Am Wochenende im Getränkemarkt: Zwei Jugendliche kommen mit Spendenbüchsen auf mich zu und einer fragt mich, ob ich bereit wäre, meine Pfandquittung für diverses Leergut dem RTL Spendenmarathon zu spenden.
Wem, frage ich?
Dem RTL Spendenmarathon wiederholt der Jugendliche, der bisher das Wort geführt hat und ergänzt: Für arme Kinder.
Nö, wiegle ich ab, RTL bekommt von mir bestimmt kein Geld und rücke dem Pfandautomaten ein Stück näher.
Aber es ist doch für arme Kinder, bohrt der Jugendliche mit der Büchse nach.
Ich sammle mich kurz und sage dann laut und gefasst:
Armen Kindern in Deutschland wäre am meisten damit geholfen, wenn RTL seinen Sendebetrieb einstellen würde.
Der Bursche mit der Büchse, sein Kumpel und alle um mich zahlreich herumstehenden Pfandguteinlöser starren mich fassungslos an. Selbst der Automat setzt vorrübergehend aus. Ich komme mir vor, wie in einem der Slow-Motion-Parts neumodischer Actionfilme, die vorzugsweise auf RTL zur Ausstrahlung kommen.
Erst als der Pfandautomat wieder rattert, entspannt sich die Lage und die Jungs mit der Sammelbüchse verlagern ihr Jagdgebiet vorrübergehend auf den Parkplatz. Als ich nach dem Einkauf den Getränkemarkt verlasse, umlagern sie aber bereits wieder den Automaten im Eingangsbereich und schenken mir zum Abschied ein verächtliches Kopfschütteln.
Verfasst von axeage