Mick Taylor im Hirsch

Also Vorschusslorbeeren gab’s genug, in der örtlichen Presse, im Internet und im Radio für Mick Taylor und seine British Allstar Band, die gestern im Musikclub Hirsch aufgetreten sind. Vom filigransten Bluesrock-Gitarristen der Musikgeschichte war da die Rede, von einem Bluesgitarristen mit dem Gespür eines Jazzmusikers für melodische Erfindungen. Ich war gespannt.

Mick legte los, wie ein Blueser eben so loslegt, indem er ein paar betröppelte Licks spielte, die Saiten dehnte, am Amp rumfummelte und ansatzlos ins erste Lied wechselte, allerdings nicht ohne sich ein paar mal ordentlich zu verhauen. British Allstars klingt wie ein Basketball-Team, scherzte er schließlich, ansonsten hat man nicht viel von dem verstanden, was der einstige Stones-Gitarrist so in den Liedpausen erzählt hat, wenngleich es nicht viele davon gab – Liedpausen meine ich – denn bis Mick mit seinen Soli durch war, gingen schon einmal zehn bis fünfzehn Minütchen ins Land.
Aus den Minütchen wurden dann allerdings das eine ums andere Mal recht qualvolle Minuten. Ich habe, ehrlich gesagt, schon wesentlich besseres von weitaus weniger vorschussbelorbeerten Gitarristen gehört. Irgendwie klang das alles reichlich uninspiriert, teilweise verpeilt und in einigen Fällen schlicht und ergreifend falsch.
Eine schöne Gesangsstimme hat er ja, der alte Mick, das darf man ihm wahrlich nicht absprechen und der Sound im Hirschen war auch schon mal schlechter, aber sein Gitarrenspiel hat mich absolut nicht überzeugt.
Sideman Denny Newman gefiel mir wesentlich besser, wenngleich dieser, bis auf eine Ausnahme, bei der er ein mitreißendes Reggaestück von der eigenen CD präsentieren durfte, natürlich hinter seinem Chef zurückstehen musste.

Wirklich klasse war der Rest der Band, vor allem der Dicke am Klavier, Max Middleton. Er war nicht nur der bestangezogenste Musiker an diesem Abend, er war auch der absolut coolste. Vor ein paar Jahren habe ich ihn schon einmal mit Snowy White auf einem Bluesfestival gesehen. Der Mann ruht in sich selbst und entlockt seinem E-Piano die Töne, die ich noch am ehesten mit Gespür eines Jazzmusikers für melodische Erfindungen in Verbindung gebracht hätte.

Es passiert wirklich nicht oft, dass ich ein Blueskonzert vor dem letzten Ton der letzten Zugabe verlasse. Zum letzten Mal habe ich das bei dem unsäglichen Auftritt von Johnny Winter getan. Gestern auch. Ein gutes Gitarrensolo, vor allem im Blues, lebt von der Variation und nicht von der Wiederholung. Als Taylor im letzten Lied vor der Zugabe eine Figur nahezu ohne erkennbare Abwandlungen zum fünften Mal in Folge ableierte, bin ich gegangen.
Bleibt zu hoffen, dass Mr. Taylor gestern nur einen schlechten Tag hatte, denn dass er es nicht anders und besser kann, das glaube ich eigentlich nicht.

3 Antworten zu „Mick Taylor im Hirsch“

  1. Christoph Wesemann sagt:

    Einen schön geschriebenen Verriss hast Du da herausbluesaunt, mein Lieber. „Vorschussbelorbeerte Gitarristen“ ist groß!

    Verrätst Du mir, was die Eintrittskarte gekostet hat?

  2. axeage sagt:

    @Christoph Wesemann
    28 € war der reguläre Preis, aber meistens lungert vor dem Hirschen einer herum, der seine geschenkte Presse-, VIP- oder Special-Guest-Karte loswerden will. 20 € habe ich dann bezahlt. Das war o.k.

  3. axeage sagt:

    Übrigens Stefan Gnad von den Nürnberger Nachrichten hat der Gig gut gefallen und auch Herr Houschka vom Oberpfalznetz war nicht meiner Meinung.
    Ich glaube ja, die Jungs haben ein anderes Konzert gesehen. Vielleicht hat Mick ja an diesem Tag vorher noch wo anders gespielt und war im Hirschen deshalb so daneben.
    Einzig Thomas Susemihl von der Nürnberger Zeitung bläst ein wenig in meine Richtung.

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