Licht am Ende

30.05.2008

Angefangen hat alles gestern, als unser Systemadministrator folgende E-Mail herumgeschickt hat:
In 10 Minuten wird der Tunnel zum Kunden XY neu gestartet. Bitte offene Verbindungen zu diesem Kunden beenden.
Ich konnte mir natürlich nicht verkneifen zu erwidern, dass Tunnel nicht gestartet, sondern allenfalls gegraben, im Extremfall gar gesprengt werden, um ihn, den Herrn Systemadministrator daraufhin abfällig einen Nerd zu nennen und genüsslich seine Antwort abzuwarten.
Die ließ tatsächlich nicht lange auf sich warten, fiel aber insgesamt eher mau aus. Das sonst übliche und meist äußerst amüsante Hin und Her zwischen ihm und mir blieb aus und das Thema Tunnel war vorerst gegessen ….

… bis – ja bis heute morgen eine groß angelegte Teeküchendiskussion in Gang kam zum Thema „Meine Fresse, gestern war der Dieselpreis erstmalig höher als der Benzinpreis, wo soll das alles bitteschön noch enden“.
In dem Zusammenhang wurde natürlich ausführlich über alternative Antriebs- und Fortbewegungsmethoden diskutiert, was in der Erkenntnis gipfelte: Beamen ist wohl die einzig wahre und akzeptable Alternative für diese, unsere – will heißen der Menschheits – Zukunft.
Weil einer unserer Geschäftsführer, Dr. H., Physiker ist und wir die Frage sofort und auf der Stelle klären wollten, wie die Menschheit in naher Zukunft von A nach B sich würde fortbewegen, haben wir ihn kurzerhand befragt.
Die Antwort konnte nicht wirklich befriedigen, lief sie doch auf die Gegenfrage hinaus, ob wir nichts besseres zu tun hätten und überhaupt würde beamen niemals funktionieren – niemals, also allerhöchstens theoretisch.
„Allerhöchstens theoretisch“ schrie er uns nach, als wir sein Büro verließen und wir wussten natürlich, dass das übersetzt hieß: „schaut, dass Ihr wieder an Eure Arbeit kommt – aber dalli!“

Doch unser Doc wäre nicht unser Doc, hätte er sich nicht insgeheim ein paar kleine Doc-Gedanken gemacht und so wartete er in der Mittagspause mit Erläuterungen auf, die sich aus Wikipedia-Erkenntnissen und Wissensgrundlagen seines aus dem vergangenen Jahrhundert stammenden Physikstudiums zusammensetzten.

Also – begann er geheimnisvoll – da gibt es zunächst die sogenannte Schrödingergleichung, eine Differentialgleichung für die Wellenfunktion, nach der der Aufenthalt von Teilchen abgeleitet werden kann. Nach der Logik dieser Wellenfunktion kann es sein, dass durch den exponentiellen Abfall einer Welle in den sogenannten verbotenen Bereich – nur die Pfarrer werden wohl wissen, wo dieser Bereich genau zu suchen ist, aber ich nehme an, es ist die Hölle – bleibt am Ende noch ein Rest der ursprünglichen Welle übrig.
Da nach den Regeln der Quantenmechanik das Betrags-Quadrat der Wellenfunktion
– bei diesen Worten malte Doc eine Art Blumenvase mit einer hochgestellten „2“ auf ein Flipchart – eine Wahrscheinlichkeitsdichte darstellt, gibt es eine kleine Wahrscheinlichkeit – jetzt zog Herr Doktor die Augenbrauen hoch und unterstrich noch einmal nachhaltig – gibt es eine kleine Wahrscheinlichkeit, dass das Teilchen am anderen Ende einer Barriere auftaucht.
Wir machten erstaunte Gesichter und fanden bewundernde Worte, hatten aber nix, um nicht zu sagen überhaupt nix verstanden.

Herr Doktor fuhr unbeirrt fort:
Man nennt dieses Phänomen auch den Tunneleffekt, weil die Teilchen die Barriere klassisch nicht überwinden können, sondern man sich diese Raumverschiebung eher als „Durchtunnelung“ vorstellen muss.
Aha! Der Systemadministrator und ich blickten uns vielsagend an.
Dann verstieg sich Doc in eine Vielzahl kryptischer Formeln, mit erklärenden Satzfragmenten, wie: dies ist eine Superposition einer einlaufenden und einer auslaufenden ebenen Welle … Im Bereich (i) ist anschaulich klar, dass A=1 und B=R sein muss … man erhält den Transmissionskoeffizient T für E < V0 …
uns schwirrte der Kopf und wir waren längst wieder dahingehend missioniert, dass ein Dieselfahrzeug dann wohl doch das wesentlich bessere, weil nachvollziehbarere Transportmittel sei, sich von A nach B zu bewegen, als Doc, der sich inzwischen in Rage geredet hatte, mit den Worten endete:
Um die Transmissionsformel noch etwas anschaulicher zu machen, betrachtet man beispielsweise den Grenzfall (V0 -> 0). Hier geht die Transmissionswahrscheinlichkeit gegen 1, was auch anschaulich klar ist: keine Barriere, keine Reflexion.
… und plötzlich hatte ich auch die Transrapid-Rede von Edi Stoiber verstanden.

Hach, manchmal fügt sich alles so herrlich. Man muss nur drüber sprechen.

Dieser Artikel erschien am 31. Mai 2008 auch bei
kolumnen.de


Verfremdlich 05 – Tealight’s delight

29.05.2008

In loser Reihenfolge gibt’s hier verfremdete (manchmal auch befremdliche) Bilder.
Heute: Tealight’s delight.

Tealight's delight

Das Bild entstand bei guten Freunden, die vor Jahren ein altes Siedlungshaus geerbt und liebevoll restauriert haben. Die beiden verstehen es, jenseits des sonst üblichen Nippes und Tands, Heim und Garten zu schmücken. In dem Fall: Blüten in Teelichtern auf Glastisch mit Wolkenspiegelung.


Anstaltsleben

28.05.2008

Gestern war wieder Anstaltszeit.
Als Gäste diesmal: Ingo Appelt, Rolf Miller und Volker Pispers.

Hier ein paar Zitate aus dieser herrlichen Sendung:

Personen:

  • Herr Appelt, wir haben Ihnen Heilschweigen verordnet
  • Das Amt des Bundespräsidenten ist nichts als ein horrender Kostenposten für einen nationalen Grußaugust
  • Frau Anette Schavan – ein Name, der Ihnen mit Recht nichts sagt
  • Helmut Schmidt, der von Altersweisheit befallene Talkshowinsasse
  • Erwin Huber kann doch nicht mal vorhersagen, wie spät es in einer Stunde sein wird
  • Frank Walter Steinmeier, der Mann, der verzweifelt versucht, sich in sein eigenes Brillengestell reinzuhungern
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    Zeitgeist:

  • Nicht dieses Wort: „Linke“, das ist ja noch schlimmer als „Ficken“
  • In Biergärten immer öfter verhaltenes Gegrummel: „Was macht eigentlich die RAF?“
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    Wortwitze eines Pharmareferenten:

  • Pharma jetzt ins Atlon zum Kongress, oder nicht? Dort gibt’s Pharmaschinken
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    Geschichte:

  • 15 Jahre – so lange war nicht mal das tausendjährige Reich. Kohl war länger als das tausendjährige Reich – nicht nur gefühlt
  • 1990: da gab es kein Internet, alle Telefone hatten Kabel und der Russe stand vor der Tür

  • No time for cake

    26.05.2008

    Gestern war Radfahrtag. Am alten Ludwigskanal entlang fahren keine eigenblutgedopten Tour-de-France-Double auf Rennmaschinen und bis zur Unkenntlichkeit in Bikeware gehüllt, sondern Familien und Radwanderer, die sich an der urigen Landschaft und den zum Teil wunderschön renovierten ehemaligen Schleusenwärterhäusern erfreuen und sich nach einigen Kilometern in einem Biergarten niederlassen, dort Brotzeit machen oder ein Stück Kuchen essen, um dann gemütlich wieder heim zu fahren.

    So hatten das auch die Liebste und ich geplant und nach etwa einer Stunde Fahrt sind wir in einem lauschigen Biergarten eingekehrt. Es war 14:15 Uhr, die meisten Gäste ließen sich noch Schweinebraten und Schnitzel schmecken und auf der Karte stand: Kaffee und Kuchen ab 14:30 Uhr.
    Ich fragte die Bedienung, ob man heute ausnahmsweise die Kuchenausgabezeit um ein Viertelstündchen nach vorne ziehen könnte, und angesichts dessen, dass der Biergarten nicht gerade aus allen Nähten platzte, jeder Gast sein Essen hatte und auch die Anzahl der Bedienungen mit insgesamt vier schwarz-weiß gekleideten Fachkräften für eine deutsche Gaststätte eher großzügig bemessen war, hielt ich dieses, mein Ansinnen auch nicht gerade für unanständig.
    Zu meiner Überraschung wurde mein Antrag allerdings abschlägig beschieden. Kuchen erst ab 14:30 Uhr. Punkt.
    Ich erinnerte mich kurz an eine Urlaubsepisode aus den 1980er Jahren, als mir in einem Londoner Restaurant zum Mittagessen ein Bier mit den Worten verweigert wurde: No time for beer, Sir und hätte am liebsten der schnippischen Bedienung geantwortet, sie könne sich ihren Kuchen sonstwohin … aber ich wollte der Liebsten und mir nicht den herrlichen Tag verderben und setzte mich brummelnd auf meinen Platz.
    Wenigstens durften wir die Wartezeit mit einer Tasse Milchkaffe, die uns gnädigerweise vor 14:30 Uhr gewährt wurde, überbrücken – von dem in früheren Zeiten üblichen Biergarten- und Cafe-Terrassen-Mysterium Draußen nur Kännchen ist man inzwischen offensichtlich abgekommen.

    Als mein Blick dann allerdings auf ein Schild fiel, auf dem stand: Bitte nicht die Tische wechseln, spielte ich kurz mit dem Gedanken, mich an einen anderen Tisch zu setzen, die Kuchenkarte rauf und runter zu bestellen und dann die Zeche zu prellen.
    Aber die Bedienung riss mich jäh aus meinen Träumen voller bösartigster Rachegelüste.
    „Welchen Kuchen hätten die Herrschaften denn gerne?“, flötete sie. Es war 14:30 Uhr und 17 Sekunden.


    Nr. 515 – just arrived

    24.05.2008

    Eben mit der Post gekommen:
    Edward B. Gordons Daily Painting Nr. 515 – Beside the Stage.

    Edward B. Gordon - Daily Painting Nr. 515

    Liebevoll verpackt, in einem weißen Karton und einer schönen Schleife. Die Farben sind noch ganz frisch.
    Am Montag wird ein Rahmen besorgt und dann ein passender Platz im Wohnzimmer gesucht.
    Wir (die Liebste und ich) sind begeistert!


    Wenige Meter bis zum Strand

    16.05.2008

    Früher war sie ziemlich dick. Das lag nicht unbedingt daran, dass sie gern oder zu viel gegessen hätte, sondern vor allem an der Diabetes die sie seit fast fünfzig Jahren hat. In den letzten Monaten allerdings wird sie immer dünner und die Haut will ihr nicht mehr passen. Sie hat einfach keinen Appetit mehr. Eingefallen und immer häufiger mit resigniertem Blick, sitzt sie im Sessel ihres Wohnzimmers, die Augen trüb von Traurigkeit und drohender Erblindung – auch eine Folge der Diabetes – außerdem relativ unfähig, sich zu bewegen, weil sie im letzten Jahr kurz vor Weihnachten gestürzt war und sich den Oberschenkelhals gebrochen hat.

    Sie hat es nicht leicht gehabt in ihrem Leben. Als Kriegskind aufgewachsen. Der Vater auf dem Russlandfeldzug vermisst. Mit der Totgeburt des ersten Sohnes wurde die Diabetes festgestellt. Zuckerkrankheit hieß das damals noch. Die Ärzte jedenfalls rieten von weiteren Schwangerschaften ab. Doch es kamen noch zwei Söhne zur Welt, von denen der Jüngste mit Mitte Dreißig an Krebs gestorben ist.
    Für das Einkommen des Vierpersonenhaushalts war ihr Mann zuständig. Das Geld reichte gerade mal so. Einmal hat sie versucht etwas dazu zu verdienen. Für einige Wochen Nachtarbeit in einer Näherei. Aber als gelernte Schneiderin hat sie viel zu gewissenhaft gearbeitet und kaum die Akkordanforderungen geschafft. Weil Ihr Mann auch Schichtarbeiter war und die Söhne sich alleine zu Hause gefürchtet haben, gab sie den Job schließlich wieder auf.

    Im Urlaub war sie insgesamt zwei Mal in ihrem Leben. Einmal in Österreich und einmal in Südtirol. Sie liebt Tiere. Mehr als die Menschen, wie sie selbst sagt. Das süchtigmachende Kindchen- und Kleintierschema sämtlicher Tiger und Co Fernsehsendungen allerdings erahnt sie wegen zunehmender Sehschwäche inzwischen mehr, als dass sie es erkennen könnte. Überhaupt lebt sie seit einiger Zeit mehr von der Erinnerung, als in der Gegenwart.

    In ihren besten Jahren war sie eine starke, meist eine etwas zu starke Persönlichkeit, die vieles erdrückt hat mit ihren Überzeugungen und ihrer mütterlichen Kraft. Jetzt ist von dieser Kraft kaum noch etwas zu spüren. Ab und zu blitzt der Unwillen auf, sich dem Alter und der Gebrechlichkeit zu beugen, aber die Phasen des Auf- und des sich Ergebens werden länger und auch stetig qualvoller.
    Wenn man sie nach ihrem bisherigen Lebensverlauf fragt, sagt sie, es sei schon alles so in Ordnung, wie es bisher gekommen ist. Nur eins bedauert sie sehr: bisher noch nie das Meer gesehen zu haben.

    Ach Gott, irgendwann packe ich meine Mutter ins Auto, auch wenn sie sich noch so wehrt, fahre mit ihr ans Meer und schiebe sie im Rollstuhl an den Strand. Dort lass’ ich sie dann den ganzen Tag in der Sonne sitzen und abends fahren wir wieder heim und sie muss mir erzählen wie es war. Irgendwann !


    Wie lange noch?

    13.05.2008

    Die Realschulklasse meines Schwagers, die den Grundstock unserer Clique bildet und die sich inzwischen zahlreich vermehrt und vergrößert hat, trifft sich seit 35 Jahren Pfingsten zum Zeltlager am Weißenstädter See.
    Ich bin seit mehr als 25 Jahren dabei und habe mich anfänglich gefragt, wie lange das wohl noch gehen wird, zumal es in den ersten Jahren tatsächlich eine paar Anzeichen gab, die Sache würde einschlafen.
    Aber in diesem Jahr waren wir über 50 Leute – absoluter Rekord! An Einschlafen also gar nicht zu denken.
    Jetzt bringt ein Teil der Second Generation bereits Freunde, Studien- und Schulkollegen mit und selbst die eher lästigen Logistikjobs, wie Gemeinschaftszelt auf- und abbauen oder Abspülen gehen seither ohne Schwierigkeiten von der Hand.

    Also ich muss zugeben, es geht mir schon das Herz auf, wenn ich sehe, dass mehr als die Hälfte des Campingplatzes (zumindest der Teil, der nicht von Dauercampern besiedelt wird), von den eigenen Leuten okkupiert ist. Und dann heuer noch bei solchem Prachtwetter.

    Pfingsten 2008
    Pfingsten 2008 – 50 Mann hoch

    Das schöne an dieser Zusammenkunft ist, es gibt keinerlei festes Programm und keinen Gruppenzwang. Jeder sucht sich die Gemeinschaft, die ihm am angenehmsten ist: Wanderer, Kletterer, Fahr- oder Motorradfahrer, Golf- oder Kartenspieler, Bier- oder Weintrinker, Schwimmer oder Nichtschwimmer, Badminton, Frisbee, Fußball.
    Gemeinsame Aktionen sind Frühstück und abends grillen oder Eintopf kochen.

    Radfahrer
    Tour de Pfingst

    Feldküche
    Feldküche

    Seit neuestem geht der Witz, dass uns die Second Generation dereinst im Rollstuhl über den Campingplatz schieben wird.
    Ja, durchaus – das könnte ich mir gut vorstellen!

    Second Generation
    The Second Generation


    Verfremdlich 04 – On Stage

    07.05.2008

    In loser Reihenfolge gibt’s hier verfremdete (manchmal auch befremdliche) Bilder.
    Heute: On Stage.

    On Stage

    Das Bild entstand am 1. Mai anlässlich unseres Auftritts bei Rockin’ Röthenbach. Ein äußerst gelungener, lockerer und vor allem cooler Gig.


    SpOn am Puls der Zeit

    07.05.2008

    Ich weiß nicht, aber muss es denn wirklich sein, dass Spiegel Online gerade jetzt einen Bericht über Partykeller bringt und dann auch noch so:
    Kellerparty


    Robin Hood

    04.05.2008

    Robin Hood - Hanni

    Robin Hood - Axel

    Wenn die Liebste und ich unsere Freunde Hanni und Hanna besuchen, wird es meistens spät.

    Am nächsten Morgen tut dann immer etwas frische Luft ganz gut.

    Hanni, der letztes Jahr im Oktober seinen 50. Geburtstag gefeiert hat, bekam damals einen Bogen geschenkt, mit dem wir heute Mittag etwas im Garten herumgeschossen haben.

    Die Entfernung betrug ca. 25 Meter und die Scheibe hatte etwa den Durchmesser einer Langspielplatte.

    ZielscheibeNa ja, das Ergebnis war nicht gerade berauschend, aber wichtig war zunächst, die Scheibe überhaupt zu treffen.
    Jedenfalls hat das Ganze sehr viel Spaß gemacht und wenn ich nicht schon Golf spielen, bloggen, Motorrad fahren und Musik machen würde, könnte ich mir vorstellen, dass das auch eine Freizeitbeschäftigung für mich wäre.