein, wartet, bis diese pleite gehen, um sie dann ebenso unblutig wie unspektakulär zu übernehmen. Die Chinesen praktizieren derartiges gerade mit den Amis. Die Griechen wird in nächster Zeit ein ähnliches Schicksal ereilen. Säulenstätten formerly known as Akropolis und diverse schnuckelige Badeinseln werden dann wohl unter der Flagge anderer Staaten oder Konzerne firmieren. Wir werden dann am Strand von Nestle liegen, Jägermeister featuring Aphroditefelsen wird allwochenendlich ein Jäger-On-Ice-Party schmeißen und Naxos wird unter der Führung von Toyota in Zukunft Lexus heißen.
Die Grundlage eines solchen, nennen wir ihn Neo-Imperialismus, wird nach meinem Dafürhalten übrigens zunehmend in sozialen Netzwerken gelegt werden, wie sie derzeit zuhauf im weltweiten Netzdingsbums entstehen. Der dort praktizierte Imperativ kommt der imperialistischen Grundidee nicht nur begrifflich am nächsten. Hier wird nicht zögerlich gefragt: Wollen Sie nicht der Erste sein, dem das gefällt, sondern dreist duzend sofort in Befehlsform gefordert: Sei der Erste, dem das gefällt. Durchsuche deine E-Mail-Adresse nach Freunden. Aktiviere dein Handy. Finde Personen, die du kennst.
Tja, wo sonst hätte nach der Abschaffung der Wehrpflicht der Imperativ eine neue und bessere Heimat gefunden, als bei derartigen Cyber-Pfadfindergruppen.
Übrigens, eine Meldung aus der örtlichen Presse hat mir neulich wieder einmal deutlich vor Augen geführt, warum Länder wie Griechenland am Rande der Pleite stehen. Die Stadt Nürnberg, las ich in dem Bericht, verlangt von Gastronomen, die Stühle und Tische auf den Gehsteig stellen eine nicht unerhebliche Gebühr. Nürnberg stehe, was die Höhe der Gebühr betrifft, sogar an der Spitze in Bayern. Die Begründung dafür: Wer Tische und Stühle auf öffentliche Flächen stellt, die eigentlich für Autofahrer, Radler und Fußgänger gedacht sind, hat als Gastronom einen Nutzen davon und verdient auch mehr.
In Griechenland, wo es sicher wesentlich mehr Straßencafes und –restaurants als in Deutschland gibt, zahlt bestimmt niemand eine Gebühr an den Staat. Imperialismus leicht gemacht: vielleicht sollte man ganz klein, mit der Landnahme und Kolonisation der Bürgersteige beginnen.
Sei der Erste, dem das gefällt!
Dieser Artikel erschien am 26. Juli 2011 auch bei kolumnen.de
Durchsage an alle Honoratioren, Würden- und Amtsträger der Stadt Odessa: Herr Wesemann ist wieder in der Stadt. Die Stadtverwaltung verfügt deshalb hiermit, alle neu angeschafften Busse sofort durch die alten, kaputten zu ersetzen, alle gestopften Löcher in den Straßen wieder aufzureißen, die Preise für Kaviar zu verdoppeln, in der Einwanderungsbehörde die langsamsten und mürrischsten Beamten einzusetzen und die Taxifahrer größtmögliche Unfreundlichkeit an den Tag legen zu lassen. Herr Wesemann will eine Kolumne über uns schreiben. Wir sollten ihn in diesem Vorhaben bestmöglich unterstützen.
Weiterführende LINKS:
Zwischen dem Grauen des Rindermethans, den Seen aus Exkrementen, die von Schweine- und Hühnerfarmen hervorgebracht wurden und ganze Wassereinzugsgebiete kontaminierten, der katastrophalen Überfischung der Ozeane, dem öklogischen Albtraum gezüchteter Garnelen und Lachse, der Antibiotika-Orgie in den Milchkuh-”Fabriken” und dem durch die Globalisierung der Erzeugnisse verschleuderten Treibstoff gab es außer Kartoffeln, Bohnen und Tilapia aus Aquakultur nur wenig, was er guten Gewissens bestellen konnte.
Jonathan Franzen – Freiheit
Heißt es jetzt Krakenorakelin oder Krakinnenorakel und gibt’s überhaupt eine solche? Eine Pauline, eine Paulinette, eine Pauleuse? Irgendwie habe ich den Eindruck, fügt sich nicht alles so, wie es sein sollte, bei dieser Frauenfußball-WM. Ja gut, ich gebe zu, das sieht schon meistens wie Fußball aus und es fallen auch schöne Tore. Außerdem spucken die Mädels nicht so oft auf den Boden und wie manche Fußballerina aussieht, sollte ja wirklich keine Rolle spielen; bei den Männern tragen ja auch die wenigsten ihr Haar so schön, wie Mario Gomez. Trotzdem, schon das Wort Frauenfußball. Wenn Männer spielen, heißt es doch auch einfach nur Fußball. Und dann diese nervtötenden Innen-Anhängsel: SchiedsrichterInnen, FußballerInnen, TrainerInnen. Zum Glück spielen die FinnInnen nicht mit.
Dann gestern, das Spiel gegen die – dank Voodoo-Zauber – garantiert lesbenfreie Knochenbrecher-Truppe aus Nigeria. Ich mach’ mir jetzt bestimmt ein paar FeindInnen, aber warum musste ich nach fast jedem deutschen Ballkontakt an einen versprengten Hühnerhaufen denken? Könnte natürlich daran liegen, dass Hähnchenhaufen in der Natur kaum vorkommen? Und als Krönung dann noch diese moppelige Schiedsrichter-Asiatin, die selbst die härtesten Attacken nichtahndend und nichtsahnend unter den Rasen grinste. Bei den Männern wäre die mindestens mit ein paar Feuerzeugen oder Bierbechern beworfen worden und das halbe Stadion hätte gewusst und verkündet, wo ihr Auto wohnt.
Ich kann mir nicht helfen, aber ich werde nicht so recht warm mit jenen ursprünglich auf ein gewisses Maß an Robustheit und – ja, auch – Primitivität ausgelegten Sportarten, die dann plötzlich auch von Frauen ausgeübt werden (sollen/müssen). Diese Ambivalenz, wenn eine Spielerin ordentlich einsteigt, als Flintenweib abgestempelt zu werden, um sie dann, wenn sie es nicht tut, sofort der Nonnenhockeyfraktion zuzurechnen, führt doch bei den meisten Beobachtern und Zuschauern nur zur gänzlichen Gefühlsverwirrung. Wenn dann auch noch, ganz im Zeichen von Bild Dir Deine Meinung Großmaulwerbung für das „größte, deutsche Presseorgan“ hinzu kommt, ist doch endgültig jeglicher Wohlwollensbonus verspielt – oder? Also bei mir schon!
Bis vor kurzem dachte ich ja, man könnte den Deal machen, Männer lassen die Finger von rhythmischer Sportgymnastik und Synchronschwimmen, dafür lassen die Frauen das Fußballspielen und Boxen wieder bleiben. Dann aber sah ich neulich beim Themenabend „Nordlichter“ in 3Sat einen Filmbericht über schwedische Männer in der Midlife Crisis, die eine Synchronschwimmgruppe gegründet haben und zu unverhofftem Erfolg gelangten.
Auf nichts mehr ist Verlass. Schlimm!
Und was noch schlimmer ist: so wie ich die Nordlichter einschätze, sind bei der nächsten Frauen-Fußball-WM auch die Finninnen dabei.
Dieser Artikel erschien am 2. Juli 2011 auch bei kolumnen.de