GoodFellas

Ich habe wirklich keine Ahnung, warum mich Mafiafilme so außerordentlich faszinieren. Egal, ob der Pate, die Sopranos, Hexenkessel, Casino, Bugsy oder GoodFellas, wenn es um „die Familie“ geht, um den inneren Kreis, um die Organisation, deren Aufbau und deren Gesetze und vor allem deren Mitglieder, sitze ich wie gebannt vor dem Fernseher; es befällt mich eine innere Unruhe und wohlige Anspannung, bis der Abspann des Films läuft. Ich bin danach völlig aufgewühlt und denke mir jedes Mal: WOW!

Am Wochenende gab es im rbb wieder einmal GoodFellas zu sehen. Spät in der Nacht, ich wusste gar nichts davon, ich war eigentlich müde und wollte nach abschließendem Zapping ins Bett gehen, als Henry Hill (Ray Liotta) gerade seine Freundin an einer wartenden Menschenschlange vorbei, durch den Hintereingang, durch die Küche und das Lager in den Copacabana-Club schleust, wo ihm ganz vorne, direkt vor der Bühne ein Tisch aufgebaut wird. Nachzulesen und mit Bildern belegt ist diese hervorragende Szene übrigens in dem von mir sehr geschätzten avant*blog.

Als dann einige Szenen später der Nachbarschnösel, der zusammen mit seinen Schnöselkumpels um einen Sportwagen herumsteht, von Henry mit dem Revolverknauf ordentlich eine aufs Maul bekommt, weil er vorher die hübsche Nachbarin und Freundin von Henry belästigt hatte und Henry den blutverschmierten Revolver dann der soeben Gerächten übergibt, war es um mich geschehen. Ich musste den Film bis zum „bitteren Ende“ ansehen.

Obwohl ich alle Szenen inzwischen mehr oder weniger auswendig kenne, verschlug es mir dennoch wieder die Sprache, als Tommy (genial und oscarprämiert: Joe Pesci) den eben aus dem Gefängnis zurückgekehrten Billy Bats nach ein paar Provokationen brutal zusammenschlägt und ihm, als er röchelnd im Kofferraum seines Autos liegt, mit Küchenmesser und Knarre den Garaus macht. Vorher hatten die Mordbuben Tommy, Henry und Jimmy (Robert de Niro – wer sonst?) noch Spaghetti bei Tommys Mama gegessen, so wie es sich für ordentliche Mafiosi gehört .

Es sind wahrscheinlich diese Gegensätze – auf der einen Seite das Idyll, auf der anderen Seite die ungebremste, rohe Gewalt – die mich so beeindrucken. So etwas gibt es im normalen Leben nicht. Nur Gangster handeln so. Auch wenn man sich in so mancher Lebenssituation bei dem einen oder anderen verwerflichen Gedanken – ja manchmal auch Mordgedanken – ertappt, so setzt man ihn doch (im Normalfall) nicht in die Tat um. Gangster tun das. Sofort. Ohne zu zögern. Dauernd.
Mafiafilme zeigen einem das andere Ich.

Henry HillDas andere Ich eines Mafiosi besiegelt dann auch das erwähnte „bittere Ende“ von GoodFellas. Henry Hill zeigt sich in der letzten Szene des Films als ein vom amerikanischen Zeugenschutzprogramm begünstigter Verräter, der zum Kleinbürger degradiert die Zeitung vor seinem Kleinbürgerhaus aufhebt und seinem Gangsterleben nachtrauert.

Eine sehr gut zu lesende Filmkritik von Siegfried König zu GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia gibt es bei der Filmzentrale.
Hier der LINK
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2 Antworten zu „GoodFellas“

  1. Christoph Wesemann sagt:

    Glaub mir: Auch ich bin wieder mal bei GoodFellas auf rbb hängen geblieben – allerdings schon ein paar Szenen früher als Du. Meine Lieblingsstelle ist übrigens: Joe Pesci verarscht Ray Liotta mit diesem „What do you mean I’m funny“ – Was verdammt noch mal ist so komisch an mir?“

    Weißt Du zufällig, wie Pesci in „Kevin – Allein zu Haus“ geraten ist?

  2. axeage sagt:

    Oh ja, die Szene finde ich auch klasse. Man glaubt, der Gute rastet wieder aus und befürchtet schon das Schlimmste für Harry.

    Wie Joe in „Kevin – Allein zu Haus“ geraten ist, kann ich mir nur so erklären: Joe spielt in dem Film einen gewissen Harry Lime. Vielleicht hat Pesci gedacht, es handelt sich um ein Remake von „Der dritte Mann“ ;-)

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