Haus am Golfplatz

23.11.2009

Kleine Villa in sehr gutem Zustand und malerisch exponierter Lage, mit unverbaubarem Landschaftsblick, direkt neben der zehnten Spielbahn des Golfplatzes Erlangen.

Außenansicht

Innenansicht

Zentralheizung

Ein Traum für jeden Golfer, der sofort nach den ersten Strahlen der aufgehenden Morgensonne den Tag mit einer gediegenen Halbrunde Golf beginnen möchte.

Das Baumaterial für eine geräumige Terrasse stapelt sich direkt neben dem Haus, kann in Eigenleistung schnell verlegt werden und bietet eine wunderbare Möglichkeit, vorbeiziehende Golfer zu beobachten, sie bei Bedarf anzufeuern oder dann, wenn deren Ball im eigenen Vorgarten landet, ordentlich zu verhöhnen.

Die großzügige Raumaufteilung, eine hochmoderne Zentralheizung und zweckmäßige Teilmöblierung runden dieses Angebot nach oben ab.

Schlafzimmer - teilmöbliert


Kann es sein …

20.11.2009

… dass es gestern zwischen Ina und  Jan Josef ordentlich geknistert hat? Schnick Schnack …

Dackelblick trifft Superweib


Die Dinge des Lebens

17.11.2009

Als ich noch bei meinen Eltern gewohnt habe, fragte mich mein Vater oft dann, wenn ich das Haus verlassen wollte, ob ich denn auch alles dabei hätte, was man so braucht. Obwohl ich genau wusste, was er meinte, stellte ich mich dumm und fragte nach. Er belehrte mich daraufhin -  jedes Mal aufs neue entrüstet – dass es für einen jungen Mann in meinem Alter drei elementare Dinge gebe, die dieser immer und auf jeden Fall mitzuführen hätte: ein Taschentuch, ein Taschenmesser und einen Kamm.

Ich hatte meistens weder noch dabei; Taschentücher brauchte ich nur bei Schnupfen und dann aus Papier, ein Taschenmesser lediglich im Wald zum Pilze sammeln und einen Kamm benötigte in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Jugendlicher definitiv nicht – nie!!

Der Inhalt meiner Taschen bestand aus Zigaretten, Feuerzeug und Kaugummi. Die zeigte ich brav meinem Vater, der daraufhin verständnislos den Kopf schüttelte und mich aus der Tür schubste.

Heutzutage schleppe ich Gerätschaften mit mir herum, die es in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts noch gar nicht gegeben hat; sie waren noch nicht mal ansatzweise erfunden: einen Organizer, einen MP3-Player und ein Mobiltelefon.

Datenbank, Musik, Kommunikation

Neulich habe ich gelesen, der Computer der Mondlandefähre von 1969  hatte weniger Hauptspeicher als heutzutage ein Handy. Ich wäre also mit dem Inhalt meiner Hosentaschen in der Lage, zumindest was Speicherkapazität und Rechnerleistung betrifft, auf dem Mars oder einem noch weiter entfernten Planeten zu landen.
Würde ich das meinem alten Vater erzählen, würde er wahrscheinlich noch heftiger mit dem Kopf schütteln und  Zigaretten und Kaugummi plötzlich gar nicht mehr so übel finden.


Literaturtage Lauf 2009 – Jan Weiler

15.11.2009

Leider, leider hat die Zeit in diesem Jahr nur für eine einzige Lesung bei den Laufer Literaturtagen gereicht, aber die war wahrlich köstlich. Jan Weiler las am Freitag aus seinem neuen Roman Drachensaat und nach einer kurzen Rotweinpause Kolumnen aus seiner Reihe Mein Leben als Mensch.

Launig eröffnete er die Veranstaltung mit dem Hinweis, dass der erste Teil etwa eine dreiviertel Stunde und der zweite Teil ungefähr sieben Stunden dauern würde. Pinkel-, Rotwein- und sonstige Pausen seien in diesem zweiten Teil allerdings nicht vorgesehen.

Derart gebrieft machte er uns, das Publikum, mit Plot und Handlungsstrang seines Romans bekannt: Es gehe um Menschen, die einer neuen, weitgehend unbekannten Gesellschaftsschicht angehören und die aus dem bisher vorherrschenden Schema Ober-, Mittel und Unterschicht herausgefallen seien; Menschen, die zunehmend Orientierung und Bindung, aber auch Akzeptanz und Verständnis zur bestehenden Gesellschaftsordnung und deren Mechanismen verloren hätten.
So treffen in der Privatklinik des Psychologen Dr. Zens fünf Menschen aufeinander, die alle auf ordentlich schräge Lebensläufe verweisen können und deren Leben und Besonderheiten durch Massenmedien – sei es im Fernsehen oder im Internet – ausgebeutet wurden. Dr. Heiner Zens meint im Verhalten seiner Patienten ein neues Syndrom gefunden zu haben, benennt dieses ganz unbescheiden das Zens-Syndrom und hat auch gleich eine ebenso bizarr, wie hanebüchen anmutende Therapie dafür bzw. dagegen.

Da ist zunächst der Ich-Erzähler Bernhard Schade, der nach zahlreichen privaten und beruflichen Pleiten beschlossen hat, sich umzubringen und aus dem Zufall heraus, dass diese seine Entscheidung genau mit dem Zeitpunkt zusammentrifft, an dem die langjährig ersehnten Wagner-Opernkarten bei ihm eintreffen, seinen Freitod während eben jener Opernaufführung in aller Öffentlichkeit zelebrieren möchte, sein Vorhaben aber scheitert und er statt im Leichenschauhaus, im Krankenhaus und später bei Dr. Zens in dessen Privatklinik landet.
Ja oder Rita Bauernfeind, die ursprünglich stark übergewichtige Büroangestellte, die sich deshalb, weil sie Funk- und Radiofrequenzen wahrnimmt und feststellt, diese vermeintlich verspeisen zu können, sich seit geraumer Zeit nur von Wasser und Luft ernährt und deshalb mehr als 200 kg abgenommen hat. Schließlich Ünal Yilmaz, ein streitbarer, homosexueller Busfahrer, der von seinen moralischen Vorstellungen derart durchdrungen ist, dass er hunderte und aberhunderte Gerichtsprozesse angestrengt, die meisten allerdings verloren hat und eines Tages mit seinem Linienbus eine von Polizei und Massenmedien verfolgte Irrfahrt durch halb Deutschland unternimmt.
Der Postpote Arnold Merz hat ausgerechnet vor Briefschlitzen und anderen Unwägbarkeiten des Lebens Angst und stellt deshalb mehrere hunderttausend Briefe nicht zu, hortet sie stattdessen sauber geordnet in seiner Wohnung, bis das Gewicht all dieser Briefe dazu führt dass der Fußboden seiner Wohnung nachgibt und durchbricht.
Der fünfte und letzte im Bunde ist Benno Tiggelkamp, ein Altbekannter aus Weilers früherem Roman Maria, ihm schmeckt’s nicht, dessen Eigentümlichkeiten uns der Autor allerdings an diesem Abend mit einem verschmitzten Lächeln verschwieg.

Weiler versteht es, nicht nur fehlerfrei und mit angenehmer Stimme seine Texte vorzutragen, er ist auch in der Lage, unterschiedliche Charaktere mit jeweils unterschiedlichen Stimmen zu belegen, so dass der Eindruck entsteht, man würde nicht einer Lesung, sondern einem Theaterstück beiwohnen. Vor allem die sich leicht überschlagende Stimme von Dr. Zens war wunderbar getroffen und seinem süffisant-zynischen Charakter treffend angepasst. Ansonsten war die Vorstellung seines neuen Romans so gehalten, dass das Publikum nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig erfuhr und der Autor uns mit genug Neugier auf die gesamte Lektüre des Buches in die Pause entließ.

Die Texte, die Jan Weiler im zweiten Teil aus seiner wöchentlich erscheinenden Kolumnenreihe las, erinnerten mich ein wenig an Axel Hackes Das Beste aus meinem Leben. Ehefrau Sara, Sohn Nick und Schwiegervater Antonio Marcipane sind die Hauptpersonen in diesen kurzen Geschichten, in denen es um Entscheidungskriterien beim Flachbildschirmkauf, Knecht Ruprechtsche Erziehungsmethoden im Kindergarten, die kosmetische Aufbereitung venezianischer Schwiegervätergesichter, Urzeitkrebse mit eigenwilligen Vornamen, Partys mit manipulierter Gruppendynamik, flammenwerferunterstützte Martinsumzüge und kindliches Humorverständnis bzw. Unverständnis ging. Alles herrlich skurril, wunderbar formuliert und in erster Linie natürlich treffend beobachtet.

Vor dem letzten Text wies Weiler darauf hin, dass es nach der Lesung nicht, wie sonst üblich eine Fragerunde gebe. Er begründete dies unter anderem damit, dass er viel zu viel Mitleid mit den von ihren belesenen und literaturbeflissenen Frauen mitgeschleppten Ehemännern hätte und er an deren Gesichtern schon von weitem ablesen könne, dass sie nach anstrengender Lesung sowieso nur zwei Fragen hätten, nämlich
1. Was denn jetzt bitteschön noch für Fragen?
2. Wie lange dauert das jetzt noch?

Stattdessen bot Weiler an, Bücher zu signieren und Autogramme zu geben. Gerne auch fremde Bücher und fremde Autogramme. Franz Schätzing zum Beispiel – kein Problem.
Viele Besucher der bis auf den letzten Platz besetzten Lesung kamen dieser Aufforderung gerne nach. Für den Rest blieb als schwacher Trost nur Marcel Reich Ranickis berühmte Abschiedsformel:
Die Zeit ist um, wir sehen betroffen – den Vorhang zu und alle Fragen offen.

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Weiterführende LINKS:

  • Podcast der Lesung(en) 2009: Hier
  • Literaturtage 2008 bei AxeAge: Hier.
  • Literaturtage 2007 bei AxeAge: Hier und hier.

Larry Carlton im Hirsch

11.11.2009

Gestern gab sich einer der ganz Großen unter den Gitarristen im Nürnberger Hirsch die Ehre: Larry Carlton. Leider war das Konzert ziemlich schlecht besucht, doch es schien, als mache das Herrn Carlton gar nicht so viel aus. Ganz allein betrat er die Bühne, begrüßte sichtlich gut gelaunt das Publikum, das ihn nicht stehend, sondern zur Abwechslung mal auf Bierbänken sitzend erwartete und spielte ein paar Weisen, mäßig verstärkt, kunstvoll verwoben, ohrschmeichelnd.
It’s Part of the Show, scherzte er und genoss sichtlich die intime Clubatmosphäre.

The Larry Carlton Trio in Nürnberg im Hirsch

Das Larry Carlton Trio im Musikclub Hirsch in Nürnberg

Dann holte er seinen Sohn Travis auf die Bühne, der einen wunderbaren Bass spielt und dem man das eine ums andere Mal ansah, wie stolz er auf seinen Vater ist und wie gern er mit ihm zusammen musiziert.
Dritter im Bunde war Gene Coye, ein schwarzer Riese, wenn ich das mal so sagen darf, der mit Sticks an den Händen geboren zu sein schien, so lässig und überzeugend bediente er sein Schlagzeug und als einer der Songs in ein Drumsolo mündete, nur unterstützt von Bass und sparsamen Riffs des Meisters, sagte dieser am Ende:
And the top of it all: this Guy is twenty-five years old. Oh these kids!

Apropos Kids. Travis Carlton dürfte nicht viel älter sein, als Gene, der Trommler und beide zusammen lieferten eine rundum funktionierende Groove-Machine ab, die ihrem alten Herren an der Front teilweise ordentlich Feuer unter dem Hintern machte. Aber der wäre nicht Larry Carlton, wenn er sich davon in irgend einer Weise hätte beeindrucken lassen, im Gegenteil. Je treibender die Rhythmustruppe aufspielte, desto druckvoller wurde der Sound, dem er seiner 68er Gibson ES 335 und seinem eigenwilligen Verstärkerkonklomerat entlockte und das er höchstpersönlich über ein eigenes Mischpult aussteuerte.
Mir allerdings hatten es an diesem Abend vor allem die leisen, verspielten Parts angetan, bei denen ich jedes Mal wieder darüber in Verzückung geriet, auf welche wundersame, kaum nachvollziehbare Weise man Akkordwechsel, Umspielungen und Phrasierungen mit Hilfe einer Jazzgitarre bewerkstelligen kann.

Irgendwann in der Mitte des Konzerts schirmte Carlton mit der Hand seine Augen ab, blickte in den übersichtlich besetzten Zuschauerraum und sagte:
Interesting. Ninety-Nine Percent of the audience are Guys.
Tatsächlich befanden sich nur insgesamt zwei Frauen im Publikum.
Als er dann noch nachfragte, wer von den anwesenden Herren Gitarrenspieler sei, hoben gefühlte hundert Prozent die Hand, wobei es für einen Lagerfeuerschrammler, wie ich einer bin, schon fast etwas vermessen ist, sich gemeldet zu haben.

Anyway, es war ein ganz hervorragender Musikabend, an den ich mich sicher noch lange erinnern werde. Larry Carlton ist nicht nur ein hervorragender Musiker, sondern auch ein äußerst sympathischer Mensch, der mit diesem Gig wieder einmal bewiesen hat, dass er nicht umsonst mehrere Grammys verliehen bekommen hat und seine Zauberhände mit Recht im Hollywood Rockwalk verewigt sind.

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Ein schöne Bildergalerie vom Gig gibt es bei LottaLeben.net


Heute vor 20 Jahren …

10.11.2009

… hatte ich zum ersten Mal einen Golfschläger in der Hand. Den damals gespielten Ball und das Tee habe ich aufgehoben.

Jubiläumsball auf Jubiläumstee

Der damals gespielte Golfplatz hieß Geierstal und für die zwei 9-Loch-Runden habe ich gefühlte dreitausendfünfhundert Schläge gebraucht. Am Abend gab es Entenbraten mit Knödeln und Blaukraut, dazu ein Landbier – wobei, es könnten auch zwei Landbiere gewesen sein.
Im Fernsehen liefen Interviews mit Egon Krenz.

Übrigens, der Slogan des inzwischen zum Golfclub mutierten Golfplatzes ist eine echte Perle:
… Wo der Himmel die Erde berührt … Und der Bussard seine Kreise zieht …


Fassungslosigkeit im Eingangsbereich des Getränkemarkts

08.11.2009

Am Wochenende im Getränkemarkt: Zwei Jugendliche kommen mit Spendenbüchsen auf mich zu und einer fragt mich, ob ich bereit wäre, meine Pfandquittung für diverses Leergut dem RTL Spendenmarathon zu spenden.
Wem, frage ich?
Dem RTL Spendenmarathon wiederholt der Jugendliche, der bisher das Wort geführt hat und ergänzt: Für arme Kinder.
, wiegle ich ab, RTL bekommt von mir bestimmt kein Geld und rücke dem Pfandautomaten ein Stück näher.
Aber es ist doch für arme Kinder, bohrt der Jugendliche mit der Büchse nach.
Ich sammle mich kurz und sage dann laut und gefasst:
Armen Kindern in Deutschland wäre am meisten damit geholfen, wenn RTL seinen Sendebetrieb einstellen würde.

Der Bursche mit der Büchse, sein Kumpel und alle um mich zahlreich herumstehenden Pfandguteinlöser starren mich fassungslos an. Selbst der Automat setzt vorrübergehend aus. Ich komme mir vor, wie in einem der Slow-Motion-Parts neumodischer Actionfilme, die vorzugsweise auf RTL zur Ausstrahlung kommen.

Erst als der Pfandautomat wieder rattert, entspannt sich die Lage und die Jungs mit der Sammelbüchse verlagern ihr Jagdgebiet vorrübergehend auf den Parkplatz. Als ich nach dem Einkauf den Getränkemarkt verlasse, umlagern sie aber bereits wieder den Automaten im Eingangsbereich und schenken mir zum Abschied ein verächtliches Kopfschütteln.


Hüpfende Flöhe in Bad Aibling

06.11.2009

Zugegeben, Bad Aibling liegt nicht gerade um die Ecke, aber weil der Neffe nebst Eltern ein großer Fan des Ukulele Orchestra of Great Britain ist und selbiges gestern das 10. Bad Aiblinger Gitarrenfestival Saitensprünge eröffnet hat, sind wir kurzentschlossen alle zusammen ins oberbayerische Voralpenland gefahren und haben besagtem Orchester gelauscht, das ausschließlich mit Ukulelen und Sangesstimme musiziert.

The Ukulele Orchestra of Great Britain

Das Wort Ukulele stammt übrigens aus Hawaii, bedeutet hüpfender Floh und wenn man die oft atemberaubende Frequenz sowohl der Schlag- als auch der Griffhand beobachtet, mit deren Hilfe die Dame und die fünf Herren ihren Kleinstgitarren die wildesten Töne und Rythmen entlocken, meint man tatsächlich, die Herrschaften würden nicht auf einem Instrument spielen, sondern sich dem aussichtslosen Unterfangen hingeben, einen Sack hüpfender Flöhe hüten zu wollen.
Darüber hinaus verfügen alle sechs Musiker (eigentlich sind es ja acht, aber die Schweinegrippe macht offensichtlich auch vor hüpfenden Flöhen nicht halt) über hervorragende Gesangsstimmen und um die Kongenialität perfekt zu machen, auch noch über typisch englisches Humortalent, was den Abend zum reinen Vergnügen werden ließ.

Schon nach dem ersten Lied – Born to be wild – das ein Herr mit eigenwilliger Langhaarfrisur links außen intonierte, war jedem im ausverkauften Kurhaus zu Bad Aibling klar, womit man es bei diesem Konzert zu tun haben würde: Instrumentalanarchie in jede nur erdenkliche, musikalische Richtung, ohne Scheu und ohne jeglichen Respekt vor den ursprünglichen Komponisten, Arrangeuren und Interpreten, mit der offensichtlichen Lizenz zum Albern und dem Anspruch auf absolute Perfektion.

Vor nichts machte das UOGB halt und sein Repertoire erstreckte sich von Pinball Wizzard von The Who in einer mitreißenden A Capella-Version, über Wuthering Heights von Kate Bush, ein Volkslied, das nach eigenem Bekunden schon seit hunderten und aberhunderten von Jahren auf der Insel gesungen wird, bis hin zu The Good the Bad the Ugly als Hommage an die Spaghetti-Western der späten sechziger Jahre.
Zwischen den Liedern launige Dialoge und Sketcheinlagen, die zum nächsten Song, zum nächsten Gag, zum nächsten Bravour- oder Kunsstück überleiteten und einmal darin endeten, dass Bandleader George Hinchliffe auf einer Ukulele spielte, die nicht größer war, als die Hand eines wohlgenährten Holzfällers oder dazu, dass vier Orchestermitglieder gleichzeitig auf einer einzigen Ukulele spielten. Man kam aus dem Staunen und dem Kichern gar nicht mehr heraus.

Als bei der letzten Zugabe Hinchliffe unter Protest seiner Mitmusikanten ankündigte, ein Stück von Georg Friedrich Händel spielen zu wollen und zur einführenden Akkordfolge die anderen Orchestermitglieder erst nacheinander und zum Schluss gleichzeitig Fly Me to the Moon, Where Do I Begin, Killing Me Softly, I Will Survive und Hotel California einstimmten, war die Überraschung und die Begeisterung im Publikum perfekt.

Mit stehenden Ovationen, Blumen für die Dame und Wein für die Herren, überreicht durch den Oberbürgermeister der Stadt, wurde das Ukulele Orchestra of Great Britain schließlich verabschiedet und es gab an diesem Abend bestimmt niemanden im Saal, der sich nicht hervorragend unterhalten gefühlt hätte und der nicht restlos begeistert gewesen wäre. Nicht umsonst hat das Orchester von der renomierten englischen Zeitung The Independent den Titel Beste musikalische Entertainer des Landes erhalten. Neffe, Schwägerin, Schwager, die Liebste und ich haben jedenfalls nicht bereut, 270 km angereist zu sein, um diese köstliche Truppe einmal live gesehen zu haben.


Die Zeit verrinnt

04.11.2009

Wenn H. und H. zu sich nach Hause zu einer Fete einladen, taucht man ein in eine köstliche Mischung aus Esoterik und Motoröl, Homöopathie und Hemdsärmligkeit, Basentee und Fassbier, Gartenteich und Werkbank, Staplerservice und Heilpraxis, Philosophie und Siedlergemeinschaft.

Nicht falsch verstehen -  diese Aufzählung ist in keiner Weise negativ oder abwertend gemeint, im Gegenteil: das erwähnte Konglomerat ist nämlich nicht Ergebnis überkandidelter Einstellungen, sondern Ausdruck witzig, intelligenter Lebensentwürfe, die sich aus den teilweise ordentlich krummen Lebensläufen der beiden entwickelt und letztendlich auch beide, also H. und H. zusammengeführt haben.

Sinnspruch im Guinness-Pub

Im eigens zum Guinness-Pub umfunktionierten Holzschuppen mit Original Guinness Zapfanlage und Original Guinness Biergläsern hängt einer der schönsten Trinksprüche, die ich kenne: Die Zeit verrinnt, wie schnell ist nichts getrunken, und fürwahr, nach diesem Motto laufen die Geburtstags-, Garten- und Silvesterfeiern ab, die H. und H. das ein ums andere Mal im Jahr veranstalten.

Schöner Brauch ist es, nachdem die Liebste und ich nicht gerade um die Ecke wohnen, bei den beiden zu übernachten und am nächsten Tag den Verlauf der Fete Revue passieren zu lassen, sich über den einen oder die andere das Maul zu zerreißen, sich bei einem Spaziergang in herbstlicher Umgebung die Übernächtigung und das Bier aus dem Kopf blasen zu lassen und gemeinsam in der Vergangenheit zu schwelgen, die Gegenwart zu bewerten und die Zukunft links liegen zu lassen.

Konsens tut gut. Dissens gehört dazu. Wichtig und schön ist, dass man sich gegenseitig zuhört und ausreden lässt. Die Fete am Vorabend dient der Bespaßung; das Frühstück, der Spaziergang und der Nachmittagstee am nächsten Tag, der Erbauung.

Guinnessplakat vor Holzstoß neben verrinnender Zeit