A Capella Zulu

30.10.2008

Wenn ich mir überlege, was ich mit meiner Band alles aufbauen muss, damit wir ordentlich Musik machen können. Ich denke mir dann manchmal, wie schön es doch wäre, hätte man sein Instrument ständig bei sich und könnte einfach so losmusizieren. Nun, derartiges ist wohl nur A Capella Gruppen vorbehalten, die haben ihr „Instrument“ immer am Mann, wenngleich sich das Bühnenbild dann allerdings vergleichsweise armselig präsentiert – es stehen halt nur ein paar Mikrofone herum.
Gestern waren die Liebste und ich auf einem solchen Konzert. Die acht Mikrofone, die da auf der Bühne des Karstadt Kulturcafes herumstanden, wurden von Ladysmith Black Mambazo aus Südafrika benutzt und obwohl ich eigentlich überhaupt kein Fan von A Capella Musik bin, so ist diese Band doch etwas ganz besonderes.
Wir haben sie zum ersten Mal vor gut zwanzig Jahren bei der Graceland-Tour zusammen mit Paul Simon in Würzburg auf einem Afrika-Festival gesehen und waren total begeistert. Es ist nicht allein der Gesang, der auch schon mal ein Geräusch, ein Grunzen, ein Schnalzen, ein Glucksen sein kann, nein, es sind vor allem auch die Gesten, die Bewegungen, der Tanz, die heißere Stimme des Chefs, Joseph Shabalala, der die meisten Strophen einleitet und dann gewaltig von sieben Männerstimmen unterstützt und getragen wird – die meisten davon stammen übrigens von seinen Söhnen. Das alles ist wunderbar anzuschauen, mitreißend choreografiert und dann, wenn der Chor stimmgewaltig einsetzt auch schon mal für Gänsehaut oder einen Schauer über den Rücken gut.
Ich gestehe, am Anfang war ich skeptisch, ob ich einen ganzen Musikabend ohne „echtes“ Instrument ertragen würde, aber es war ein außergewöhnlich schönes Konzert, nicht nur fürs Ohr, sondern eben auch fürs Auge.

Ladysmith Black MambazoBalladen wechselten sich ab mit typisch afrikanischem Groove – oft sogar mehrfach in einem Lied. Die Jungs haben bewiesen, dass A Capella mitnichten langweilig sein muss und selbst eine exotische Sprache wie Zulu dazu geeignet ist, eingängige, groovige Musik zu machen. Wer afrikanische Musik mag, der wurde jedenfalls bestens bedient . Ja und der Kauf einer CD war natürlich Pflicht.


GoodFellas

29.10.2008

Ich habe wirklich keine Ahnung, warum mich Mafiafilme so außerordentlich faszinieren. Egal, ob der Pate, die Sopranos, Hexenkessel, Casino, Bugsy oder GoodFellas, wenn es um „die Familie“ geht, um den inneren Kreis, um die Organisation, deren Aufbau und deren Gesetze und vor allem deren Mitglieder, sitze ich wie gebannt vor dem Fernseher; es befällt mich eine innere Unruhe und wohlige Anspannung, bis der Abspann des Films läuft. Ich bin danach völlig aufgewühlt und denke mir jedes Mal: WOW!

Am Wochenende gab es im rbb wieder einmal GoodFellas zu sehen. Spät in der Nacht, ich wusste gar nichts davon, ich war eigentlich müde und wollte nach abschließendem Zapping ins Bett gehen, als Henry Hill (Ray Liotta) gerade seine Freundin an einer wartenden Menschenschlange vorbei, durch den Hintereingang, durch die Küche und das Lager in den Copacabana-Club schleust, wo ihm ganz vorne, direkt vor der Bühne ein Tisch aufgebaut wird. Nachzulesen und mit Bildern belegt ist diese hervorragende Szene übrigens in dem von mir sehr geschätzten avant*blog.

Als dann einige Szenen später der Nachbarschnösel, der zusammen mit seinen Schnöselkumpels um einen Sportwagen herumsteht, von Henry mit dem Revolverknauf ordentlich eine aufs Maul bekommt, weil er vorher die hübsche Nachbarin und Freundin von Henry belästigt hatte und Henry den blutverschmierten Revolver dann der soeben Gerächten übergibt, war es um mich geschehen. Ich musste den Film bis zum „bitteren Ende“ ansehen.

Obwohl ich alle Szenen inzwischen mehr oder weniger auswendig kenne, verschlug es mir dennoch wieder die Sprache, als Tommy (genial und oscarprämiert: Joe Pesci) den eben aus dem Gefängnis zurückgekehrten Billy Bats nach ein paar Provokationen brutal zusammenschlägt und ihm, als er röchelnd im Kofferraum seines Autos liegt, mit Küchenmesser und Knarre den Garaus macht. Vorher hatten die Mordbuben Tommy, Henry und Jimmy (Robert de Niro – wer sonst?) noch Spaghetti bei Tommys Mama gegessen, so wie es sich für ordentliche Mafiosi gehört .

Es sind wahrscheinlich diese Gegensätze – auf der einen Seite das Idyll, auf der anderen Seite die ungebremste, rohe Gewalt – die mich so beeindrucken. So etwas gibt es im normalen Leben nicht. Nur Gangster handeln so. Auch wenn man sich in so mancher Lebenssituation bei dem einen oder anderen verwerflichen Gedanken – ja manchmal auch Mordgedanken – ertappt, so setzt man ihn doch (im Normalfall) nicht in die Tat um. Gangster tun das. Sofort. Ohne zu zögern. Dauernd.
Mafiafilme zeigen einem das andere Ich.

Henry HillDas andere Ich eines Mafiosi besiegelt dann auch das erwähnte „bittere Ende“ von GoodFellas. Henry Hill zeigt sich in der letzten Szene des Films als ein vom amerikanischen Zeugenschutzprogramm begünstigter Verräter, der zum Kleinbürger degradiert die Zeitung vor seinem Kleinbürgerhaus aufhebt und seinem Gangsterleben nachtrauert.

Eine sehr gut zu lesende Filmkritik von Siegfried König zu GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia gibt es bei der Filmzentrale.
Hier der LINK
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Sinnentleerte Dialoge unter Duzfreunden

28.10.2008

Hans-Werner: Bald müssen die armen Schweine noch einen Stern tragen.
Peer: Am Auto haben die meisten schon einen !!

Ich gebe zu, es stammt nicht von mir – trotzdem gut!
Hier das Original.


Das Fenster zum Hof

26.10.2008

Überaschung beim Fensterputz. Das Fenster zum Hof der AxeAge-Studios ist im Sommer häufig gekippt. Das war die Gelegenheit für Familie Schlupfwespe eine kleine Eigentumswohnanlage zu bauen.
Die musste ich allerdings entfernen, nicht dass im Frühjahr nach dem Schlüpfen die ganze Mischpoke in eine meiner Gitarren einzieht.

Das Fenster zum Hof


AxeAge Jazzwoche

23.10.2008

Neben der Urlaubsbetreuung von Christoph Wesemanns Weblog stand diese Woche ganz im Zeichen des Jazz.
Abdullah Ibrahim formerly known as Dollar Brand hat ein sehr schönes, ein leises Solo Piano Album herausgebracht. Senzo heißt das Werk, das mich ein klein wenig, wirklich nur ein winziges bisschen an das legendäre Köln Konzert von Keith Jarrett erinnert.
Wer mehr über Ibrahim und dieses wunderschöne Album erfahren möchte, dem empfehle ich diesen LINK.

Das zweite Album, das ich in dieser Woche gekauft habe, heißt Acoustic Shapes und stammt von dem Schlagzeuger Wolfgang Haffner.
Haffner hat gestern ein gut besuchtes Konzert zusammen mit Hubert Nuss (Piano) und Christian Diener (Bass) in seiner ehemaligen Heimatstadt Altdorf gegeben. Abwechslungsreicher Jazz, anspruchsvoll arrangiert von langsam-schwelgend bis percussiv-groovig. Eine Augenweide, diesem Drummer zuzusehen, der das Schlagzeug als vollwertiges Instrument in seine Musik einbringt.
Eine kurze CD-Besprechung von Acoustic Shapes kann man hier nachlesen.

Abdullah Ibrahim und Wolfgang Haffner


Donkey Two

21.10.2008

Aus der Rubrik tue Gutes und rede darüber darf ich hiermit vermelden:
Der zweite Esel ist gekauft.
Die Liebste und ich hoffen damit, einer notleidenden, alleinerziehenden Frau von der Schwerstarbeit des Wasserschleppens zu entlasten und ihr Starthilfe in ein etwas erträglicheres Leben zu geben.
Möglich macht so etwas die Esel-Initiative, von deren Arbeit einst sehr anschaulich im Fernsehen berichtet wurde und die uns so überzeugt hat, dass wir in den nächsten Monaten noch ein paar Esel kaufen wollen.
Wer sich näher für dieses Projekt interessiert, der klicke bitte auf das Logo.

Eselinitiative


Fremdbloggen

20.10.2008

Es könnte sein, dass in dieser Woche nicht allzu viel los sein wird, hier bei AxeAge, weil ich für das Weblog eines lieben Kollegen Urlaubsvertretung mache.
Es handelt sich um Christoph Wesemann, den ich bei [kolumnen.de] kennengelernt habe und dessen Texte mir von Anfang an sehr gut gefallen haben.
Christoph ist freier Journalist, lebt mit seiner Familie in Odessa und betreibt dort ein Weblog, in dem er aus seinem Leben in der Ukraine in einer Mischung aus Kolumne, Nachricht und Kommentar berichtet.

Das Weblog von Christoph Wesemann
Das Weblog von Christoph Wesemann

Ja und nach einigen Monaten Intensivbloggens, das vor allem geprägt war von Oleg, einem einheimischen, etwas schwierigen Kollegen, musste Christoph einfach mal raus und macht jetzt Urlaub auf einer nudelfreien Insel – kein Mensch weiß, wo sich diese Insel befinden soll.
Christoph hat seinen Kumpel Oleg übrigens für die Dauer seines Urlaubs bei mir abgeliefert und der macht mir nach der unsäglichen Webcam-Aktion zur vergangen Bayernwahl die Hölle heiß. Doch davon später mehr.
Wer also in dieser Woche Texte von mir lesen möchte, den darf ich einladen, das Weblog von Christoph Wesemann zu besuchen. Heute steht dort etwas über Andreas, Ulrike und Gudrun, über meine Oma und meine Nichte.


Blues vor dem Abendessen

15.10.2008

Das Leben hält oft kleine, aber feine Überraschungen bereit. Am vergangenen Samstag, die Liebste und ich bereiteten gerade ob des anstehenden Länderspiels eine Pizza zu, ertönten aus irgend einem Dritten Fernsehprogramm hervorragend bluesige Gitarrenriffs. Solche, wie sie nur wenige zu spielen in der Lage sind. In dem Fall war es Robben Ford, der, wie es sich für einen echten Blueser gehört, in einer schmucklosen Studioecke auf einem Barhocker saß, lässig eine Telecaster blond auf dem rechten Beine wippte, deren Wert wahrscheinlich den unseres Eigenheims bei Weitem überstieg, angestrahlt von einem Fender Twin Reverb Silverface. Den Song kannte ich nicht, er war aber relativ ausgeklügelt und natürlich unvergleichlich perfekt gespielt.
Danach setzte sich der sympathische Musiker zu den Moderatoren an einen gedeckten Tisch und ließ sich das Abendessen schmecken, das ein Koch während des Songs zubereitet hatte. Nett!

Am gleichen Abend hat Ford dann in Stuttgart im Jazzclub Bix gespielt und drei Tage später, am 13. Oktober, war er auch in unserer Nähe – im legendären Colos-Saal in Aschaffenburg.
Ich war (leider) nicht dort, dafür aber Stefan Moises von den musikspionen, für die ich auch ab und zu schreibe. Moises hat einen sehr lesenswerten Konzertbericht verfasst, auf den ich an dieser Stelle verweisen darf.


Marcel ma Belle

14.10.2008

Moralische Instanzen haben, vor allem, wenn sie sich erzürnen, immer etwas Anrührendes, finde ich. Das war und ist bei Günter Grass nicht anders, als bei Martin Walser oder Marcel Reich Ranicki.
Die Liebste und ich fuhren gerade im Auto, als die Sensationsmeldung uns ereilte.

Abgelehnt. Deutschlands berühmtester Lispler hatte einfach abgelehnt. Wir wussten nicht warum und konnten uns auch erst einmal keinen Reim darauf machen. Für sein Lebenswerk – naja, haben wir uns gedacht, vielleicht war Marcel erbost darüber, dass man ihm bereits zu seinen Lebzeiten einen solchen Preis hat zuschustern wollen. Andererseits, wie hätte man ihm den Preis sinnvoll überreichen sollen, wäre er bereits gestorben gewesen?
Auf jeden Fall großes Rätselraten, bis uns an besagtem Abend meine Lieblingsnachrichtensprecherin Marietta Slomka – oder war es der Liebsten Lieblingsnachrichtensprecher Klaus Kleber – endlich aufklärte und uns das ganze Ausmaß der Verleihungs- und Zurückweisungsmisere ins heimische Wohnzimmer moderierte.

Ach ja, der liebe Herr Reich, der gute Herr Ranicki, der teuere Marcel. Hätte er sich denn nicht im vornherein denken können, nein müssen, während dieser Verleihung mit dem Prekariat der deutschen Unterhaltungsindustrie auf eine Stufe gestellt zu werden und sich dies im Vorfeld durch diverse Film- und Showschnipsel offenbaren würde.
Natürlich hätte er und hat er sicher auch und doch darf man ihm nicht ausschließlich Kalkül unterstellen, mit seiner (wie immer fein formulierten) Ablehnungsrede auf den größtmöglichen Showeffekt geschielt zu haben. Ja, oder vielleicht doch?

Immerhin ist ihm sofort des deutschen drittliebste Schwiegersohn-Projektionsfläche – nach Beckmann und Kerner – zur Seite gesprungen, hat vermittelt, wo nur irgend möglich und RR hat, wenngleich mit drohendem Finger seine erheblichen Zweifel äußernd, grundsätzliche Kooperationsbereitschaft gezeigt und brav dem guten alten Tommy das „Du“ angeboten.

Und wenn man jetzt noch der Aussage von Teofila Reich-Ranicki glauben darf, dann hat ihr Mann den formschönen Preis ja doch mit nach Hause genommen und somit sollte ja eigentlich alles wieder in bester Ordnung sein.
Nur Gottschalk hat vergessen, seinen Wetteinsatz zu benennen, wenn das Treffen der Programmchefs mit ihm und Marcel wider Erwarten dann doch nicht stattfinden sollte – immerhin hat die zweite öffentlich-rechtliche Literatur-Instanz, Elke Heidenreich, von einem solchen Treffen abgeraten.
Naja, kann er ja vielleicht mal wieder ordentlich in Senf baden. Marcel und Elke hätten sicher ihre Freude dran.


Fußballabend und Herr Karl perspektivlos

11.10.2008

Die Deutschen haben soeben gewonnen. Gegen Russland. Gruppenerster, Klassenbester.
Die Österreicher kommen gegen die Färöer-Inseln nicht über ein Unentschieden hinaus.
Im Anschluss an die Fußballübertragung läuft in 3Sat der Rest von Herr Karl mit Helmut Qualtinger.

Wenn morgen in Österreich Wahlen wären, wen könnte Herr Karl jetzt noch wählen?