Als Hommage an die schier endlose Kreativität derjenigen, die bei Youtube eine Akustik-Version des guten, alten Oasis-Songs Wonderwall hochgeladen haben, gibt es jeden Sonntag die Wunderwand der Woche.
Heute: Ein junger Mann mit wunderbarem Anschlag und sehr schöner Stimme singt für seine Wonderwall Sophia!
Man kann von dem alten Haudegen ja halten was man will. Aber heute, beim direkten Vergleich – Joschka gibt diverse Interviews im heute-Journal, bei den Tagesthemen und im täglichen Kulturjournal auf 3Sat und Guido ergeht sich in Betroffenheitsprosa bei der Vorstellung der Studie – wurde doch wieder einmal mehr als deutlich, was dieser Außendingens Wester… (ich mag den Namen gar nicht hinschreiben) gegenüber Joschka Fischer doch für eine klägliche Milchsemmel ist.
Auf die Idee, eine solche Studie in Auftrag zu geben, wäre der doch niemals gekommen. Das hätte doch viel zu sehr seiner Karriere geschadet. Nö, der hebt den einst von Fischer verfügten Erlass lieber wieder auf.
Ich weiß gar nicht, welcher Begriff mir dazu am passendsten erscheint. Erbärmlich triffts wohl am besten.
Was ist eigentlich ein Musikinstrument? Stellt man diese Frage jemandem, der nicht musiziert, wird er höchstwahrscheinlich antworten: Na, ein Instrument, mit dem man Musik macht.
Das stimmt natürlich, trifft’s aber nur unvollständig.
Als ich vor 10 Jahren – nach einer ca. 25jährigen Pause – wieder begonnen habe, Musik zu machen, nachdem mir dies in meiner Jugend von meinem damaligen Musiklehrer ordentlich vergällt worden war, darf ich sagen, ein Musikinstrument ist wesentlich mehr.
Zunächst: für mich ist die Gitarre das ultimative Musikinstrument. Man kann damit jede, aber auch wirklich jede nur erdenkliche Art von Musik machen und vor allem, man kann dies überall tun: am Lagerfeuer, in der Kneipe, in Berghütten, bei Feten, bei Betriebsfeiern, auf Campingplätzen, auf großen und kleinen Bühnen, in der Fußgängerzone, im Garten, im Wald, im Wohnzimmer, überall.
Meine Gitarren
Im Film It might get loud geht es um Gitarren. Um Stromgitarren. Gitarristen aus drei Generationen stellen Ihre Gitarren, ihre Musik, ihre Geschichte und sich gegenseitig ihre Tricks vor: Jimmy Page, Jahrgang 1944, legendärer Gitarrist der Band Led Zeppelin, David Howell Evans, besser bekannt als The Edge, Jahrgang 1961, Gitarrist bei U2 und schließlich Jack White, Jahrgang 1975, Gitarrist und Sänger der genialen Zweimann-Band - oder besser Mann-und-Frau-Band - The White Stripes.
Den Film hat mir neulich Hans bei unserer Herrenpartie in Dänemark angedient. Er war vollkommen begeistert davon. Am Wochenende habe ich ihn mir angesehen und jetzt bin ich vollkommen begeistert davon.
Als Jack White am Anfang des Films auf einem Holzbrett eine Saite aufspannt, darunter ein Colaflasche klemmt, einen Magnettonabnehmer draufnagelt, diesen an einen uralten Kofferverstärker anschließt und dann mit einem Bottleneck ein paar verzerrte Bluestöne anschlägt, bekommt man eine Ahnung davon, welche Geschichte dieser Film erzählen will und wird. Er erzählt die Geschichte von der Gitarre nicht als Instrument, sondern als verlängertes Sinnesorgan, wobei dieses Organ auf höchst unterschiedliche Weise mit dem jeweiligen Musiker verwachsen ist.
Mr. Page zum Beispiel, hängt sich eine Gibson Les Paul um, stöpselt diese über einen, höchstens zwei Bodentreter an einen Röhrenverstärker der Marke Mashall oder Orange an und legt los. Sein Spiel lebt von seinem unglaublichen Anschlag. In einer Szene spielt er ohne auch nur irgendwo irgend einen einzigen Knopf zu drücken die Gitarre als fettes Brett und im anderen Augenblick so angenehm leise, melodiös und zart, als hätte er eine Jazzgitarre oder gar eine akustische Klampfe in der Hand.
Ganz anders The Edge. Bevor aus dessen Verstärkerrack ein Ton kommt, hat er ihn durch unzählige Effektgeräte gejagt und nichts ist erbaulicher für ihn, als einen Sound erzeugt zu haben, der nichts mehr mit dem ursprünglichen, von einem elektromagnetischen Abnehmer erzeugten Ton einer Stromgitarre zu tun hat. In einer Szene spielt er ein wirklich beeindruckendes, typisches U2-Soundgewitter und als er alle Effekte mit einem Fußschalter abschaltet, sind zwei ständig aufeinanderfolgende, nichtssagende Gitarrenakkorde zu hören, die jeder Gitarrenschüler in der dritten Unterrichtsstunden zu spielen in der Lage wäre.
Ich gestehe, am meisten beeindruckt hat mich Jack White. Keine Frage, Jimmy Page ist ein wahrer Gitarrengott. The Edge ein Tüftler vor dem Herrn, aber sowohl die Suche Whites nach den Wurzeln moderner, rhythmusbetonter Musik – hauptsächlich natürlich im Blues – als auch sein anachronistisch-rebellischer Charakter, ist er doch in einer Zeit aufgewachsen, in der es nur Hip Hop und elektronisch abgemischtes Bassgestampfe zu geben schien, haben einen ganz starken Eindruck bei mir hinterlassen. Und, was mir ganz besonders aufgefallen ist: seine Ernsthaftigkeit.
Wirkten Page und The Edge in vielen Szenen cool, relaxed, manchmal sogar aristochratisch entrückt, z. B. als Page das alte Landhaus vorstellte, in dem zahlreiche Led Zeppelin Aufnahmen gemacht wurden, war White oft bis zur Verkrampfung ernsthaft.
Typen wie Oliver Kahn kreide ich so etwas immer gerne als überbordende Beflissenheit an, White hingegen wähnte ich diesbezüglich in höherer Sache unterwegs. Jemand, der auf der Suche nach den Wurzeln ist (nein, ich sage nicht, nach der Wahrheit) darf nicht nur, nein, er muss ernsthaft sein und bleiben.
In einer Szene kritzelt er ein paar verschrobene Bluesverse auf ein Blatt Papier, holt sein völlig verschrabbelte Gitarre hervor, schaltet ein altes Tonbandgerät ein und singt durch ein Bluesharp-Mikrofon, so dass seine Stimme vollkommen irre und verzerrt klingt. Als er amtlich endet, schaltet er das Tonbandgerät ab, spult zurück und gibt das Band dem Kameramann. Der Kerl sollte sich “von” schreiben. Er hielt in diesem Augenblick ein Tondokument in Händen, das vor wenigen Minuten komponiert, gespielt, aufgenommen und abgemischt worden war. In einem Stück, ohne viel Federlesens, ohne große Effekte, einfach nur so vom Instrument, vom Interpreten, von dessen Intuition und seiner Fähigkeit, so etwas einfach tun zu können, auf’s Tonband. Zack.
Doch zurück zum Triumvirat. Die drei kamen in einer Art Studio zusammen, wo ein gewaltiges, technisches Equipment aufgebaut war, sie unterhielten sich, stellten ihre musikalischen Wurzeln vor, wobei auffälligerweise nicht ein Mal der Name Jimi Hendrix erwähnt wurde, hatten Respekt und waren schwer beeindruckt voneinander, spielten, kicherten und jammten gemeinsam, hatten insgesamt aber eigentlich fast beängstigend wenig Gemeinsamkeiten.
Aber genau das ist meiner Ansicht nach die große Stärke dieses Films. Hier sind nicht drei zusammengekommen, die deshalb, weil sie alle verdammt gute Gitarrenmusik machen, das Generationenproblem gelöst haben wollten, indem sie ab sofort und für alle Zeiten unzertrennliche Freunde geworden sind. Sie haben sich getroffen, weil Regisseur Davis Guggenheim sie dazu eingeladen hatte. Sie haben ihre Verstärker, ihre Effektgeräte, ihre Gitarren und ihr Können mitgebracht und sie haben für 97 Minuten Einblick in ihr Innerstes gewährt. Das war teilweise erhellend, teilweise reichlich profan und in manchen Fällen allzu naheliegend.
Danach haben sie sich umarmt, sind wieder ihrer Wege gegangen und ich müsste mich sehr täuschen, hätten sie nach dem Dreh noch einmal miteinander telefoniert.
Damit kein falscher Eindruck entsteht. It might get loud ist ein guter Film. Ein richtig guter Film. Ein richtig guter Musikfilm. Allerdings nur für diejenigen, die ihr Herz an Rock- und E-Gitarrenmusik verloren haben. Aus unterschiedlicheren Gründen als Page, The Edge und White kann man kaum zur Gitarre greifen. Das hat zum einen natürlich mit der jeweiligen Zeit zu tun, in der das geschehen ist, zum anderen aber tatsächlich damit, dass Gitarre spielen eine äußerst variable Kunst ist. Keine zwei Gitarristen spielen genau gleich, selbst wenn sie das selbe Lied spielen. Das zeigt der Film mehr als deutlich und wenn am Anfang irgendwann der unvergleichliche Lonny Donegan in verschneiten Schwarz-Weiß-Aufnahmen seine Skiffle-Songs herunterschrabbelt, dann wirkt das mindestens ebenso begeisternd, wie das einführende Solo von Stairway to Heaven auf Pages Doppelhalsgitarre.
Der Schluss des Films sorgte bei mir jedenfalls noch einmal für reichlich Erheiterung. Es sollte in einer gemeinsamen Jam-Session, witzigerweise nicht auf elektrischen-, sondern auf akustischen Gitarren The Weight von The Band gespielt werden. Die kurzen Szenen, in denen gezeigt wurde, wie die drei geprobt haben, haben mich frapierend an den eigenen Band- und Proberaum erinnert, wenngleich ich mich natürlich in keiner Weise, um nicht zu sagen, in keinster Weise mit einem der drei Herren vergleichen möchte/darf.
Dennoch, es tat richtig gut zu sehen und zu hören, dass sich selbst Gitarrengötter einen relativ bekannten Folksong erst ordentlich erarbeiten müssen, bevor sie ihn spielen können.
Ob die drei jemals aus ihrer Endlosschleife G, B-Moll, E-Moll, D, C und G wieder herausgefunden haben, wird ein ewiges Geheimnis bleiben. Die Regie jedenfalls hat den Song gnädig ausgeblendet.
Als Hommage an die schier endlose Kreativität derjenigen, die bei Youtube eine Akustik-Version des guten, alten Oasis-Songs Wonderwall hochgeladen haben, gibt es jeden Sonntag die Wunderwand der Woche.
Heute: Eine recht aufwändige und inbrünstige Version mit diversen Overdubs. Aber vorsicht: Big Teddybär is watching you!
… eine Insel, eine Insel.
Doch, doch, es hat mich schon ein wenig an Lummerland erinnert, als unser fliegender Omnibus die Insel Jersey ansteuerte. Das sah von oben alles recht putzig und überschaubar aus, mit Leuchtturm und kleinen Hecken und Mäuerchen und vielen, vielen, kleinen Autos.
Tatsächlich entpuppten sich die kleinen Hecken und Mäuerchen und auch die vielen, vielen, kleinen Autos als nicht zu unterschätzendes Verkehrsabenteuer, wobei ich den Jerseyanern schon zugute halten darf, dass sie möglichst kleine Autos fahren und den Touristen noch kleinere Mietautos geben, weil es teilweise wirklich eng zugeht – also richtig eng und käme einem nicht ab und zu ein wahnwitziger Lastkraftwagen oder ein Traktor entgegen, würde der Verkehrsfluss auch halbwegs funktionieren.
Was die Inselbewohner allerdings gar nicht haben, sind Wegweiser und Hinweisschilder, die diesen Namen wirklich verdienen. Ich halte die Liebste für eine sehr gute Landkartenleserin, die in 99 von 100 Fällen weiß, wo auf der Karte gerade sich der eigene Standpunkt befindet, auf Jersey allerdings kam es vor, dass wir uns wiederholt und rasant der Südküste näherten, obwohl uns die Liebste noch weit im Norden wähnte.
Ja gut, die Insel ist nur acht Kilometer breit und gute 15 Kilometer lang, da kann so etwas schon einmal passieren, trotzdem führte der manchmal urplötzlich vor uns auftauchende Strand zu diversen Aha-Erlebnissen und zur Notwendigkeit, sofort und auf der Stelle zu wenden.
Obwohl wir nur insgesamt eine Woche auf Jersey weilten, sind wir in insgesamt drei Hotels abgestiegen. Zwei aus der absoluten Luxuskategorie und eins aus dem eher unteren Preissegment. Das hatte damit zu tun, dass die Reise Teil eines Gemeinschaftsgeschenks unserer Freunde anlässlich eines nicht näher benannten, runden Geburtstags der Liebsten war und es den Schenkern gefallen hatte, uns bei den ersten Adressen dieser herrlichen Insel unterzubringen. Und weil fünf Tage für einen solchen Urlaub dann doch etwas kurz waren und der Flugpreis sich bei 7 Tagen rund um die Hälfte reduzierte, haben wir noch zwei Tage angehängt und übers Internet noch ein drittes Hotel gebucht, dem ein Par-3-Golfplatz angeschlossen war, der von Hotelbewohnern umsonst bespielt werden durfte.
Hotel Nr. 1, das Eulah Countryhouse, wirbt mit dem einfachen, aber trefflichen Slogan Quiet Luxury und hat uns im Nachhinein am besten gefallen. Es wird familiär geführt. Die Hotelbetreiber wohnen mit im Haus und die zahlreichen Aufenthalts- und Wohnräume können von den Gästen mitgenutzt werden.
Eulah Countryhouse
Ich will mich gar nicht in detailreichen Beschreibungen ergehen. Das Haus hatte einfach nur Stil, das Frühstück war reichhaltig, full english and very delicious, die Gastgeber unaufdringlich und sehr nett. Das einzige, was man den Betreibern dieses exklusiven Hauses ankreiden muss, ist, dass sie eine Deutschenfalle aufgebaut hatten, in die die Liebste natürlich sofort hineingetappt ist. Im Bad war nämlich ein uralter, goldgerahmter Spiegel schief aufgehängt, wohl wissend, dass nur Deutsche diesen wieder geraderücken würden.
Dinner wurde nicht angeboten, aber nachdem auf der Insel derzeit das sogenannte Tennerfest stattfand, sind wir, begleitet von einer frischen Meeresbrise, am Strand entlang in die Stadt gelaufen und haben The Goosen aufgesucht.
Dort wurde, wie in vielen anderen Restaurants für zehn Pfund (a tenner!!) ein dreigängiges Menü angeboten.
Bis wir allerdings in den Genuss dieses Menüs kamen, mussten noch zwei Schwierigkeiten überwunden werden.
Erstens, es gab erst ab 18:00 Uhr Dinner und es war erst 17:15 Uhr. Zweitens, die in kombinierten Pub-Restaurants übliche Vorgehensweise beim Bestellen, war uns nicht, um nicht zu sagen überhaupt nicht bekannt. Zwar wussten wir von früheren Englandbesuchen, dass man im Barbereich sein Getränk an der Theke holt und auch gleich bar bezahlt, dann aber, wenn es ans Essen geht, in den Restaurantbereich zu wechseln und an einer völlig anderen Bar seine Menüwahl zu nennen und ebenfalls vorher zu bezahlen, ähnlich, wie beim unsäglichen Fastfoodkönig, das war uns nicht bekannt.
Als wir also reichlich betrunken beim x-ten Getränk sitzend – es musste wie erwähnt eine gute dreiviertel Stunde überbrückt werden – darauf warteten, endlich unser Essen bestellen zu dürfen, die Bedienung uns aber beflissentlich übersah, weil Bedienung in der Bar ein absolutes Novum ist und wir erst auf Nachfrage in den Restaurantbereich verwiesen wurden, wo wir dann wieder saßen, weil auch hier nur bedient wurde, wenn man vorher bezahlt hatte, als wir also erneut reichlich ratlos in der Gegend herum saßen, erbarmte sich endlich eine junge Bedienung, uns mit der ultimativen Bar- und Restaurantordnung auf der direkt der britischen Krone unterstellten Insel Jersey vertraut zu machen. Himmel, welch ein bürokratischer Akt.
Besagter Akt allerdings gereichte uns am nächsten Tag zum Vorteil, als wir in einer ähnlichen Kneipe ein zwar anderes, aber nach der gleichen Methode zu bestellendes Menü orderten und ohne große Umstände einfach so verspeisten.
Die Rundreise, die wir vor der Einnahme des unspektakulär bestellten Abendessens am nächsten Tag nach Vorschlägen aus einem einschlägigen Reiseführer unternahmen, führte uns tatsächlich um die gesamte Insel und beinhaltete so imposante Ziele, wie das “überdachte” Stonehenge von Jersey, La Hougue Bie und die prächtige, mit viel Liebe zum Detail restaurierte Festung Mont Orgueil Castle.
Das überdachte Stonehenge von Jersey: La Hugue Bie
Don Quichotte und sein Knappe auf Mont Orgueil Castle
Zwar wurden wir bei dieser Rundfahrt wieder Opfer der mehr als notdürftigen Beschilderung, doch Creamed Tea and Scones in einem Cafe am Strand, der wieder einmal urplötzlich vor uns aufgetaucht war, entschädigten für manche Irrungen im Inselinneren.
Am nächsten Tag stand Golf auf dem Plan. Weil ich keine eigene Ausrüstung dabei hatte und mir der Royal Jersey Golf Club mit über 60 Pfund Greenfee etwas zu teuer war, habe ich mich für den Les Mielles Golf and Country Club entschieden. Golfschläger habe ich mir für ein paar Pfund geliehen. Darauf, was ich mit diesen Schlägern dann allerdings an spielerischer Leistung abgeliefert habe, möchte ich lieber nicht näher eingehen. Grottengolf beschreibt es wohl am trefflichsten.
Golf in Les Mielles
Auf dem Weg zu unserem neuen Hotel haben wir zwei Zwischenstationen eingelegt. In einem alten Nazi-Bunker (ja, auch hier gibt es diese verfluchten Dinger), hat ein geschäftstüchtiger Fischer einen sogar in diversen Reiseführern erwähnten Krabben- und Lobsterverkauf etabliert. Der gute Mann war bereit, uns seine besten Stücke zu zeigen. Beeindruckend.
Ca. 40 Jahre alter Lobster
Station Nr. 2 war der Leuchtturm von Jersey. Als wir ankamen, war gerade Flut und der Fußweg noch nicht benutzbar. Nach einem Drink im nahegelegenen Restaurant aber legte die Ebbe einen imposanten Weg frei, der uns trockenen Fußes direkt zum Leuchtturm führte.
Der Leuchtturm von Jersey
Am Nachmittag sind wir dann ins erste Haus am Platz, ins Longueville Manor Hotel eingezogen. Eine junge Frau an der Rezeption begrüßte uns überschwänglich, machte uns im verständlichsten Englisch mit allen Einzelheiten eines Fünfsternehotels vertraut, um dann, als sie uns Zimmer, Park, Restaurant, Fernseher, Shortbread, Tea- und Roomservice ausführlichst gezeigt und erklärt hatte, damit herauszurücken, dass sie Deutsche ist und wir uns für den Rest unseres Aufenthalts deutsch mit ihr unterhalten konnten. Warum sie dies nicht gleich von Anfang an gemacht hatte, erschloss sich mir nicht auf Anhieb.
Die Liebste im Longueville Manor Hotel zu Jersey
Die Liebste steht auf solche sündhaft teuren Schuppen, die sie wegen der Frotteepantoffeln, die auf dem Zimmer zur Verfügung stehen, liebevoll Schläppchenhotels nennt. Ich hingegen kann mit solchen Hotels ehrlich gesagt nicht viel anfangen. Mir ist das alles eine Spur zu überkandidelt, von den Zimmerpreisen einmal ganz abgesehen. Aber einem geschenkten Hotel schaut man nicht auf’s Schläppchen und so verbrachten wir zwei gediegene, englische Landhaustage, ließen uns beim Frühstück vom Ober die Serviette auf den Schoß werfen und schnitzten am luftgetrockneten Schweinebein herum, bis uns ein aufgeregt gestikulierender Ober mit den Worten verscheuchte Please, let me help you.
Trophäen aus dem Fünfsternehotel
Das Wetter war übrigens während unseres gesamten Urlaubs relativ schön, was allerdings bewirkte, dass wir gar nicht rechtschaffen unser kostspieliges Hotelzimmer ausnutzen konnten. Stattdessen besuchten wir den von Gerald Malcolm Durrell im Jahre 1959 gegründeten Zoo, in dem hauptsächlich vom Aussterben bedrohte Tierarten leben. Vor allem die Erdmännchen und Katta Lemuren hatten es uns angetan. In beiden Fällen hatten wir den Eindruck, dass nicht sie die Insassen des Zoos waren, sondern wir, die Besucher.
Erdmännchen unter sich
Lemuren beim Lunch
Nach dem Auszug aus dem Schläppchenhotel haben wir Elizabeth Castle besucht. Bei Ebbe ist diese vorgelagerte Insel zu Fuß zu erreichen, weil an diesem Tag aber Flut herrschte, mussten wir mit Charming Betty, einem Amphibienfahrzeug fahren bzw. schwimmen. Wie das aussieht, hat ein gewisser Simon Reed festgehalten.
Hier sein Youtube-Video:
Die beiden letzten Tage verbrachten wir im Wheatlands Hotel mit angeschlossenem Par3-Golfplatz. Das ist ein lustiges, kleines Hotel, so recht nach meinem Geschmack. Es gab ein kleines Restaurant mit bezahlbaren und schmackhaften Speisen. Natürlich musste ich einmal Fish & Chips essen und das an der Bar ausgeschenkte John Smith Extra Smooth schmeckte nach 18 gespielten Par3-Löchern ganz fantastisch. Der Golfplatz ist übrigens, trotzdem es nur Par3-Bahnen gibt, gar nicht so ohne. Kein geringerer als der berühmte walisische Golfspieler und Whiskeytrinker Ian Woosnam soll am Bau dieses kleinen, aber feinen Platzes mitgewirkt haben.
Großes Golf und lange Schatten in Wheatlands
An unserem letzten Urlaubstag besuchten wir das Country Life Museum Hamptonne. Dort war gerade ein fröhliches Hoffest im Gange. Es wurde Brot gebacken, in einer historischen Küche Fleisch mit Zwiebeln gebraten, furchtbar sauerer Cider ausgeschenkt, ein Kürbisrisotto gekocht, die Vogelhochzeit auf englisch gesungen, es wurden Gedichte in der inseleigenen Sprache Jèrriais vorgetragen und Vorträge über Apfel- und Kartoffelanbau gehalten. Es herrschte eine ganz eigene, wunderbare Stimmung an diesem Nachmittag. Fröhliche, entspannte Sonntag-Nachmittag-Menschen.
Historische Küche in Hamptonne
Als wir schließlich zurück zum Hotel gefahren sind, um die Koffer zu packen, weil es tags drauf wieder nach Hause gehen sollte, erinnerte ich mich das eine ums andere Mal an diese federleichte Country Life Stimmung und dachte so bei mir: Doch, doch, Lummerland Jersey wird noch lange in unseren Herzen wohnen.
Um den Mietwagen allerdings, um den werde ich wohl noch lange trauern.
Als Hommage an die schier endlose Kreativität derjenigen, die bei Youtube eine Akustik-Version des guten, alten Oasis-Songs Wonderwall hochgeladen haben, gibt es jeden Sonntag die Wunderwand der Woche.
Heute: Eine sehr hingebungsvolle Variation einer jungen Frau mit ganz hervorragender Stimme.
Als Hommage an die schier endlose Kreativität derjenigen, die bei Youtube eine Akustik-Version des guten, alten Oasis-Songs Wonderwall hochgeladen haben, gibt es jeden Sonntag die Wunderwand der Woche.
Gestern in arte wurde ein Film gezeigt, der für mich in zweierlei Hinsicht bemerkenswert war. Doch dazu später.
Der Film hieß Kubrick, Nixon und der Mann im Mond, war als Dokumentarfilm angelegt und zeigte, dass Richard Nixon, der damals, 1969 sehr nervös war, ob die Amis es vor den verhassten Sowjets schaffen würden, bemannt auf den Mond zu fliegen und – das soll ein noch viel größeres Problem für Nixon dargestellt haben – ob es auch ordentliches Filmmaterial vom kleinen Schritt für einen Menschen und vom großen für die Menschheit geben würde. Das war nämlich gar nicht so klar und nichts ist schlimmer für den gemeinen, hollywoodsüchtigen Amerikaner, als ein politisches wissenschaftliches Ereignis, das nicht ordentlich mit Bildern und Pathos unterlegt ist.
Also sollen Nixons Schergen den damals äußerst hippen Regisseur Stanley Kubrick, der gerade mit der Produktion des Films 2001: Odyssee im Weltraum beschäftigt war, beauftragt haben, für den “Fall der Fälle” eine kleine, authentische Mondlandung zu inszenieren.
So weit, so verschwörungstheoretisch. Richtig glaubwürdig und gut wurde der Film aber dann, als besagte Schergen tatsächlich in einer großen Gesprächsrunde zu Wort kamen. Unter anderem Henry Kissinger (US-Sicherheitsberater und US-Außenminister), Donald Rumsfeld (Assistent des US-Präsidenten Nixon und späterer Verteidigungsminister der USA) und Richard Helms (früherer CIA-Chef). Die Jungs in der Runde unterhielten sich so locker und gelöst, auch darüber, dass Nixon ein alter Säufer war, der eigentlich gar nix vertrug und als ihm nach einiger Zeit die Muffe ging und er im Halbsuff den Gedanken äußerte, diejenigen, die an der Mondlandungsmanipulationsinszenierung beteiligt waren, liquidieren zu lassen, lehnten Rumsfeld und Kissinger vehement und kategorisch ab, bei einem solchen Unterfangen mitzumachen.
Ein durchgeknallter CIA-Mann soll dann aber auf eigene Faust losgezogen sein und tatsächlich alle Beteiligten (bis auf Stanley Kubrick) um die Ecke gebracht haben, was Kubrick dazu veranlasst haben soll, sich bis zum Ende seines Lebens auf seinem Landsitz in England zu verbarrikadieren.
So, jetzt aber zur Auflösung, warum mich der Film in zweierlei Hinsicht so beeindruckt hat:
Ich habe bis zu dem Statement der Witwe Kubrick, die zum Schluss des Films augenzwinkernd von einem großen Spaß gesprochen hat, geglaubt, was mir dieser Bericht suggeriert hat. Erst als Frau Kubrick zu Wort kam und die zahlreichen Outtakes von Leuten gezeigt wurden, die in die Sache eingeweiht waren (wohlgemerkt die illustre Herrenrunde um Rumsfeld, Kissinger und Helms war nicht eingeweiht), wurde mir klar, dass es ein Mockumentary war.
Was aber noch viel schlimmer ist: Ich habe den Amis alles, was ich gehört und gesehen habe tatsächlich zugetraut. Wenn sich der Film zum Schluss nicht als große Ulkerei entpuppt hätte, hätte ich gesagt. Tja, so isser halt, der Ami.
Schlimm – oder?
Wenn man wie wir nicht die allerneuesten Autos fährt, empfiehlt es sich, Mitglied beim Allgemeinen Deutschen Automobilclub zu sein. Der hat so schöne, gelbe Servicemobile und kommt sofort, wenn die alte Möhre liegenbleibt, hilft dann mit Kurzdiagnose oder Kleinstreparatur und wenn nichts mehr geht, wird abgeschleppt. Außerdem gibt’s jeden Monat eine bunte Zeitschrift mit Autotests, Politikerbeschimpfungen (so sie sich für Geschwindigkeitsbeschränkungen stark machen), Anzeigen für obskure Weiterbildungsmaßnahmen, Wendeltreppenlifte und Saunas. Und wenn man mal verreisen will, kann man sich ein Reise-Infopaket schnüren lassen, mit grobschlächtigen Landkarten und Informationsmaterial, das Binsenweisheiten enthält.
Nächste Woche fliegen die Liebste und ich für einen Kurzurlaub auf die Kanalinsel Jersey. Nein, nicht um Geld zu verstecken, sonst würden wir ja keine alten Autos fahren, sondern weil die Liebste da schon immer einmal hin wollte und ihr dieser Wunsch anlässlich ihres runden Geburtstages, den sie Mitte August gefeiert hat, in Form diverser Reisegutscheine und Hotelreservierungen erfüllt wurde.
Besagtes Infopaket ist inzwischen angekommen, hat aber nicht viel gebracht, weil die Kanalinseln im Einzelnen und Jersey im Besonderen nur am Rande Erwähnung finden. Allerdings hat der ADAC in einem Anflug googleschen Größenwahns eine interaktive Landkarte per E-Mail geschickt. Klickt ruhig mal drauf, macht echt Laune, die putzige Insel zu erkunden.
ADAC Maps - Jersey
Wenn jetzt noch die in einem Anflug kachelmannschen Größenwahns mitgelieferten Wettervorhersagen stimmen, die besagen, dass es die gesamte nächste Woche halbwegs schönes Wetter geben soll, bin ich rundum zufrieden.
Die einen stehen auf Bierbänken, in Lederhosen und Dirndl, völlig außerhalb der Zeit, schunkeln und grölen zu typisch bayerischem Liedgut wie Sweet Home Alabama oder Country Road, eine Maß Bier für 8,75 € in der Faust, mit der angestoßen und aus der auch manchmal getrunken wird. In Ausnahmefällen zerschlägt man den Krug auf dem Kopf eines anderen, aber solche Fälle gehen zurück, verrät die Statistik. Nicht jeder Wiesn-Besucher ist ein potenzieller Raufbold, ebenso, wie nicht jeder Bartträger ein Islamist.
Die anderen kämpfen sich mit jeweils vierzehn Golfschlägern auf einer Länge von rund sieben Kilometern im walisischen Newport durch Regen, Sturm und Kälte. Erst liegen die Amis vorne, dann holen die Europäer spektakulär auf. Und weil es regnet und regnet, immer wieder stark regnet und die Hälfte der monatlichen Regenmenge in dieser Gegend an zwei Tagen über dem Traum-Golfplatz The Celtic Manor Resort herniedergeht, muss die Entscheidung auf Montag verschoben werden.
Dann gibt’s noch welche, die kassieren Monatsgehälter, so hoch, wie sie unsereins im Jahr nicht annähernd verdienen wird, dafür, dass sie eineinhalb Stunden am Wochenende und in englischen Wochen auch mal am Dienstag oder Mittwoch hinter einem Ball herrennen, um dann doch das Spiel zu verlieren und sich die Brandreden des Herrn Wurstfabrikanten und einer holländischen Muppetfigur anhören müssen.
Oktoberfest, Ryder Cup, Bayern München – Wiesn, Kampf der Kontinente, FC Hollywood - Volksfest, Golfsport, Bundesliga.
Als ich nach der zweiten Maß das Festzelt verlasse, um über die Wiesn zu spazieren – zum ersten Mal in meinem Leben übrigens, auch, um einmal eine Trinkpause einzulegen, denn würde man beim permanenten Prosit der Gemütlichkeit immerzu mithalten, wäre man nach zwei Stunden fertig, in der Ecke, Aus, Tilt, Filmriss – als ich also so vor mich hingehe und die Partygelaunten, Halb- und Volltrunkenen so bei ihrer Freizeitgestaltung beobachte, erkenne ich plötzlich, wie ernst es denen ist, mit ihrer Gaudi, mit ihrer Folklore, mit ihren auf den rot karrierten Hemden aufgenähten Hosenträgern, mit ihren Filzhüten und aufblasbaren Partyfässern auf dem Kopf.
Wiesn-Hit 2010, der Sarrazin-Song: Ich hab’ ne Zwiebel auf dem Kopf, ich bin ein Döner. Integration muslimischer Migranten in Deutschland gescheitert – dass ich nicht lache.
Und alle singen Olé, Olé, Olé, Olé. Die Banktänzer im Bierzelt, die Zuschauer beim Ryder Cup in Wales und die Dortmunder, die anderntags den Bayern die Lederhosen ausziehen.
Und die Europäischen Golfer? Die verspielen fast noch ihren komfortablen Vorsprung vom Sonntag. Martin Kaymer, der neue Bernhard Langer verliert sein Spiel, doch dann, am 17. Loch der letzten Paarung, versagen dem jungen Amerikaner Hunter Mahan die Nerven. Ein Chip von ca. zehn Metern missrät vollständig. Der Ball hoppelt nur einen guten Meter. Mir, als Hobbygolfer passiert so etwas ständig. Ein kleiner Trost für mich. Eine Katastrophe für den Profi.
Für Hunter Mahan und Louis van Gaal bleibt eigentlich nur die Todesstrafe. Zum Glück ist die Wiesn ab heute vorbei.