… completely different.
Vorgestern hatte ich Geburtstag. Ab 18:00 Uhr stand das Telefon nicht mehr still. Bis nach 22:00 Uhr habe ich mehr oder weniger durchtelefoniert – unter anderem mit meinem Schwager.
Der hat mir von einem gemeinsamen Bekannten berichtet, der früher im gleichen Haus gewohnt hat und mit dem wir damals relativ oft zusammen waren. Mit seiner Freundin haben wir im Garten gegrillt, Hüttenwochenenden miteinander verbracht, Fasching und andere Feste gefeiert. Seine Freundin hat er schließlich geheiratet. Ein paar Jahre später haben die beiden ein Haus gebaut und zwei Söhne bekommen.
Neulich ist er abends aus dem Haus gegangen und hat sich vor den Zug geworfen. Punkt. Ende. Aus. Angeblich weiß keiner, warum.
Obwohl ich jahrelang keinen Kontakt mehr zu ihm hatte, hat mich diese Nachricht schwer getroffen. Ich habe mir überlegt, was treibt einen Menschen dazu, so vollständig und endgültig mit sich und der Welt abzuschließen, sich auf so grausige Weise das Leben zu nehmen, seine Frau und seine Söhne zurückzulassen, die jetzt den Rest ihres Lebens mit dieser Last leben müssen.
Selbst wenn er unheilbar krank war, hat er mit dieser, seiner letzten Tat keinem Zurückgebliebenen eine Chance gelassen, sich positiv an ihn zu erinnern. Im Gegenteil. Er hat noch zusätzlich das Leben des Zugführers, wenn nicht zerstört, so doch nachhaltig geschädigt. Seine Söhne werden, auf ihren Vater angesprochen, entweder lügen oder immer alles auf dieses finale Geschehen reduzieren: er hat sich umgebracht.
Nach dem Gespräch mit dem Schwager hat ein Freund angerufen. Der kannte den Selbstermordeten auch, deshalb habe ich ihm davon erzählt. Daraufhin hatte der folgende Suizid-Story für mich:
Ein Bekannter hat eines Abends Besuch von einem Freund bekommen, der auf der Suche nach seiner Frau war. Schließlich kam heraus, dass die Frauen der beiden miteinander ausgegangen waren. Daraufhin haben sie noch ein Bier getrunken und sich unterhalten. Dann ist der Freund nach Hause und hat sich im Dachboden erhängt. Der zuletzt Besuchte macht sich seither bitterste Vorwürfe, nichts, aber auch gar nichts von dem Vorhaben seines Freundes mitbekommen zu haben und es ihm deshalb unmöglich war, den Freitod zu verhindern.
Ich habe daraufhin länger mit der Liebsten gesprochen und die hat gesagt, wenn jemand wirklich und ernsthaft vor hat, sich das Leben zu nehmen, wird man es ihm nicht anmerken. Er ist nicht verzweifelt, oder niedergeschlagen, so wie einem das die Fernsehkrimis und Psychothriller dieser Welt immer weißmachen wollen, sondern er ist froh, endlich diesen einen, letzten Ausweg gefunden zu haben.
Doch was bleibt einem nach einer solchen Erkenntnis an seinem 47. Geburtstag?
Durchatmen und denken: Ja, stimmt irgendwie …
Verfasst von axeage 


Verfasst von axeage 
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