Die vorgefallene Bandscheibe fordert jeden Tag Bewegung, egal bei welchem Wetter. Der Schrittzähler zählt erbarmungslos mit, beziehungsweise er zählt nicht mit, wenn man sich gehen lässt und nicht ausschreitet. Also gibt es seit neuestem jeden Mittag einen Stadtspaziergang.
Erstaunlich dabei ist, wieviele Menschen es gibt, die man täglich aufs Neue immer und immer wieder trifft. Früher habe ich diese Menschen nur ab und zu gesehen und mir böse Thomas-Bernhard-Gedanken gemacht, aber seit neuestem laufen sie mir allesamt nahezu täglich über den Weg und meine Gedanken über sie sind milder geworden, gehören sie doch seither irgendwie zur Familie – zur großen Stadtspaziergangsfamilie.

Ich darf also vorstellen, in der Reihenfolge ihres Auftritts:
Den jungen Türken, der immer vor den einschlägigen Dönerbuden und Gemüsehändlern herumlungert, ausschließlich Markenkleidung trägt und Zigaretten schnorrt, den alten Mann, der extrem langsam geht und Dienstag immer im gleichen Geschäft Blumen kauft, Miss Piggy, die dicke Frau mit Schweinchengesicht, die selbst bei den schlimmsten Minustemperaturen ihren Mantel offen trägt, den Buchhalter, dessen Haupthaar in letzter Zeit immer lichter wird und den ich seit über zwanzig Jahren noch nie ohne Zigarette gesehen habe, den Geistig- und Gehbehinderten, der jeden anquatscht, meistens eine Dose Bier in der Hand hält und gelbe Flecken an exponierter Stelle hat, den Mann mit dem dicken, weißen Bart, der früher, als sein großer Bernhardiner noch lebte, immer ansteckend gelächelt hat, seit der Hund tot ist, aber nur noch ernst und verbittert dreinschaut, den Mann mit den buschigen Koteletten, der hautpsächlich Kniebundhosen und karrierte Hemden trägt und meist auf einem alten, klapprigen Herrenfahrrad daherkommt, die Frau, die so dicke Beine hat, dass sie kaum laufen kann und immer mehrere, schwer bepackte Taschen mit sich herumträgt, den Blockwart, der jeden zurecht weist, wenn er ihn bei „etwas“ erwischt hat und der seinen Hund auf der Parkbank neben sich sitzen lässt, den Mann, der einen riesigen amerikanischen Pickup in Tarnfarbe fährt und Frank Zappa zum Verwechseln ähnlich sieht, den jungen Mann, der öffentlich und ohne Schuldbewusstsein pünktlich um 12:02 Uhr die Bildzeitung vor dem Zeitungskiosk liest, die Schönheitsoperierte, die von Weitem aussieht wie ein Endwanzigerin, bei näherem Hinsehen ihr Alter von Mitte fünfzig aber dann doch nicht verbergen kann …
… und das Murmeltier, das täglich grüßt.
Verfasst von axeage
Verfasst von axeage 

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Star des Abends war diesmal (neben
Ich erinnere mich noch gut, welch große Diskussionen diese Geste damals ausgelöst hat, auch im Wohnzimmer der Familie Scherm. Ich war gerade mal in der ersten Klasse und konnte mir keinen rechten Reim auf die geballten Fäuste dieser ernst dreinblickenden schwarzen Männer machen, die ohne Schuhe, nur mit schwarzen Socken an den Füßen, das Siegerpodest bestiegen hatten. Auf einem Siegerpodest, so meine kindliche Vorstellung, hatte man gefälligst fröhlich zu sein, man hatte zu jubeln, allenfalls eine Träne zu vergießen, wenn die Nationalhymne erklang. Aber das, was die beiden 200-Meter-Sprinter damals gemacht haben, war unerhört, fremd und erst dann zu begreifen, wenn man sich 
„Help me“, winselt John Sebastian, der eine halbe Stunde später auf der Bühne steht und seinen Text vergessen hat.