Die Zeit verrinnt

04.11.2009
Dieser Text erschien am 29. November 2009 auch bei der Blogbibliothek.
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Wenn H. und H. zu sich nach Hause zu einer Fete einladen, taucht man ein in eine köstliche Mischung aus Esoterik und Motoröl, Homöopathie und Hemdsärmligkeit, Basentee und Fassbier, Gartenteich und Werkbank, Staplerservice und Heilpraxis, Philosophie und Siedlergemeinschaft.

Nicht falsch verstehen -  diese Aufzählung ist in keiner Weise negativ oder abwertend gemeint, im Gegenteil: das erwähnte Konglomerat ist nämlich nicht Ergebnis überkandidelter Einstellungen, sondern Ausdruck witzig, intelligenter Lebensentwürfe, die sich aus den teilweise ordentlich krummen Lebensläufen der beiden entwickelt und letztendlich auch beide, also H. und H. zusammengeführt haben.

Sinnspruch im Guinness-Pub

Im eigens zum Guinness-Pub umfunktionierten Holzschuppen mit Original Guinness Zapfanlage und Original Guinness Biergläsern hängt einer der schönsten Trinksprüche, die ich kenne: Die Zeit verrinnt, wie schnell ist nichts getrunken, und fürwahr, nach diesem Motto laufen die Geburtstags-, Garten- und Silvesterfeiern ab, die H. und H. das ein ums andere Mal im Jahr veranstalten.

Schöner Brauch ist es, nachdem die Liebste und ich nicht gerade um die Ecke wohnen, bei den beiden zu übernachten und am nächsten Tag den Verlauf der Fete Revue passieren zu lassen, sich über den einen oder die andere das Maul zu zerreißen, sich bei einem Spaziergang in herbstlicher Umgebung die Übernächtigung und das Bier aus dem Kopf blasen zu lassen und gemeinsam in der Vergangenheit zu schwelgen, die Gegenwart zu bewerten und die Zukunft links liegen zu lassen.

Konsens tut gut. Dissens gehört dazu. Wichtig und schön ist, dass man sich gegenseitig zuhört und ausreden lässt. Die Fete am Vorabend dient der Bespaßung; das Frühstück, der Spaziergang und der Nachmittagstee am nächsten Tag, der Erbauung.

Guinnessplakat vor Holzstoß neben verrinnender Zeit