Ja, ich gebe zu, es ist blöd, mit dem Namen anderer Schabernack zu treiben. Noch blöder ist es, den Schabernack, den andere mit dem Namen anderer treiben, noch einmal zu verschabernacken. Am blödesten wird es, wenn es nicht nur um den Namen einer Person, sondern auch noch um deren Aussehen geht. Zurecht muss man sich in einem solchen Fall die Frage gefallen lassen: Was bitteschön kann eine Person dafür, wie sie heißt und wie sie aussieht?
Egal, ich mach’ das jetzt. Selber schuld, wenn der Herr zehn Vornamen hat und dann noch aussieht wie …
Also zunächst einmal, ich kann sie alle auswendig – heute noch:
Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah.
Blöderweise stellte sich kurzfristig heraus, es sind gar nicht zehn, sondern elf. Einen hat sich allerdings irgend so ein Witzbold einfach nur eben mal so ausgedacht und auf die internationale Hausaufgabenhilfe WIKIPEDIA gestellt. Dann allerdings kommt ans Licht, es geht gar nicht um Hadschi Halef Omar, sondern um Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, unseren neuen Wirtschaftsminister. Und zwischen den Philipp und den Franz hat besagter Schelm noch einen Wilhelm gebastelt. Das ist ungefähr so, als würde man zwischen den Abul und den Abbas noch einen Iphraim zwängen. Undenkbar!
Egal, die WIKI-Ulknudel hatte ihren Spaß und bot Anlass für Hohn und Spott in der Journaille, weil nämlich ein paar Praktikanten aus der Recherche-Abteilung von Spiegel-Online, oder Bild oder der Rheinischen Post oder dem RTL Nachtjournal oder der Süddeutschen (ich wage nicht, hier festzulegen, welcher der Genannten zuerst) den falschen Vornamen gedruckt und geonlined hatten und weil in dieser Branche, wie allgemein bekannt, einer vom anderen abschreibt, machte der Wilhelm schließlich die ganz große Runde. Welch ein Skandal!
Hand aufs Herz. Bei 10 Vornamen (in Worten zehn) ist es doch nun wirklich egal, ob da mal einer hinzu kommt, oder einer weggelassen wird. Bei einem Von und Zu fällt so ein lächerlicher Wilhelm doch überhaupt nicht ins Gewicht, im Gegenteil, ich finde, er macht sich ganz prächtig und mein dringender Rat an K.-T. M. N. J. J. P. F. J. S. Freiherr von und zu Guttenberg wäre, sich den W. einfach noch dazu zu kaufen – dürfte doch heutzutage kein Problem darstellen.
Ich finde, ein viel schlimmerer Skandal ist, dass Herr von und zu Guttenberg, wie ihm inzwischen nicht nur seine politischen Gegner bescheinigen, sehr wenig bis keine Ahnung von seinem neuen Aufgabengebiet zu haben scheint und es nur dem System Seehofer geschuldet ist, dass Ihre Blaublütigkeit jetzt dies ehrwürdige Amt bekleidet. Na gut, als Franke bin ich natürlich der Maxime verpflichtet Man muss Gott für alles danken, selbst für einen Oberfranken und im Vergleich zu seinem Vorgänger schneidet der Freiherr natürlich glänzend ab. Aber reicht das? In der heutigen Zeit?
Ja und dann hege ich noch einen ganz fürchterlichen Verdacht, der nach meinem Empfinden dringend einer wesentlich eingehenderen Recherche bedarf, als die, ob Herr von und zu Guttenberg neun, zehn oder elf Vornamen hat:
Ist denn noch niemandem aufgefallen, dass der neue Wirtschaftsminister dem Chef der Bild-Zeitung zum Verwechseln ähnlich sieht. Das wäre doch mal eine investigative Meisterleistung, käme heraus, dass Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg in Wahrheit Kai Diekmann ist. Für die Aufdeckung eine solchen Skandals lass’ ich doch jeden Wilhelm links liegen.
14.02.2009 um 9:26
Oh, entschuldige, Axel, ich habe mich verspätet, aber der Text, puh!, ist ja noch da. Bist Du sicher, dass es Praktikanten waren, die schlecht recherchiert haben? Ich wünschte, es wäre so, habe aber meine Zweifel. Danke für den Link zu der schönen Piano Man-Kolumne. Übrigens schreiben auch Blogger voneinander ab. Schau Dir das mal an.
14.02.2009 um 16:09
Lieber Christoph,
ich habe Herrn Ost aus Karlsruhe gerade einen Blog-Verweis geschickt.
Ich möchte ja nicht wissen, ob Du denkst, ich hätte von ihm oder er von mir – oder was.
Egal, die Ähnlichkeit der beiden Herren ist einfach zu offensichtlich!
14.02.2009 um 17:17
Tach! Keine Sorge, der „Herr Ost aus Karlsruhe“ (= ich) hat sich nichts Böses gedacht, ich hatte auch schon Gedanken, die bei näherem Hinsehen andere schon aufgeschrieben haben
Ansonsten stimme ich Dir zu: Ob es zehn oder elf eher außergewöhnliche Vornamen sind MUSS man nicht merken, die Journalistenschelte der letzten Tage fand ich daher zwar amüsant aber auch etwas übertrieben. Statt dass man sich freut, welche Bedeutung das „Volkslexikon“ Wikipedia auch bei der professionell schreibenden Zunft hat, haut man wegen solch einem Detail drauf. Richtig peinlich waren doch eigentlich nur die BILD-Zeitung, die das Ganze Namensgedudel gleich auf die Titelseite hebt und die Rechtfertigung der Ertappten, die auf einmal nicht mehr einfach sagen wollten „Ja, Wikipedia ist in unserem Recherche-Alltag ein wesentliches Element“ sondern mit Dingen wie „Zeitnot“ etc. um die Ecke kamen…
Übrigens – vom Franken zum Franken – auch Michael Glos war Franke. Aus Prichsenstadt (Unterfranken). Also keine Sorge um den Proporz
14.02.2009 um 18:26
Tschuldigung, ich störe nur ungern diese junge Frankenliebe.
Aber: Ich denke gar nichts…
Nein, ganz ernsthaft: Ich habe es nur für bemerkenswert gehalten, dass noch jemand die Ähnlichkeit feststellt.
Mich erinnert der Minister an einen amerikaischen Schauspieler, ich überlege noch, wer das ist.
21.02.2009 um 12:07
Frappierend, diese Ähnlichkeit. Gut recherchiert.
Zum Thema Politiker und Qualifikation kann ich nur folgendes, was sich kürzlich in unserer Tackerwerkstatt ereignet hat, anführen: Kollege T. mutmaßte ernsthaft, dass es für uns beide eine überlegenswerte Sache wäre, für zwei Legislaturperioden in einen Landtag oder gar den Bundestag einzuziehen. Dann wäre unsere Rente eine Pension und sicher. Aber ob unsere niederen Motive auch auf andere zutrifft, ist zu bezweifeln.