Nach dem gestrigen Gig im Grünen Schwan war heute Auslüften notwendig. Meine Spazierrunde führte mich, wie meistens, über den Bühl, dem Hausberg unseres Dorfes, auf dem die Kirche steht. Es ist schade, dass der Bühl so weit weg ist. Nicht dass ich besonders gern in die Kirche gehen würde, aber ich höre sehr gerne Kirchenglocken. So muss der Wind schon besonders günstig stehen, wenn ich sie zu Hause hören will.
Heute allerdings kam ich pünktlich zum Mittagsläuten auf dem Bühl an. Nach der letzten Nacht mit über vier Stunden Groove, Blues and More war die Musik der Glocken äußerst erbaulich.

Kirche am Bühl – im Nebel
Nachdem die Liebste und ich schon beinahe 20 Jahre hier auf dem Land wohnen und sich die Wege rund um den Bühl als äußerst spazierfreundlich erwiesen haben, gibt es für uns die kleine Bühlrunde, die große Bühlrunde und bei besonders hohem Auslüftungs- und Bewegungsbedarf die ganz große Bühlrunde.
Ob der miesen Wetterlage und weil ich ingesamt nur ein paar Stündchen Schlaf erwischt habe und die Couch nach mir rief, war heute lediglich die kleine Bühlrunde drin.
Eine Besonderheit bei diesen Spaziergängen ist, dass irgend eine, nicht näher bekannte, bibelfeste Person seit Jahren die Bäume rund um den Bühl mit Bibelsprüchen versieht. Früher waren das schmucklose weiße Blätter, die in Abheftfolie mit Reißzwecken an den Bäumen befestigt waren, seit neuestem sind es kleine Zettel, die entweder einem christlichen Notizblock oder einem entsprechenden Kalender entnommen sind.

Baumschmuck rund um den Bühl
Heute habe ich Johannes 8, Vers 12 entdeckt, gleich unterhalb der Kirche. Das besondere an diesem Spruch für mich ist, dass dies mein Konfirmationsspruch ist, den mir Pfarrer Schneider vor über 30 Jahren zusammen mit einem Messingkruzifix nach dem Konfirmationsgottesdienst feierlich in die Hand gedrück hat, mit der Maßgabe, den Spruch auswendig zu lernen und bei der nachmittäglich stattfindenden After-Kaffetrink-Messe aufzusagen.
Brav, wie Klein Axel damals war, hat er den Spruch natürlich gelernt und kann ihn heute noch. Was man in der Pubertät lernt, verlernt man offenbar nicht mehr.
25.02.2009 um 23:43
Du Glücklicher! Ich hatte – im Osten – natürlich Jugendweihe. Ich erinnere mich an fast nichts mehr. Es gab irgendein Buch und am nächsten Tag einen schweren Kater. Naja, und ich weiß noch, dass ich einen fürchterlichen Jugendweiheanzug trug: schwarze Hose, grünes Jackett, Fliege. Ich sah aus wie ein drittklassiger Volksmusikant oder ein Kellner. Wollten mich meine Eltern bestrafen, oder warum haben Sie mir so etwas angezogen? Mein Trost: Die anderen sahen genauso schlimm aus. Wir waren die Blouson-Generation. Alle Jungs waren obenrum grün oder violett. Und die Mädchen hatten Gehäkeltes auf den Schultern.
Was wollte ich sagen? Verdammt, die Tränen rollen über mein Gesicht. Ich muss weg.
26.02.2009 um 15:52
Christoph, ich erinnere mich noch gut an die Blouson-Generation. Ich hatte in der Zeit gerade meine ersten Bewerbungsgespräche nach dem Studium. Ein lindgrünes Jackett und eine lila Hose im Karottenschnitt (wenn mich nicht alles täuscht). Dazu Föhnfrisur. Alle sahen aus wie der hier.
26.02.2009 um 16:01
Diese Frisur trage ich heute noch.