Na bitte!

12.06.2008

Ich habe gerade den Ausländer-raus-Reinländer-rein-Test bei t-online gemacht. Hier das Ergebnis:

Sie haben 8 von 8 möglichen Punkten.

Herzlichen Glückwunsch! Es gibt also doch noch Leute, die sich in ihrem Land bestens auskennen. Bestimmt sind Sie generell an sozialen und politischen Dingen interessiert. Wir hoffen, unsere Nachrichtenseite kommt Ihren Interessen auch weiterhin optimal entgegen.

Ich bin stolz, kein Durchgefallener zu sein.


Datenübernahme

11.06.2008

Sollte ich jemals das Drehbuch für einen Science-Fiction-Film schreiben, wird es so enden:
Das System hat sich übernommen.
Alle Daten wurden gelöscht.

Scherz:
Ich habe in den letzten beiden Tagen eine Datenübernahme gemacht, die gefühlte dreitausendsiebenhundertvierundachtzig mal mit der Meldung abgeschlossen hat:
Die Daten wurden übernommen.
Die Schnittstelle wurde gelöscht.

Irgendwann braucht man da einfach Alternativen.


Eschede

10.06.2008

Heute vor einer Woche, am 3. Juni war ich mit dem Zug von Nürnberg nach Hamburg unterwegs. An diesem Tag, genau vor zehn Jahren geschah das ICE-Unglück von Eschede. Der Zug, in dem ich letzte Woche saß, bremste kurz vor der Unglückstelle sehr stark ab, weil dort gerade eine Gedenkfeier zu Ehren der Opfer stattfand. Alle Fahrgäste waren ziemlich aufgeregt und sahen aus dem Fenster, aber man konnte nicht wirklich erkennen, was dort draußen vorging. Trotzdem beschlich mich und die meisten Mitreisenden ein äußerst mulmiges Gefühl, das sich erst nach einiger Zeit wieder legen wollte.

Ich musste daran denken, wie und wann mich die Meldung vom Unglück damals 1998 erreicht hatte. Es war ein heißer Frühsommertag. Ich erwartete den Anruf eines Kunden, ob ich das nächste halbe bis dreiviertel Jahr bei ihm vor Ort als kommissarischer DV-Leiter tätig sein sollte. Sein Anruf ließ auf sich warten. Im Radio und im Internet wurden die ersten Nachrichten von dem Unglück bekannt gegeben. Erste Vermutungen: ein Auto wäre von einer Brücke auf den Zug gestürzt.
Der Kunde hat mir dann nachts noch auf den Anrufbeantworter gesprochen, ich möchte doch bitte demnächst bei ihm vorstellig werden. Für diese Reise habe ich damals das Flugzeug genommen.

Jahre später ist mir das Zugunglück noch einmal „über den Weg“ gelaufen. Ich hatte für eine Firmenbroschüre einige Interviews zu führen, unter anderem mit dem Werksleiter einer kleinen Fabrik, die Kindermöbel und Spielwaren aus Holz herstellt. Dieser Mann hatte bei dem Zugunglück seine Frau und beide Kinder verloren. Kurz bevor ich diese Firma besuchte, wurde ich von Arbeitskollegen über sein Schicksal informiert. Sie erzählten mir, dass er ursprünglich geplant hatte, seine Familie am Unglückstag mit dem Auto zu einer Mutter-Kind-Kur zu bringen, aber weil er beruflich sehr eingespannt war und ihm die Bahn sowieso viel sicherer erschien, habe man sich einvernehmlich für die Zugfahrt entschieden.

Ich gestehe, mir war ordentlich flau im Magen, an jenem Morgen, als mir dieser großgewachsene, schlanke Mann gegenüber stand, dessen Leben sich von einem Tag auf den anderen auf so unvorstellbare Weise verändert hatte. Doch dieser Mann war kein gebrochener, verzweifelter Mensch. Im Gegenteil. Freundlich und bestimmt beantwortete er meine Fragen zum Jahresumsatz, zur Firmenphilosophie, zum Geschäftsergebnis, zu den Zukunftsaussichten der Branche im allgemeinen und jenen seines Betriebes im besonderen, obwohl ich ihn eigentlich lieber gefragt hätte, wie er das alles hatte überstehen können, wie sein Leben „einfach so“ weitergehen konnte, nach dem 3. Juni 1998.

Doch diese Fragen musste ich ihm gar nicht stellen. Allein mit seinem Auftreten und seiner Erscheinung hat er mir alle diesbezüglichen Fragen ausreichend beantwortet. Aus Presse und Fernsehen weiß ich inzwischen, dass er eine Selbsthilfegruppe gegründet und Prozesse gegen die Bahn geführt hat, dass er sich in psychologische Behandlung begeben hat und dass die Zeit viele Wunden heilt.
Bestimmt nicht alle, aber viele.

Ich muss zugeben, ich habe aus der Begegnung mit diesem Mann sehr viel mitgenommen und manchmal, wenn ich mich in die Vorstellung versteige, das Schicksal meine es nicht gut mit mir, dann denke ich an ihn. Hilft ungemein!

Einen sehr persönlichen und äußerst lesenswerten Bericht über das Zugunglück von Eschede gibt es auch bei Anke Gröner.


Im Zauberwald

09.06.2008

Es ist Sommer und es ist heiß.
Unsere Clique hat eine Hütte gemietet – mitten im Zauberwald. Der letzte Kilometer will gewandert werden. Nur ein Trampelpfad und eine gesperrte Straße führen hin. Leiterwagen und Rucksäcke einen Kilometer bergauf verlangen stramme Waden und strapazierfähige Rückenmuskulatur. Das Fassbier wird Schaum geben.
Auf halbem Weg gibt’s schon dicke Knöchel. Wandern auf eigene Gefahr. Verstauchen auf eigene Rechnung. Kurz vor der Hütte noch ein letzter, äußerst steiler Anstieg. Aber die Aussicht auf das Ziel beflügelt allgemein und ungemein. So schnell war ein Zapfhahn selten in ein Fass getrieben. Viel Schaum, viel Ehr. Aber einen solchen Durst hat man auch nicht jeden Tag.

Die Hütte und die Lage der Hütte sind traumhaft. Eine kleine Lichtung, Felsen, wie aus dem großen Buch der Felsen, ein Kinderspielplatz mit einer Monsterwippe, Terrasse, Bänke, Sonnenschirme. Draußen nur Kännchen.
Vor mehr als zehn Jahren waren wir zum letzten Mal hier. Einige der Kids, die heute dabei sind, waren damals noch gar nicht geplant, geschweige denn, geboren. Wir öffnen die Fensterläden, besetzen die Bänke, denken an Luis Trenker und an Willy Michl.
Die einen machen schon wieder, was sie wollen. Die anderen erfüllen Pflicht. Arbeitsteilung – ein heikles Thema, bei so vielen Leuten. Aber irgendwann findet jeder seine Aufgabe. Auch Nervtöten will gelernt sein.

Bier wirkt. Fleisch grillt. Federball fliegt.
Die Kinder entdecken die Wippe und stoßen sich die Köpfe oder fallen herunter. Kartenspielen mit lautem Getöse; eine Beschäftigung, der Mann viel zu selten nachgeht. Nachkarten macht noch viel mehr Spaß und ist noch viel lauter. Die Frauen schütteln die Köpfe und die Kinder kichern.
Die Todeswippe fordert erste Opfer. Die Kids analysieren die Qualität ihrer Unfälle und vergleichen Wunden. Richtig verunfallt ist man erst, wenn man einige Sekunden ohnmächtig war oder keine Luft bekommen hat!
Als es dunkel wird, wollen Gitarre und Lagerfeuer etwas zusammen machen. The answer my friend is blowing in the wind. Wenn Funken sprühen, singt sich so etwas fast ohne Peinlichkeit. Die Musikalischen singen mit. Die Unmusikalischen unterhalten sich laut. Die Unmusikalischen überwiegen. Man hat sich lange schon nicht mehr gesehen. Man muss sich viel erzählen und singen muss man sich trauen.

Nächte im Matratzenlager sind anstrengend. Irgend einer schnarcht immer. In Hütten gibt es ausschließlich ächzende Betten und knarzende Fußböden. Herumwälzen und auf den Schlaf warten bringt nichts. Wenn der erste Tiefschlaf vorbei ist, Gerüche und Geräusche der Mitschläfer unerträglich werden, muss ich raus.
Aus dem Klo kommt mir einer entgegen mit dicken Augen und Furchen im Gesicht. Wir halten uns die Köpfe. Das viele Bier drückt nicht nur auf die Blase.
Draußen, vor der Haustüre gibt’s was fürs Auge und was fürs Herz. Morgenkühle, Morgenluft, Nebelschwaden über der Lichtung und einen Sonnenaufgang. Wann bitteschön erlebt man schon mal einen Sonnenaufgang?

Wandern nach dem Frühstück. Sieben Männer und eine Frau wandern durch den Zauberwald. Nach einigen Kilometern präsentieren sich zwei Ski-Sprungschanzen. Gewaltige Bauten, die nur einen Sinn haben: sich hinunter zu stürzen. Fünf Sekunden freier Fall. Das Aufregendste ist die Landung. Wer macht so etwas?
Uns befällt Ehrfurcht und noch lange starren wir die Abfahrt der Schanzen von oben hinab und von unten hinauf. Dann geht’s weiter durch den Wald. In einem Baum hängen die Überreste eines Ballons mit einer Botschaftskarte aus Frankreich. Die Töchter eines Mitwanderers werden später auf diese Karte antworten und es wird eine Jugendfreundschaft entstehen. Vielleicht heiraten sie einen Franzosen. Damals, im Zauberwald hing die Botschaft an einem Baum.

In einem Dorfgasthof kehren wir ein. Dort bedient uns eine Elfe. Ganz zart und zerbrechlich, mit Elfenstimme und Elfengesten nimmt sie die Bestellung auf und fliegt davon.
In einem gläsernen Schaukasten im Innenhof der Gaststätte ist eine Märchenszene dargestellt. Sieben Männer und eine Frau verwandeln sich in Zwerge und Schneewittchen. Heiho, heiho, wir singen und sind froh …
So kehren wir zurück zur Hütte. Das Gelächter der dort Verbliebenen ist groß.


Taubencontent III – Nachruf

06.06.2008

Die Tauben sind weg
die Dachrinne leer
aufs kupferne Fensterbrett
scheißt niemand mehr

Die Dachrinne leer
die Tauben sind weg
niemand scheißt mehr
aufs Fensterbrett

Aufs Fensterbrett scheißen
von wegen
das Taubennest holte
der Regen

Der Regen hat’s
Taubennest fortgerissen
aufs Fensterbrett wird
nicht mehr geschissen


Der Großmeister der Coolness

05.06.2008

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich ein großer Fan von Steve McQueen bin?
Er ist für mich der Inbegriff eines guten Schauspielers, was nicht ausschließlich an seiner Person, sondern auch an den Filmen liegt, in denen er zu sehen war.

Gestern und vorgestern wurden in den dritten Programmen zwei Klassiker mit ihm ausgestrahlt. Am Dienstag Getaway und gestern Thomas Crown ist nicht zu fassen.
Obwohl die Filme eigentlich kaum zu vergleichen sind, denn im Gegensatz zum fetzigen Getaway kommt der vier Jahre früher gedrehte Thomas Crown eher bieder daher, so ist doch in beiden das herrlich coole Flair der späten sechziger und frühen siebziger Jahre auszumachen.
Nie vorher und auch später nicht sind solche Filme gedreht worden, was hauptsächlich am Großmeister der Coolness McQueen lag.

Eine meiner Lieblingsszenen schildert ein Schachspiel zwischen Vicki Anderson alias Fay Dunaway und Thomas Crown.
Mit ausgeklügelter Schnitttechnik und vielversprechenden Großaufnahmen wird hier nicht nur die Schachpartie, sondern vor allem die sich anbahnende Liaison zwischen den beiden in wunderbare Bilder umgesetzt.
Die Aufnahmen sind so perfekt, dass man jedes Grübchen in den Gesichtern und sogar die Windpockennarben von Fay Dunaway auf ihrer Stirn erkennen kann. Als Crown die Partie zu verlieren droht, schlägt er vor, ein anderes Spiel zu spielen, um sie daraufhin innig zu küssen. Herrlich!

Mich hat es jedenfalls sehr gefreut, den viel zu früh an Krebs verstorbenen Steve McQueen wieder einmal auf dem Bildschirm gesehen zu haben und wünschte mir, so mancher Regisseur in heutiger Zeit, würde sich im Vorfeld seiner Dreharbeiten einen solchen Film ansehen (oder angesehen haben).


No Milk Today

02.06.2008

Von wegen, auf’m Land is nix los!
Heute gab es in unserem sonst so beschaulichen Wohnort Simmelsdorf, in dem auch die Albflor Milchwerke ansässig sind, eine Traktorblockade.

Traktorblockade in Simmelsdorf

Die örtliche Presse war bereits vor Ort und ich habe mich mit dem Haus- und Hoffotografen – quasi von Kollege zu Kollege – über die Vorteile der Demokratie im Allgemeinen und den Nutzen von zivilem Ungehorsam im Besonderen unterhalten.
Der Herr Fotograf war so was von froh, dass es bei uns in Deutschland so etwas geben darf – im Gegensatz zum Beispiel zu China.
Allerdings behielt ich meine Gedanken für mich, dass es in China so etwas schon deshalb nicht geben würde, weil der gemeine Chinese keine Milch verträgt.

Jedenfalls wurde der Verkehr, wie sich das gehört, von der Polizei geregelt, ältere Dorfbewohner, die das Arbeitsleben schon hinter sich gelassen haben, trafen sich auf der Straße zu einem Schwatz, die Milchbauern stand im Pulk vor dem Milchhof, hielten Plakate in die Kamera und die Sonne leuchtete das ganze Szenario gut aus.
Bin gespannt, wie das noch alles ausgeht und könnte mir in dem Zusammenhang vorstellen, dass nicht 42 die Antwort auf alle Fragen ist, sondern 43!