Die große Stadtspaziergangsfamilie

27.02.2009

Die vorgefallene Bandscheibe fordert jeden Tag Bewegung, egal bei welchem Wetter. Der Schrittzähler zählt erbarmungslos mit, beziehungsweise er zählt nicht mit, wenn man sich gehen lässt und nicht ausschreitet. Also gibt es seit neuestem jeden Mittag einen Stadtspaziergang.
Erstaunlich dabei ist, wieviele Menschen es gibt, die man täglich aufs Neue immer und immer wieder trifft. Früher habe ich diese Menschen nur ab und zu gesehen und mir böse Thomas-Bernhard-Gedanken gemacht, aber seit neuestem laufen sie mir allesamt nahezu täglich über den Weg und meine Gedanken über sie sind milder geworden, gehören sie doch seither irgendwie zur Familie – zur großen Stadtspaziergangsfamilie.

Panoptikum

Ich darf also vorstellen, in der Reihenfolge ihres Auftritts:
Den jungen Türken, der immer vor den einschlägigen Dönerbuden und Gemüsehändlern herumlungert, ausschließlich Markenkleidung trägt und Zigaretten schnorrt, den alten Mann, der extrem langsam geht und Dienstag immer im gleichen Geschäft Blumen kauft, Miss Piggy, die dicke Frau mit Schweinchengesicht, die selbst bei den schlimmsten Minustemperaturen ihren Mantel offen trägt, den Buchhalter, dessen Haupthaar in letzter Zeit immer lichter wird und den ich seit über zwanzig Jahren noch nie ohne Zigarette gesehen habe, den Geistig- und Gehbehinderten, der jeden anquatscht, meistens eine Dose Bier in der Hand hält und gelbe Flecken an exponierter Stelle hat, den Mann mit dem dicken, weißen Bart, der früher, als sein großer Bernhardiner noch lebte, immer ansteckend gelächelt hat, seit der Hund tot ist, aber nur noch ernst und verbittert dreinschaut, den Mann mit den buschigen Koteletten, der hautpsächlich Kniebundhosen und karrierte Hemden trägt und meist auf einem alten, klapprigen Herrenfahrrad daherkommt, die Frau, die so dicke Beine hat, dass sie kaum laufen kann und immer mehrere, schwer bepackte Taschen mit sich herumträgt, den Blockwart, der jeden zurecht weist, wenn er ihn bei „etwas“ erwischt hat und der seinen Hund auf der Parkbank neben sich sitzen lässt, den Mann, der einen riesigen amerikanischen Pickup in Tarnfarbe fährt und Frank Zappa zum Verwechseln ähnlich sieht, den jungen Mann, der öffentlich und ohne Schuldbewusstsein pünktlich um 12:02 Uhr die Bildzeitung vor dem Zeitungskiosk liest, die Schönheitsoperierte, die von Weitem aussieht wie ein Endwanzigerin, bei näherem Hinsehen ihr Alter von Mitte fünfzig aber dann doch nicht verbergen kann …
… und das Murmeltier, das täglich grüßt.


Später beim Hirzinger

23.02.2009

Zur berühmten BBC-Livemusiksendung Later with Jools Holland gibt es seit einigen Monaten eine volkstümlich bayerische Entsprechung: Die Wirtshausmusikanten beim Hirzinger.

Mehrere Kapellen (bei Jools sind’s halt Bands) treten in verschiedenen Ecken des Lokals auf und ebenso, wie Jools im BBC-Studio, geht die Siferlingers Traudi zusammen mit ihrem Co-Moderator Wolfgang Binder im Gasthof zur Post in Söllhuben von Kapelle zu Kapelle, macht Interviews und steigt mit ihrer Geige beim einen oder anderen Lied einfach ein. Jools macht das mit dem Piano.

Bei der BBC geht dieses Konzept sein Jahrzehnten auf. Im dritten bayerischen Fernsehen offensichtlich auch, denn diese hervorragende Sendung hat es jetzt endlich ins Abendprogramm geschafft.
Es ist immer wieder großartig zu sehen und vor allem zu hören, was Volks- und Traditionsmusik eigentlich ist, beziehungsweise sein kann. Bei der gestern ausgestrahlten Sendung hat mich vor allem der Rudi Zapf mit seinem Ensemble Zapf’nstreich am Hackbrett fasziniert. Das war kein stumpfsinniges UmtaUmta Umtata, sondern intelligent arrangierte und virtuos umgesetzte, handgemachte Musik, mit so manch augenzwinkerndem Flirt in Richtung Swing, Jazz und Pop. Großartig!

Bleibt zu wünschen, dass der Hirzinger, die Siferlinger und der Binder einen ebenso langen Atem haben, wie der gute alte Jools Holland.

Also dann, bis später, beim Hirzinger!


Ich bin das Licht der Welt

22.02.2009

Nach dem gestrigen Gig im Grünen Schwan war heute Auslüften notwendig. Meine Spazierrunde führte mich, wie meistens, über den Bühl, dem Hausberg unseres Dorfes, auf dem die Kirche steht. Es ist schade, dass der Bühl so weit weg ist. Nicht dass ich besonders gern in die Kirche gehen würde, aber ich höre sehr gerne Kirchenglocken. So muss der Wind schon besonders günstig stehen, wenn ich sie zu Hause hören will.
Heute allerdings kam ich pünktlich zum Mittagsläuten auf dem Bühl an. Nach der letzten Nacht mit über vier Stunden Groove, Blues and More war die Musik der Glocken äußerst erbaulich.

Bühl
Kirche am Bühl – im Nebel

Nachdem die Liebste und ich schon beinahe 20 Jahre hier auf dem Land wohnen und sich die Wege rund um den Bühl als äußerst spazierfreundlich erwiesen haben, gibt es für uns die kleine Bühlrunde, die große Bühlrunde und bei besonders hohem Auslüftungs- und Bewegungsbedarf die ganz große Bühlrunde.
Ob der miesen Wetterlage und weil ich ingesamt nur ein paar Stündchen Schlaf erwischt habe und die Couch nach mir rief, war heute lediglich die kleine Bühlrunde drin.

Eine Besonderheit bei diesen Spaziergängen ist, dass irgend eine, nicht näher bekannte, bibelfeste Person seit Jahren die Bäume rund um den Bühl mit Bibelsprüchen versieht. Früher waren das schmucklose weiße Blätter, die in Abheftfolie mit Reißzwecken an den Bäumen befestigt waren, seit neuestem sind es kleine Zettel, die entweder einem christlichen Notizblock oder einem entsprechenden Kalender entnommen sind.

Johannes 8 Vers 12
Baumschmuck rund um den Bühl

Heute habe ich Johannes 8, Vers 12 entdeckt, gleich unterhalb der Kirche. Das besondere an diesem Spruch für mich ist, dass dies mein Konfirmationsspruch ist, den mir Pfarrer Schneider vor über 30 Jahren zusammen mit einem Messingkruzifix nach dem Konfirmationsgottesdienst feierlich in die Hand gedrück hat, mit der Maßgabe, den Spruch auswendig zu lernen und bei der nachmittäglich stattfindenden After-Kaffetrink-Messe aufzusagen.
Brav, wie Klein Axel damals war, hat er den Spruch natürlich gelernt und kann ihn heute noch. Was man in der Pubertät lernt, verlernt man offenbar nicht mehr.


Volles Haus

22.02.2009

Einen der besten Gigs seit unserem Bestehen haben wir gestern im Grünen Schwan in Eschenbach abgeliefert. Der Laden war voll, die Stimmung hervorragend, Wirt, Band und Zuschauer hoch zufrieden mit der Anti-Faschings-Gaudi.

MASH im Grünen Schwan

Star des Abends war diesmal (neben Dana) unser Gitarrist Stefan, mit seinem nagelneuen MASH-T-Shirt.

Ingo (Drums) und Martin (Bass) waren zwar ordentlich erkältet und haben sich in den Pausen nicht dem Bier, sondern dem Tee hingegeben, aber sie haben tapfer durchgehalten und am Ende des Abends festgestellt, dass Applaus x-mal besser heilt, als Antibiotika.

Mehr Bilder von diesem legendären Auftritt gibt es hier.


Großes amerikanisches Kino

20.02.2009

Warum ich das weltweite Netzdingsbums so mag, liegt unter anderem daran, dass man dort (wo eigentlich genau??) nicht nur schnell und unkompliziert veröffentlichen kann und im nächsten Augenblick jeder Mensch auf der Welt – zumindest theoretisch – in der Lage ist, dieses zu lesen, oder man sich Informationen jetzt und sofort und in ungeahnter Vielfalt besorgen kann, ohne das Haus verlassen und eine Bücherei aufsuchen zu müssen, oder gezwungen wäre jemanden anzurufen oder vor einem Bücherregal zu verzweifeln. Warum ich das Netz aller Netze so mag, liegt auch daran, dass man sich LINK by LINK by LINK so herrlich verzetteln, verirren und verlieren kann.
So geschehen gestern Nacht, als ich diese wunderbaren Bilder von der Inauguration (welch ein Wort) des amerikanischen Präsidenten Barack Obama gefunden und betrachtet habe.

Mein absolutes Lieblingsbild ist Bild Nummer 6.
Wenn es eine visuelle Entsprechung gibt für den, zugegebenermaßen in letzter Zeit etwas in Verruf geratenen Begriff „Stolz“, dann ist es dieses Bild.

Auch Bild Nummer 33 hat es mir angetan, nicht weil es besonders anrührend oder spektakulär wäre, sondern weil darauf zwei Männer zu sehen sind, die vor vierzig Jahren bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt eine politische Geste, nein DIE politische Geste schlechthin in der Geschichte der Olympischen Spiele gemacht haben.

40 years after their silent protest at the 1968 Olympics, Gold Medalist Tommie Smith hugs Bronze Medalist John Carlos, and their wives Delois Smith and Charlene Carlos after Barack Obama is officially sworn in as the President of the United States.

Silent GestureIch erinnere mich noch gut, welch große Diskussionen diese Geste damals ausgelöst hat, auch im Wohnzimmer der Familie Scherm. Ich war gerade mal in der ersten Klasse und konnte mir keinen rechten Reim auf die geballten Fäuste dieser ernst dreinblickenden schwarzen Männer machen, die ohne Schuhe, nur mit schwarzen Socken an den Füßen, das Siegerpodest bestiegen hatten. Auf einem Siegerpodest, so meine kindliche Vorstellung, hatte man gefälligst fröhlich zu sein, man hatte zu jubeln, allenfalls eine Träne zu vergießen, wenn die Nationalhymne erklang. Aber das, was die beiden 200-Meter-Sprinter damals gemacht haben, war unerhört, fremd und erst dann zu begreifen, wenn man sich näher mit den Hintergründen befasste.

Man kann wahrscheinlich kaum ermessen, was in Tommie Smith und John Carlos am 20. Januar 2009 vorgegangen ist, als sie sich zusammen mit ihren Frauen in den Armen lagen und Barack Obama, stolz von seinen Töchtern und seiner Frau begleitet und beobachtet, den Amtseid abgelegt hat.

Großes amerikanisches Kino, das man sich durchaus ab und zu gönnen darf.


Pubertät

14.02.2009

Schon das Wort ist doch eigentlich für jeden Jugendlichen ein Schlag ins Gesicht.
Der ist in der Pubertät, übersetzt heißt das doch, der hat sie nicht mehr alle, der hat Pickel, vorsicht, das ist ansteckend, der stinkt nach Schweiß und Masturbation.
Das Schlimme daran ist, es stimmt ja alles, aber muss man dafür einen solch furchtbaren Begriff erfinden? Wie wäre es denn mit Die ersten Wechseljahre oder Übergang, ja oder ganz was anderes, aber Pubertät. Irgendwie klingt das doch, als würde sich jemand übergeben.

Gestern Mittag habe ich am Bahnhof eine Zeitschrift gekauft und dabei festgestellt, dass kein Ort der Welt besseren Anschauungsunterricht dafür bietet, Jugendliche in den ersten Wechseljahren zu beobachten, als Bahnhofsvorplätze unter der Woche in der Mittagszeit. Meistens stehen sie im Kreise beieinander. Mädchen und Jungs streng getrennt, bis auf ein oder zwei Pärchen, die Händchen haltend, schnäbelnd und turtelnd den Rest der Gruppe in den Wahnsinn treiben und dazu, Dinge zu tun, die Menschen in den zweiten Wechseljahren, also beispielsweise mich, zum Kopfschütteln und anderen Unmutsbekundungen veranlassen.

Es ist ja nicht so, dass man nicht wüsste, was in der Pubertät so alles abläuft. Die Hormone und der Platz im Leben und der Stimmbruch und die vorwitzigen Titten und die Menstruation und die Dauererektion und das Balzgebaren und das Zickengekicher und überhaupt alles – man kennt ja die Ursachen und die Zusammenhänge und die Wirkungen, aber es nervt doch unsäglich! Und das Schlimme ist, es hat sich offenbar nichts geändert. In jedem Jahr immer wieder aufs Neue stehen die Selbstfindungsgruppen der dreizehn- bis sechzehnjährigen lärmend, spuckend, rauchend und balzend beieinander und gehen sich und ihrer mittel- und unmittelbaren Umgebung furchtbar auf den Senkel.
Und wenn ich sage, in jedem Jahr immer wieder aufs Neue, dann meine ich damit auch meine Pubertät, denn dieses irrlichternde Stadium menschlichen Daseins scheint sich in dreißig Jahren nicht im Geringsten geändert zu haben und es ist zu befürchten, dass es dreißig Jahre vor meiner Pubertät schon so gewesen ist und die kommenden dreißig, sechzig, neunzig, hunderttausend Jahre auch noch so sein wird.

Mit Grauen denke ich an meine Pubertät zurück. In jener Zeit hatte ich drei Kumpel: Jörg, Michael und Alexander. Wir hingen ständig zusammen. Unsere Lieblingsband hieß The Sweet.
Are you ready, Steve? Aha. Andy? Yeah! Mick? OK. Alright, fellas, let’s go!
Tennisschläger waren unsere Gitarren, Kochlöffel die Drumsticks und ein Deostift das Mikrofon. Wenn uns langweilig war, rockten wir zu Ballroom Blitz. Ansonsten haben wir auf dem Bolzplatz vor dem Haus herumgekickt, in den Hecken der angrenzenden Hochschule geklaute Zigaretten gepafft, Pornohefte von Michaels Mutter studiert und das eine ums andere Wochenende im entlegenen Wochenendhaus von Alexanders Eltern hauptsächlich im Vollrausch verbracht. So ging das eineinhalb oder zwei Jahre. Wir waren dämlich, aber froh, bis eines Tages Michael plötzlich eine Freundin hatte. Und wenn ich sage plötzlich, dann deshalb, weil sich in meiner Erinnerung das Bild eingeprägt hat, als wäre sie neben ihm aus dem Boden gewachsen.
Ab diesem Tag war mit Michael nichts mehr anzufangen. Im Schlepptau von Marion, so hieß das hübsche Kind, befanden sich zahlreiche Freundinnen und Nebenbuhler. Unser gemütliches Axel-Michael-Jörg-Alexander-Leben fand in jenen Tagen ein jähes Ende. Nicht, dass wir dieses Leben besonders geliebt oder genossen hätten, aber was dann folgte, war einfach nur noch öde und insgesamt absolut stressig.

Wir sind das nächste halbe Jahr im Kreis herum gestanden. Alexander, Jörg, die Nebenbuhler und ich auf der einen Seite, die Anstandsdamen von Marion auf der anderen Seite. Mittendrin Michael und Marion, die sich geküsst, befummelt und fast aufgefressen haben. Wir haben geraucht, gelärmt, gespuckt und gebalzt.

Der Todestag von Mick Tucker, dem Drummer von The Sweet, dessen Part ich damals mit den Kochlöffeln übernommen hatte, jährt sich heute zum siebten Mal. Mick ist ziemlich kläglich an Leukämie gestorben. Er war ein guter Schlagzeuger, der virtuos die Drumsticks in den Fingern drehen und herumwirbeln lassen konnte. Ich habe mir dieses Kunststück damals auch beigebracht und ich kann es heute noch. Was man in der Pubertät lernt, verlernt man offenbar nicht mehr. Der Rest ist Schweigen.

Dieser Artikel erschien am 18. Februar 2009 auch bei
kolumnen.de


Schall und Rauch

12.02.2009

Ja, ich gebe zu, es ist blöd, mit dem Namen anderer Schabernack zu treiben. Noch blöder ist es, den Schabernack, den andere mit dem Namen anderer treiben, noch einmal zu verschabernacken. Am blödesten wird es, wenn es nicht nur um den Namen einer Person, sondern auch noch um deren Aussehen geht. Zurecht muss man sich in einem solchen Fall die Frage gefallen lassen: Was bitteschön kann eine Person dafür, wie sie heißt und wie sie aussieht?
Egal, ich mach’ das jetzt. Selber schuld, wenn der Herr zehn Vornamen hat und dann noch aussieht wie …

Also zunächst einmal, ich kann sie alle auswendig – heute noch:
Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah.
Blöderweise stellte sich kurzfristig heraus, es sind gar nicht zehn, sondern elf. Einen hat sich allerdings irgend so ein Witzbold einfach nur eben mal so ausgedacht und auf die internationale Hausaufgabenhilfe WIKIPEDIA gestellt. Dann allerdings kommt ans Licht, es geht gar nicht um Hadschi Halef Omar, sondern um Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, unseren neuen Wirtschaftsminister. Und zwischen den Philipp und den Franz hat besagter Schelm noch einen Wilhelm gebastelt. Das ist ungefähr so, als würde man zwischen den Abul und den Abbas noch einen Iphraim zwängen. Undenkbar!

Egal, die WIKI-Ulknudel hatte ihren Spaß und bot Anlass für Hohn und Spott in der Journaille, weil nämlich ein paar Praktikanten aus der Recherche-Abteilung von Spiegel-Online, oder Bild oder der Rheinischen Post oder dem RTL Nachtjournal oder der Süddeutschen (ich wage nicht, hier festzulegen, welcher der Genannten zuerst) den falschen Vornamen gedruckt und geonlined hatten und weil in dieser Branche, wie allgemein bekannt, einer vom anderen abschreibt, machte der Wilhelm schließlich die ganz große Runde. Welch ein Skandal!

Hand aufs Herz. Bei 10 Vornamen (in Worten zehn) ist es doch nun wirklich egal, ob da mal einer hinzu kommt, oder einer weggelassen wird. Bei einem Von und Zu fällt so ein lächerlicher Wilhelm doch überhaupt nicht ins Gewicht, im Gegenteil, ich finde, er macht sich ganz prächtig und mein dringender Rat an K.-T. M. N. J. J. P. F. J. S. Freiherr von und zu Guttenberg wäre, sich den W. einfach noch dazu zu kaufen – dürfte doch heutzutage kein Problem darstellen.

Ich finde, ein viel schlimmerer Skandal ist, dass Herr von und zu Guttenberg, wie ihm inzwischen nicht nur seine politischen Gegner bescheinigen, sehr wenig bis keine Ahnung von seinem neuen Aufgabengebiet zu haben scheint und es nur dem System Seehofer geschuldet ist, dass Ihre Blaublütigkeit jetzt dies ehrwürdige Amt bekleidet. Na gut, als Franke bin ich natürlich der Maxime verpflichtet Man muss Gott für alles danken, selbst für einen Oberfranken und im Vergleich zu seinem Vorgänger schneidet der Freiherr natürlich glänzend ab. Aber reicht das? In der heutigen Zeit?

Ja und dann hege ich noch einen ganz fürchterlichen Verdacht, der nach meinem Empfinden dringend einer wesentlich eingehenderen Recherche bedarf, als die, ob Herr von und zu Guttenberg neun, zehn oder elf Vornamen hat:
Ist denn noch niemandem aufgefallen, dass der neue Wirtschaftsminister dem Chef der Bild-Zeitung zum Verwechseln ähnlich sieht. Das wäre doch mal eine investigative Meisterleistung, käme heraus, dass Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg in Wahrheit Kai Diekmann ist. Für die Aufdeckung eine solchen Skandals lass’ ich doch jeden Wilhelm links liegen.


Drei-Mann-Betrieb

06.02.2009

Flache Hierarchiestrukturen. Repräsentativer Dienstwagen. Keine Überstunden. Kein Tempolimit.

Porscheparkplatz


Going Home – Teil 7

05.02.2009

Going Home„Help me“, winselt John Sebastian, der eine halbe Stunde später auf der Bühne steht und seinen Text vergessen hat.
„Mein Gott, welch ein Freak“, schimpft Harry, der überhaupt nicht auf Sebastian und dessen Musik steht.
„Der ist völlig weggetreten. Der gehört nicht auf die Bühne.“
John schüttelt den Kopf und versteht nicht, warum Harry sich so aufregt.
„Hab’ Dich nicht so. Ich finde ihn klasse. Schau Dir seine Klamotten an. Die hat er bestimmt alle selbst gebatikt.“
„Genau, das meine ich“, entgegnet ihm Harry und steigert sich hinein:
„das ist alles nur Understatement und seine Musik ist richtig Scheiße. Sein Name steht überhaupt nicht auf dem Programm.“
Harry kramt ein mehrfach zusammengelegtes Plakat aus seiner Hosentasche hervor und entfaltet es.
„Siehst Du hier einen John Sebastian? Nein, Du siehst hier keinen John Sebastian. Ich habe nicht Eintritt bezahlt, um diesem bekifften Schnulli dabei zuzusehen, wie er sich vom Publikum den Text soufflieren lässt, Himmel Herrgott!“
Harry ist außer sich. Daggy schmunzelt und streichelt ihm über den Kopf. Sie mag es, wenn er sich so aufregt.
„Mir gefällt’s“, sagt sie und legt sich wieder hin.

John war Daggys liebevolle Geste Harry gegenüber nicht verborgen geblieben. Er beobachtet die beiden eine Zeit lang aus den Augenwinkeln heraus und kämpft gegen eine leichte Eifersucht an. Er schmiegt sich an Daggy und sagt:
„Mir gefällt es auch. Lass’ den Blödmann brummen. Der braucht das, sonst ist er nicht glücklich“.
„Harry ist kein Blödmann“, sagt sie und während Applaus aufkommt, weil Mr. Sebastian fertig ist mit seinem improvisierten Gig, dröhnt dieser Satz in Johns Kopf wie von einem Endlosband: Harry ist kein Blödmann, Harry ist kein Blödmann …

Die Wolken hängen jetzt fett und rabenschwarz über dem Gelände. Der Wind hatte etwas nachgelassen, setzt aber jetzt umso stärker ein. Das Endlosband in Johns Kopf will nicht aufhören.
Wie war das in den letzten Wochen und Monaten? John hatte viel zu tun. Er musste zahlreiche Klausuren schreiben und nachts immer noch diese nervigen Jobs am Hafen oder in der Tankstelle. Harry hat merkwürdigerweise nie besonders viel zu tun. Er hängt eigentlich immer nur herum. Das Geld kommt von seinen Eltern und büffeln hat John Harry auch noch nie gesehen, höchstens mal in der Bibliothek. Ansonsten war Harry in den Kneipen oder in den Cafes anzutreffen, in der Mensa oder auf Partys, die immer irgendwo stattfinden.
Und Daggy hatte sich eigentlich nie beschwert, dass John in den letzten Wochen und Monaten wenig bis keine Zeit für sie hatte. Harry ist kein Blödmann …
Harry und Daggy unterhalten sich. Sie tuscheln. John will sie nicht belauschen. Er rückt absichtlich ein Stück zur Seite. Harry ist kein Blödmann, nein, bestimmt nicht!

„Sweetwater“, schreit Harry plötzlich und deutet auf die Bühne. Er ist ein echter Fan dieser Band und überzeugt davon, dass sie eine große, eine richtig große Karriere vor sich hat.
„Meine Fresse, ich habe schon gedacht, die fallen aus und es gibt stattdessen diesen selbstgebatikten Wandergitarristen. Sweetwater!!!“ brüllt Harry und kann damit zahlreiche Festivalbesucher um ihn herum zu einem Fan-Chor animieren.
Sweet Wa Ter – Sweet Wa Ter –Sweet Wa Ter
.
Nancy Nevins, die Sängerin winkt in Richtung des Chors. Harry ist außer sich.
„Habt Ihr das gesehen. Habt Ihr das gesehen. Sie hat uns zugewunken. N A N C Y !!!“. Harry schreit sich die Seele aus dem Leib.
Harry ist doch ein Blödmann
.

… to be continued


Verfremdlich 14 – Catwalk

03.02.2009

In loser Reihenfolge gibt’s hier verfremdete (manchmal auch befremdliche) Bilder.
Heute: Catwalk.

Das Bild zeigt unsere alte Katze. Sie ist jetzt 14 Jahre alt und verlässt kaum noch das Haus. Mich mag sie eigentlich gar nicht so gut leiden, dafür die Liebste aber umso mehr.
Mir und Fremden gegenüber gibt sie sich deshalb äußerst reserviert und wenn es ihr zu bunt wird, schleicht sie unter Protest aus dem Zimmer.