Die Einraumkneipe in unserer Straße

31.07.2008

Aus gegebenem Anlass:

Der Abend senkt sich auf die Dächer der Vorstadt
Die Kinder am Hof müssen heim
Die Krämersfrau fegt das Trottoir vor dem Laden
Ihr Mann trägt die Obstkisten rein
atetimeDer Tag ist vorüber, die Menschen sind müde
Doch viele gehen nicht gleich nach Haus
Denn drüben klingt aus einer offenen Türe
Musik auf den Gehsteig hinaus

Die kleine EinraumKneipe in unserer Straße
Da wo das Leben noch lebenswert ist
Dort in der Kneipe in unserer Straße
Da fragt Dich keiner was Du hast oder bist

Die Postkarten dort an der Wand in der Ecke
das Photo vom Fußballverein
Das Stimmgewirr, die Musik aus der Jukebox
All das ist ein Stückchen daheim
Du wirfst eine Mark in den Münzautomat
Schaust andern beim Kartenspiel zu
Und stehst mit dem Pils in der Hand an der Theke
Und bist gleich mit jedem per Du

Die kleine EinraumKneipe in unserer Straße
Da wo das Leben noch lebeswert ist
Dort in der Kneipe in unserer Straße
Da fragt Dich keiner was Du hast oder bist

Man redet sich heiß und spricht sich von der Seele
Was einem die Laune vergällt
Bei Korn und bei Bier findet mancher die Lösung
Für alle Probleme der Welt
Wer Hunger hat, der bestellt Würstchen mit Kraut
Weil es andere Speisen nicht gibt
Die Rechnung, die steht auf dem Bierdeckel drauf
Doch beim Wirt hier hat jeder Kredit

Peter Alexander – 1976


Nonkonformist

30.07.2008

Rock am Rothenberg

28.07.2008

Hoch droben am Berg, unterhalb der Festung Rothenberg, dort wo das gute Bier gebraut wird und es die am liebevollsten belegten Lachsbrötchen der Welt gibt, zu den Streuobstwiesen der Familie Kreß, dort wollte ich am Samstag Nachmittag hin. Bei brütender Hitze, mit dem Fahrrad, denn das eine ums andere Landbier, wollte ich mir schon gönnen bei Rock am Rothenberg, dem alljährlich stattfindenden Festival der Musikinitiative Nürnberger Land.
Doch wie so oft, wenn der Berg und ich aufeinandertreffen, geht das nicht unbedingt zu meinen Gunsten aus. Der Berg rang mir literweise Schweiß, Atemnot, Seitenstechen und äußerst schwere Beine ab und obwohl schon lange die Musik vom Festivalgelände zu mir herüber in den Wald drang, in dem ich einsam mein Rad über Stock und Stein schob, hatte ich doch den Eindruck, nie mehr in diesem Leben an meinem Ziel anzukommen.
Irgendwann stand ich dann aber doch auf dem Enzenstein, einem in dieser Gegend recht begehrten Wanderziel, von dem aus man wunderbar die Bühne sehen konnte, wo sich aber weder ein Bier-, noch ein Lachssemmelverkaufsstand befand. Also musste ich noch über zwei mit Elektrozäunen gesicherte Pferdeweiden tapsen, bis ich endlich wohlverdient, glücklich und einen Steinkrug voll Landbier in der Hand der Drei-Personen-Kombo Konstinger lauschen durfte.
Zwei Bands hatte ich an diesem Nachmittag schon verpasst. Die Hausband, die Enzenstones und die Slow City Company, deren Klänge mich durch den dunklen Wald geleitet und sich sehr gut angehört hatten.
Jetzt also Konstinger. Nun, wie soll ich mich ausdrücken. Der Mann hat eine klasse Stimme. Er beherrscht seine Gitarre. Seine Sidelady am Bass zupfte brav die tiefen Töne und unterstützte mit zweiter Stimme und auch der Drummer verstand was von seinem Handwerk, aber:
lieber Herr Live-Musiker. Bitte keine MIDI-Files. Orgel, Orgel, Schwurbel, Schwurbel, Tröt, Tröt. Warum macht er das, hab’ ich mich gefragt. Der Kerl singt so gut, seine Gitarre, die er nicht über einen Amp, sondern via Multieffekt direkt in die PA einschleust, klingt (nahezu) perfekt und den Teppich legen Frau (und Kind hätte ich fast gesagt). Aber nein, da muss noch Gewaber und Gesülz ran, bis die Soße überkocht. Ja gut, einem Laptop muss man keine Gage zahlen, aber ehrlicher wäre ein lebendiger Keyboarder oder ein zweiter Gitarrist allemal – finde ich.

Dann die Prokuristen. Das ist eine Band, die ordentlich was losmacht. Denen ist nichts heilig. Egal, ob ABBA, Boney M., Michael Jackson oder Elton John. Bei denen wird aus jedem Schlager, aus jeder Schnulze und aus jedem Liedchen eine Rocknummer, die a) in die Beine geht und über die man b) schmunzeln muss.
Nicht nur geschmunzelt, sondern Tränen gelacht hat offensichtlich der Himmel während der Prokuristen-Performance. Ein Platzregen ging genau über dem Festivalgelände nieder. Doch die Veranstalter, die im letzten Jahr ordentlich abgesoffen waren, hatten vorgesorgt und verteilten kostenlos Plastik-Ponchos an die Zuschauer, die dafür sehr dankbar waren. Note Eins Plus für Veranstalter und Prokuristen.

Die vorletzte Band an diesem Abend war eigentlich gar nicht vorgesehen, weil sich aber der Drummer der ursprünglich angekündigten, österreichischen Band Monofuse das Bein gebrochen hatte, sprangen die Metaller Savage Crow ein.
Meine Herren, in der heutigen Tagespresse stand zwar, die Jungs und das (singende) Mädel hätten keine Starallüren, doch ich hatte genau den entgegengesetzten Eindruck. Mit eigenem Mischer, T-Shirt- und CD-Verkaufsstand, eigenen Plastikumhängekärtchen (wie kindisch) und reichlich übertriebenem Posing schon im Vorfeld ihres Auftritts, haben die wilden Krähen versucht, die Schwalben zu vertreiben, die hinter der Bühne ihre Nistplätze hatten. Es ist ihnen (zum Glück) nicht gelungen und auch die Zuschauer skandierten nach dem Gig (der erfreulich kurz ausfiel) auf Wiedersehen, statt Zugabe.
Ja, ich gebe zu, ich bin ungerecht. Ich bin überhaupt kein Freund von derart organisiertem Lärm solcher Musik, aber was diese Vögel da abgeliefert haben, war ziemlich unsäglich.

Blieben zum Schluss die International Allstars:
Ja gut, der einzige Inter(nationale) war Mel Gaynor von den Simple Minds am Schlagzeug. Die anderen durchaus illuster, wenngleich deutsch: Thomas Blug an der Gitarre Fender, Roland Peil (Fanta 4) an den Percussions, Martin Engelien (Klaus Lage Band) am Bass und dann noch zwei Sänger, von denen einer (drei Mal darf geraten werden, welcher) ziemlich überflüssig war: Rolf Stahlhofen (Söhne Mannheims) und Mr. Kölle Alaaf – Purple Schulz.
Ja, doch, es war schon schön, den Jungs dabei zuzusehen und zuzuhören, wie sie nach dem Motto ohne proben nach oben ihre Routine und natürlich auch ihr Können gegen den Enzenstein und ihr Publikum geschleudert haben, die Ausstrahlung von Rolf Stahlhofen, dem dicken Glatzkopf ist enorm, aber eigentlich hat mir Verliebte Jungs noch nie gefallen und die Schmonzetten der Söhne Mannheims muss man schon auch mögen.
Als dann noch Purple Schulz begann, mit Pappnase und Augusthütchen ein echtes Kölner Jeckenlied zu intonieren, hat auch das x-te Landbier nicht bewirkt, dem Ganzen (irgend)etwas abzugewinnen.

Also habe ich mich auf mein Fahrrad geschwungen und bin mit gefühlten 190 Sachen ins Tal gerauscht. Unten angekommen, ist noch ein schönes Percussion-Solo von Roland Peil aus dem Rothenberg gesickert und auch die alte Fender von Herrn Blug hat noch einmal aufgejault. Ich habe das als Signal mit nach Hause genommen: Nächstes Jahr gibt es wieder eine neues Festival, mit neuen Bands und neuem Landbier.
Ich freu’ mich schon drauf!


Bardentreffen 2008

28.07.2008

Wenn alles gut geht, ist MASH beim diesjährigen Bardentreffen in voller Besetzung vertreten.
Wir wollen diesmal am Freitag Abend (ab 18:00 Uhr) und am Samstag Nachmittag (ab 14:30 Uhr) an unserem „angestammten“ Platz oberhalb der Fleischbrücke beim Schüsselbrunnen spielen.

MASH beim essen

Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.


Little Feat im Hirsch

24.07.2008

Sieben Mann hoch – oder besser sechs Mann und eine Frau hoch – standen gestern Little Feat auf der Bühne im Hirsch.
Keyboarder Bill Payne und Schlagzeuger Richard Hayward stammen noch aus der Urbesetzung und haben die Band zusammen mit Lowell George und Roy Estrada 1969 gegründet. Ihre ersten Alben wurden damals von der Kritik hoch gelobt, floppten aber insgesamt. Erst als 1972 Estrada ausstieg, der Bassist Kenny Gradney, der Percussionist Sam Clayton und der Gitarrist Paul Barrère dazustießen und die Band ihren ursprünglichen Stilmix zugunsten von eingängigerem Countryrock aufgab, stellten sich erste Erfolge ein. 1979 starb Lowell George an einer Herzattacke. Als sich die Band 1988 mit Fred Tackett als weiteren Gitarristen und 1993 mit der stimmgewaltigen Shaun Murphy verstärkte, war die Besetzung, so wie sie sich gestern im Hirsch präsentierte, komplett.

Apropos „präsentierte“: Little Feat zeigte sich in absoluter Bestform und der gut gefüllte Hirsch wurde von Anfang an ordentlich gerockt, was nicht zuletzt an den sich hervorragend ergänzenden Gitarristen lag. Während der kleine Finger der linken Hand von Paul Barrère mit dem Metall-Bottleneck verwachsen schien und er damit mitreißende Slide-Soli spielte, war Multiinstrumentalist Tackett mit zahlreichen Stratocastern, einer Mandoline und sogar mit einer Trompete am Start. Soundvielfalt, wie sie perfekter kaum möglich ist.
Den Soundteppich legten Payne am Schlagzeug, Gradney am Bass und der „schwarze Riese“ Sam Clayton an den Congas. Clayton übrigens steckte, dem Zeitgeist geschuldet, in einem bunten Batik-Unterhemd und groovte nicht nur mit seinen Trommeln, sondern auch mit seiner bärigen Stimme, die er in einigen Songs hören ließ und für ordentlich Voodoo-Zauber sorgte.

Mit der Sängerin Shaun Murphy, die auf den ersten Blick auch als Chefsekretärin oder Schmuckverkäuferin bei Karstadt durchgehen könnte, haben sich Little Feat meiner Ansicht einen ordentlichen Gefallen getan. Mit dem ersten Ton, den diese Dame von sich gibt, zieht sie einen in ihren Bann. Diese Frau hat keine Stimme, sie hat aber sowas von einer Röhre und so wie sie mit dem Mikrofon umgeht, vergisst man ganz schnell wieder die Chefsekretärin und die Schmuckverkäuferin erst recht. Die Frau weckt auf und reißt mit.

Bill Payne an den Keyboards überzeugte mit jazzig verbrämten Soloeinlagen und war zum Schluss mit seinem langjährigen Bandkollegen Hayward am Schlagzeug allein auf der Bühne. Man sah den beiden an, dass sie die traumwandlerische Sicherheit, wie sie sich zwangsläufig nach fast vierzig Jahren Zusammenspiel ergibt, sichtlich genossen.
Als dann zusammen mit dem Publikum noch Don’t Bogart Me und The Weight intoniert wurde, gab es Easy-Rider- und Gänsehaut-Feeling obendrauf.
So und nicht anders soll es sein, denn wäre es nicht so, könnte man sich die Musik auch über den mp3-Player anhören – wobei, ein wenig knacksen sollte es schon im Lautsprecher.

Übrigens, wem Bill Payne bei der anstehenden Präsidentschaftswahl seine Stimme geben wird, verriet der Aufdruck auf seinem T-Shirt. Dort war zu lesen: Obama 08.
Machte den freundlichen Keyboarder mit dem einnehmenden Lächeln gleich noch etwas sympathischer.

Dieser Artikel erschien am 26. Juni 2008 auch bei
musikspione.de


Keine Details – welcher Planet

23.07.2008

Telefonat mit der Liebsten:

Ich: Wann beginnt die Oper heute Abend?
Liebste: Weiß nicht.
Ich: Wann geht Ihr essen?
Liebste: Vorher.


Verfremdlich 08 – Paradise Behind

19.07.2008

In loser Reihenfolge gibt’s hier verfremdete (manchmal auch befremdliche) Bilder.
Heute: Paradise Behind.

Paradise Behind

Das Bild zeigt den Eingang zu unserem Garten. Zugewachsen von wildem Hopfen, der eines Tages einfach so aus der Erde geschossen ist und seither von Jahr zu Jahr mehr wuchert, befindet sich hinter dieser Tür – nein – nicht nur unser Garten – hinter dieser Tür befindet sich das Paradies!


Going Home – Teil 5

18.07.2008

Going Home

Ein Schwarzer schleicht auf die Bühne. Er hat äußerst schlechte Zähne. Bekleidet ist er mit einer orangefarbenen Kutte und in der Hand hält er eine völlig verschrabbelte Gitarre. Er setzt sich auf einen Barhocker und beginnt zu spielen. Allgemeine Verwunderung. Eigentlich war Sweetwater angekündigt, aber bei dem Verkehrschaos und all den Unzulänglichkeiten hier, war es kein Wunder, dass es zu Umbesetzungen und neuen Dispositionen gekommen war und wahrscheinlich auch weiterhin kommen würde.
Der Mann auf dem Barhocker heißt Richie Havens. Er wird von einem weiteren Gitarristen und einem Percussionisten begleitet und spielt Folk. Die Stimmung im Publikum ist wegen des miserablen Sounds und des drohenden Regens ziemlich schlecht. Vor allem hier oben auf dem Berg, wo sich die fünf auf einer Decke niedergelassen haben, trägt der aufkommende Wind nur ab und zu ein paar Soundfetzen herauf, um sie im nächsten Augenblick wieder in eine andere Himmelsrichtung zu blasen und es sich anhört, als würde Mr. Havens abwechselnd mit vorgehaltener Hand und dann wieder mit einem Megaphon singen.
Harry schimpft, John pflichtet bei. Max und Stan haben sich hingelegt und wissen nicht, worum es geht. Daggy hat Schmerzen.
„Was ist – geht’s los?“ will John wissen, doch sie weist ihn zurück und legt sich auch auf die Seite.
„Verdammte Scheiße, ich glaube, es geht los …“, John wird panisch und versucht Harry für die Situation zu sensibilisieren.
„Meinst Du nicht“, quengelt er weinerlich, „meinst Du nicht, wir sollten uns langsam darum kümmern, wo wir uns hinwenden können, wenn es tatsächlich losgeht?“
Harry zieht die Schultern hoch und winkt ab.
„Das geht jetzt nicht los. Sie hat noch ein paar Wochen“.
„Na Du musst es ja wissen. Wie oft warst Du denn schon schwanger?“
Harry und John blicken sich an und weil beide nicht mehr ganz nüchtern sind und weil beide in diesem Augenblick beschließen, dass dies wohl der beste Konfliktlöser sein dürfte und weil beide gute Freunde sind und weil beide finden, dass die Gesamtsituation ein wenig Entspannung vertragen könnte, fangen sie an zu kichern und wälzen sich auf der Decke, bis Max und Stan auch mitmachen und Daggy genervt versucht, die Kinderei zu beenden.
Auf der Bühne sind Mr. Havens inzwischen die Lieder ausgegangen. Er hat sich nach Kräften bemüht, Sweetwater zu ersetzen und das Publikum dankt es ihm und fordert weitere Zugaben. Also flüchtet sich Mr. Havens in ein Traditional. Sometimes I feel like a motherless child.
Bei diesem Lied werden die Jungs wieder zahm. John nimmt Daggy in den Arm. Max und Stan qualmen wie die Schlöte und Harry versinkt ganz in der Musik. Seine Eifersucht stellt er hinten an. Hat keinen Zweck, denkt er. Hat überhaupt keinen Zweck. Daggy und John küssen sich.
Freedom, Freedom, Freedom …
Irgendwann steht Mr. Havens auf. Er ist völlig durchgeschwitzt und verlässt ganz langsam, aber immer noch mit seinem eigenwilligen Stil Gitarre spielend, die Bühne. Er wiegt sich im Takt. Seine Begleitmusiker halten den Rhythmus noch eine Weile durch. Freedom, Freedom … Das Publikum erhebt sich und ist von dieser außergewöhnlich improvisierten Zugabe ganz angetan. Auch Daggy John und Harry stehen auf und haben das erhebende Gefühl, gerade etwas Besonderes erlebt zu haben.

… to be continued


Bi Em Dabbelju

17.07.2008

Die Alte geht, die Neue kommt.
Schönes, wendiges, kleines Moped von BMW. Passt in jedes Handgepäck. Kann man überall mit hinnehmen. Braucht kaum Sprit. Und die Liebste kann sich anlehnen.

BMW F650

Mein alter Kumpel Gifty hat ja geglaubt, ich sei unter die Harley-Fahrer gegangen. Aber da ich weder Zahnarzt noch Rechtsanwalt bin …


Fannie Mae by The Beatles

16.07.2008

On the corner is a banker with a motorcar,
The little children laugh at him behind his back.
And the banker never wears a mac
In the pouring rain, very strange.
Fannie Mae is in my ears and in my eyes.
There beneath the blue suburban skies
I sit, and meanwhile back.