If I

30.09.2008

Neben dem Klassiker Later with Jools Holland, der ab und zu im ZDF-Theaterkanal läuft, gibt es seit einiger Zeit ein Musiksendungsformat, das mir genauso gut, vielleicht sogar noch etwas besser gefällt: One Shot Not – Jamsession mit Manu Katché und Alice Tumler auf arte.

Jazz, Pop, Rock, Underground – der französische Starschlagzeuger Manu Katché lädt Musiker ins Studio ein und lässt sie mit Künstlern aus anderen Musikwelten Jam-Sessions improvisieren. Das neue, nunmehr regelmäßige Live-Event – immer am letzten Samstag des Monats ab 22.35 Uhr – steht unter dem Zeichen der Begegnung und der Liebe zur Musik. Komoderatorin ist Alice Tumler.

In der letzten Sendung, am vergangenen Samstag, war unter anderem Piers Faccini zu Gast. Ein Sänger und Songwriter, dessen Stimme, sein feines Gitarrenspiel und der Einsatz seiner Bluesharp mich schier umgehauen und eine leise Erinnerung an Nick Drake wachgerufen haben.
Obwohl ich YOUTUBE-Videos in Weblogs eigentlich nicht mag – manchmal geht es einfach nicht anders.

Hier also If I von Piers Faccini – großartig!


Seebeben

30.09.2008

Schon am vergangenen Mittwoch in der örtlichen Presse:
MASH rockt die Seeterrassen.

Pressebericht MASH Seeterrassen Happurg


Satz mit X (und 50)

29.09.2008

Zwei für Bayern

Seit gestern herrscht also nun auch in Bayern (endlich) Demokratie. Dass ich das noch erleben muss darf. Ausgerechnet am Geburtstag von König Edmund liefern seine Nachfolger ein solches Ergebnis ab. Ein Ergebnis, das Stan und Ollie getrennt voneinander zu der Aussage hat hinreißen lassen: Ein schwarzer Tag für die CSU.
Naja, schwarz war der Tag ja nun wirklich nicht. Wohl eher grün oder gelb. Immerhin zum Glück nicht blau, wie im nahen Österreich.
Ja hat man denn vorher schon einmal so betröppelte Politikernasen gesehen, wie Kieferchirurgen-Erwin und Logopäden-Günther? Das war doch wahrlich mitleiderregend. Ich konnte mich nach diesen Bildern gar nicht so recht meinem Hohn hingeben. Am liebsten hätte ich die beiden zum Essen und anschließendem Kummer-Ersäufnis-Umtrunk eingeladen und ihnen für die nächsten drei Wochen Asyl in der fränkischen Provinz gewährt.
Und dann der Seehofer. Wie oft haben sie wohl dieses Interview geprobt, bis der Gute wenigstens halbwegs sein hämisches Grinsen im Griff hatte?
Und am Tag zuvor verliert auch noch Bayern München gegen Hannover 96. Gegen Hannover!
Wenn’s kommt, kommt’s meistens richtig dick!


Wer die Wahl hat …

26.09.2008

… hat die Qual.
Ausgerechnet in die Ukraine soll ich am Sonntag nach der Fünfzig-PluMi-X-Bayernwahl eine Live-Schaltung von der bayerischen Elefantenrunde machen. In die Ukraine – mit einer Webcam!
Oleg hat gerade angerufen. Ukraine-Calling. Unwillkürlich fiel mir der European Song Contest ein: Here are the results of the Ukraine Jury. Aber Oleg wollte keine Ergebnisse durchgeben, er will Ergebnisse wissen. Am Sonntag. Von der Bayernwahl. Live und in Farbe! Törööö!

Christoph hatte mich ja schon per Kolumne vorgewarnt und ich dachte eigentlich, alles sei gesagt. Dass Oleg tatsächlich anrufen würde, hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht. Jedenfalls war das Telefonat ziemlich anstrengend. Ich habe versucht, Oleg zu erklären, dass ich mit Christoph bereits alles besprochen habe, aber Oleg ist so einer, der hört überhaupt nicht zu. In einer unsäglichen Mischung aus ukrainisch, englisch und so etwas ähnlichem wie Deutsch hat Oleg losgelegt und ich verstand eigentlich immer nur „Elefant“. Das Ganze hörte sich an wie der Vorspann zur Sendung mit der Maus:
Krus dru hrischko dradidsch kla wum die droda dermatsch do Elefant un Maus – so ähnlich halt. Selbst wenn ich Fragen mehrfach hintereinander bejaht und das Gefragte nachhaltig bestätigt habe, wollte Oleg es noch einmal ganz genau wissen. Ganz genau.

Herr im Himmel, langsam verstehe ich, was Christoph tagtäglich mitmacht und er mit dem Gedanken spielt, diese Nervensäge loszuwerden.
Irgendwann hab’ ich Oleg dann einfach quatschen lassen, um nach endlosem Palaver endlich die erlösenden Worte zu vernehmen: Alles klar. Machen wir so. Super. Sonntag dann. Kamera läuft. Ton läuft. Dobryi Den’.

Jetzt stöpsel ich schon eine Stunde an dieser verfluchten Kamera herum und es will und will kein Bild auf dem Bildschirm erscheinen. Wahrscheinlich bastel ich das ganze Wochenende und am Sonntag um 18:10 Uhr stell’ ich fest, dass ich vergessen habe, zur Wahl zu gehen. So weit kommt es noch.
Ach, langsam glaube ich, die Osterweiterung meines Blogs war keine gute Idee.


Was wäre, wenn …

25.09.2008

Heute morgen musste ich (bei eigentlich mopeduntauglichen Temperaturen) mit dem Moped in die 70 Kilometer entfernte Werkstatt fahren, weil diverse Mängel die Garantie- und Gewährleistungszusagen des Händlers bemühten, bei dem ich die Maschine vor kurzem gekauft habe.
Es war regnerisch, es war kalt, es war absolut kein Mopedwetter und doch hatte ich den Eindruck, ein große Reise anzutreten.
Ich kam mir vor, wie einer, der Moped fahren muss, nicht weil schönes Wetter ist oder wohlige Temperaturen herrschen, sondern weil er weiter kommen will, weil er ein fernes Ziel hat, weil es ihn in die Welt drängt.

Ich habe mir vorgestellt, wie es wohl wäre, würde ich jetzt nicht in der oberpfälzischen Kleinstadt anhalten und die Werkstatt aufsuchen, sondern weiter über die nahegelegene Grenze nach Tschechien fahren, dann über die nächste Grenze in die Slowakei, weiter in die Ukraine bis zum Schwarzen Meer nach Odessa. Ohne Gepäck, nur mit Moped, Scheckkarte und dem Duft der großen weiten Welt in der Nase. Ja, ich habe sogar kurz mit dem Gedanken gespielt, das Rauchen wieder anzufangen.

Der Duft der großen weiten Welt

Ich Feigling habe natürlich nur eine Grenze überquert, die allerdings zwei Mal: die Grenze zur Oberpfalz. Mit dem Moped hin, mit dem Zug zurück.

Ach, wenn ich doch eher gewusst hätte, dass in Odessa meine Hilfe benötigt wird!


Finding my Religion

24.09.2008

Die Mandoline meiner Mutter

Die Zeit hat ordentlich an ihr genagt. Sie ist verschrabbelt und verschrammt. Der Stempel mit Namen und Anschrift des Großvaters auf dem Korpus ist kaum noch zu lesen. Auf der Rückseite hat sich eine Lamelle aus dem Korpus gelöst. Ein Hakenkreuz wurde nachträglich zu einem Quadrat mit Kreuz umgeschnitzt.

Die Mandoline meiner Mutter, die sie in ihrer Kindheit und Jugend gespielt hat, lag jahrzehntelang in Plastikfolie gehüllt in einem Schrank. Neulich habe ich nach dem Instrument gefragt. Daraufhin hat Mama es hervorgekramt und mir zu treuen und pflegenden Händen übergeben.

Der Gitarrenbauer meines Vertrauens hat die Lamelle eingeleimt, neue Saiten aufgezogen und sonstige, notdürftige Reparaturen durchgeführt. Jetzt ist sie wieder halbwegs bespielbar.
Irgendwie ist es schon ein besonderer Moment, einem so alten Instrument, das lange nicht gespielt wurde, die ersten zaghaften Töne zu entlocken.

Gestern, kurz vor’m Schlafen gehen, habe ich noch ein paar Takte im Stil von R.E.M. aufgenommen. Wer es hören möchte, klickt hier oder unten auf den Lautsprecher.
Es ist noch nicht perfekt, aber es war immerhin das erste Mal, dass ich Mandoline gespielt habe. Das Instrument gefällt mir und ich denke, da bringe ich mir noch einiges bei.
R.E.M.-Theme


Oh happy Day

23.09.2008

Unser Gig am letzten Wochenende ist sehr gut gelaufen, allerdings wären ein paar mehr Gäste schön gewesen. Aber Ambiente, Stimmung und Tagesform haben gepasst und ein paar Leutchen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe, haben sich auch eingefunden. Unter anderem eine gemeinsame Freundin, die seit zehn Jahren bei einem Chorprojekt mitwirkt, das sich dem Gospel verschrieben hat.
Weil die Liebste ebenfalls gerne singt und gestern nach der Sommerpause die erste Chorprobe angesetzt war, hat sie sich sofort dafür angemeldet.
Nachdem ich gestern Abend unser Band-Equipment im Übungskeller verstaut hatte und die Motivation meiner Mitmusiker gegen Null tendierte, die gröbsten Schnitzer des Auftritts durch intensives Proben zumindest ansatzweise auszumerzen, ich also a) Zeit hatte und b) in der Nähe der Kirche war, in der der Chor probte und mich c) die Neugier fast umbrachte, bin ich kurzerhand hingefahren, um einmal nach der Liebsten zu sehen.

Durch eine Glasscheibe neben der Tür wagte ich einen Blick ins Innere des Proberaums, in dem Jesus gerade die Sünden wegwischte – … when Jesus washed. Ich gestehe, bisher immer when Jesus walked verstanden und auch gesungen zu haben aber der geschmetterte Refrain Oh happy Day ließ sofort vergessen, ob Jesus gewashed hat oder gewalked ist. Jedenfalls wurde ich sehr schnell von der Liebsten und den meisten der sie umgebenden Sangesschwestern entdeckt, was zu einer gewissen Unruhe im Chor führte und weil ich mich nicht einfach so hineingetraut habe, zum singenden Weibsvolk, kam die Liebste schließlich heraus und bat mich im Namen der Chorleiterin herein.
Neben dem Herrn Pfarrer, seines Zeichens Bass, war noch ein Plätzchen frei. Außer ihm waren noch zwei weitere Bässe und vier Tenöre anwesend. Ansonsten nur Frauen, ca. 35 an der Zahl.

Die Chorleiterin, eine Resolute, Rothaarige mit ausdruckstarker Stimme steuerte gerade die Altstimmen, bei der auch die Liebste angesiedelt war, in den glücklich Tag. Die Sopranisitinnen hatten Pause. Die Tenöre warteten noch und die Bässe, zu denen ich mich zählte, auch.

Als alle durch waren, wurde aufgestanden, gemeinsam gesungen und dazu rhythmisch in die Hände geklatscht.
Ich muss zugeben, ich liebe solche Gruppendynamiken. Wenn alle das gleiche Ziel haben, alle am gleichen Strang ziehen und dann noch das Timing und die Töne stimmen, wenn man den Teilnehmern ansieht, wie sie dahinterstehen und wollen, dass es klappt, dass es klingt, dass es stimmig ist.
Ein wunderbarer Moment. Und es ist nahezu egal, ob es sich um eine Probe handelt, oder das Ganze vor Publikum stattfindet. In solchen Momenten weiß ich immer, warum ich selbst so gerne Musik mache.
Oh happy Day.

Ich würde wirklich auch gerne in dem Chor mitsingen, aber die Proben finden jeweils am Montag statt und da probe ich schon mit MASH. Schade, aber man kann einfach nicht alles machen.


FAZ-Sonntag

22.09.2008

Ja, ja, ja. Es muss immer was los sein. Immer.
Musik machen bis in die Puppen. Golf spielen mit Elke Sommer. Die Berge rauf und runter rasen. Saufen mit den Fünfzigjährigen. Konzerte besuchen. Kochen, backen, braten. Fußball schauen, Kart fahren, Kino glotzen. Grillfest hier, Einladung dort. Wenig Schlaf, viel Äktschn. Immer nur Äktschn und Gwerch (das ist das fränkische Wort für Äktschn).

… und dann gibt es Sonntage, wie gestern:
Sonntage, an denen es einfach nur regnet. Sonntage, an denen man beim Bäcker seines Vertrauens die dicke, fette, unhandliche Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung mit nach Hause nimmt und sich nach dem Frühstück, das erst gegen 11:00 Uhr eingenommen wird, nach der Sendung mit der Maus in den Fernsehsessel fallen lässt und mehrere Stunden nur liest. Dann zwischen zwei Regenpausen ein kleiner Spaziergang über die nahegelegenen Streuobstwiesen, um zu testen, ob die Äpfel schon schmecken. Wieder zu Hause ein Milchkaffee mit selbstgebackenem Zwetschgenkuchen und dann wieder lesen.

Und weil die FAZ am Sonntag so schön dick und so schön schwer ist, kann man sich auch damit zudecken, wenn einem die Augen zufallen. Und wenn man erwacht, hört man schon wohlige Küchengeräusche, weil die Liebste gerade dabei ist, Rouladen mit Knödeln zu bereiten, die es zwei Stunden später gibt. Wer braucht da Äktschn, frage ich. Wer?


Hirst Du Hendrix?

18.09.2008

Gestern hat uns Damien besucht. Er hat ein paar Flaschen Weißwein, Gemüse, Thunfisch und Kalbfleisch mitgebracht, denn wir, die Liebste und ich wollten mit ihm zusammen kochen: Vitello Tonnato. Damien liebt Vitello Tonnato und die Liebste bereitet dieses Gericht auf unvergleichliche Weise. Da kannst Du jeden Italiener vergessen. Forget the Italians, sagt Damien dann immer und lässt dabei ein Stück Vitello aus dem Mundwinkel hängen.
Ach ja, Damien hat so einen herrlich britischen Humor, so einen Monty Python Humor. Forfett fe Ifalianf – auch der Liebsten und mir hängt Kalbfleisch an Thunfischsauce wie eine kranke Zunge aus dem Mund und wir prosten uns zu.

Was soll ich sagen. Es wurde, wie immer, wenn Damien zu Besuch ist, ein grandioser Abend und gerade gestern hat Vitello Tonnato natürlich besonders gut gepasst, denn am Nachmittag ist Golden-Dolly angeliefert worden – das goldene Kalb.
Der Name stammt übrigens von uns und soll so eine kleine Hommage sein, an das erste geklonte Schaf. Damien hat zwar zunächst ein wenig gezuckt, als wir ihm den Namen genannt haben, aber fünf Flaschen Wein später, war er vollkommen damit einverstanden und hat noch mehrfach in dieser Nacht seinem – also unserem Kalb zugeprostet: Cheers Golden-Dolly – forget the Italians – fuck the Gallerists.

O.k., ich muss zugeben, es war ein Spontankauf, aber ich wollte nachdem die fünfzehn Millionen Festgeld frei wurden und Bankenpleiten allenthalben drohen, unser gesamtes Bargeld zu vernichten, ein Mal im Leben etwas anderes kaufen, als Gold- und Silberbarren. Der ganze Keller liegt voller Gold- und Silberbarren.
Kunst, habe ich so bei mir gedacht, Kunst wäre doch mal was anderes. Und nachdem ich Damien jetzt schon so lange kenne und nie etwas von ihm gekauft habe, habe ich zugeschlagen – telefonisch.
Den Typ von Sotheby’s kenne ich ja auch schon ewig und wenn ich dem sage, maximal fünfzehn Millionen, dann bringt der mir was anständiges zu dem Preis.

Jetzt steht Golden-Dolly bei uns im Wohnzimmer und Damien, dem es gestern ordentlich gereicht hat, ist vor dem Kälbchen auf dem Fußboden eingeschlafen. Er war nicht mehr wegzubewegen. Wir haben ihm ein Kissen hingelegt und eine Decke über ihn geworfen. Heute morgen dann einen Espresso und eine Zigarette und schnell, schnell, ab zum Flughafen. Ach, dem sein Leben möchte ich auch nicht führen.

Egal, die Liebste und ich haben heute morgen die Spuren der Nacht beseitigt. Damien hat vom Flughafen aus noch einmal angerufen und sich für den herrlichen Abend bedankt und ich habe im Internet nach weiteren Kunstschnäppchen gesucht, immerhin waren die 15 Mio. ja noch nicht ganz aufgebraucht.
Und, was soll ich sagen: ich wurde fündig. Für schlappe 345.000 EURO habe ich die erste von Jimi Hendrix angezündete Gitarre ersteigert. Ich freue mich riesig und werde gleich mal mit Damien telefonieren. Der soll einen meiner Goldbarren einschmelzen und die Gitarre vergolden. Sieht ja wirklich Scheiße aus, so verkokelt.

Dieser Artikel erschien am 18. September 2008 auch bei
kolumnen.de


Collage

16.09.2008

Ich habe neulich schon einmal über ihn berichtet. Heute ein Beispiel, das zeigt, was möglich ist, wenn man die Augen offen hält, wenn man Zusammenhänge begreift und wenn man in der Lage ist, sich trefflich auszudrücken.
Don Alphonsos Unheiliger St. Lemanius. Eine äußerst gelungene Collage aus Zeitgeschehen, Bild und Sprache.