… und sie einunddreißig.
Naja, stimmt beides irgendwie nicht ganz, denn es war der erste Herbsttag, zumindest der gefühlte erste Herbsttag und sie war auch nicht einunddreißig, sondern schon etwas älter (wie alt, wird nicht verraten). Aber sie war Sommer, Elke Sommer nämlich.
Mit ihr und ihrem Mann Wolf habe ich den gestrigen Nachmittag verbracht – auf dem Golfplatz in Erlangen.
Schon irgendwie komisch. Da kommt man ins Clubsekretariat, um zu fragen, ob sich nach der telefonischen Reservierung noch jemand gefunden hat, der mit einem spielt, denn seit neuestem braucht man in unserem gut besuchten Golfclub am Wochenende eine Startzeit und dann sagt die Dame hinter dem Tresen: Ja, Herr Scherm – sie spielen mit Elke Sommer und ihrem Mann. Einfach so.
Sofort schoss mir durch den Kopf: hättest Du mal doch lieber die bessere Hose angezogen und verdammt, nur die billigen Bälle vom Aldi im Bag.
Spießergedanken, die ich mir hätte schenken können, denn die beiden waren extrem locker und in keiner Weise überkandidelt.
Die gute Elke hat sich wie selbstverständlich meinen Driver ausgeliehen, weil ihrer beim Transport im Flugzeug zerbrochen war. Sie ist ab und zu im Wald verschwunden, um Pilze zu sammeln, sie hat nicht, wie man vielleicht annehmen würde, während der Runde Feinkost-Riegel oder Edelobst verspeist, sondern Fleischwurst vom Dorfmetzger und Schwarzbrot vom Holzofenbrotbäcker. Und ihr Mann, den sie liebevoll Papa-Bär nennt, hat bis zum Schluss einen gefundenen Aldi-Ball gespielt, sich beim gemeinsamen Bier am 19. Loch als Clubfan zu erkennen gegeben und beim Rauchen auf der Terrasse auf Geheiß seiner Liebsten die Blumen gegossen, die auf den Tischen standen und schon etwas die Köpfe hängen ließen. Braver Papa-Bär!
Jedenfalls weiß ich seit gestern wieder, warum ich diesem merkwürdigen Sport so lange die Treue gehalten habe. Es geht nämlich nicht nur darum, einen viel zu kleinen Ball mit vierzehn ungeeigneten Schlägern über eine viel zu lange Distanz in ein viel zu kleines Loch zu schubsen, sondern es geht vor allem auch darum, Menschen kennenzulernen.
Bei diesem Sport kommt nämlich unweigerlich die Wahrheit an den Tag und wer Menschen wirklich kennenlernen will, dem rate ich dringend, mit dem Golfspiel zu beginnen.
Die Erfahrung von Waldemar Hartmann, dem bei einer Golfrunde mit gediegenen Herrschaften angeblich das Tages-Du angeboten wurde und der daraufhin beschlossen haben soll, der Golfsport sei dann doch nichts für ihn, diese Erfahrung habe ich jedenfalls bisher noch nicht machen müssen.
Aber so etwas passiert einem höchstwahrscheinlich auch nur in Schickimicki-München – im Golfclub Erlangen jedenfalls nicht.
Verfasst von axeage 
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