Now for something …

11.04.2008

… completely different.

Vorgestern hatte ich Geburtstag. Ab 18:00 Uhr stand das Telefon nicht mehr still. Bis nach 22:00 Uhr habe ich mehr oder weniger durchtelefoniert – unter anderem mit meinem Schwager.
Der hat mir von einem gemeinsamen Bekannten berichtet, der früher im gleichen Haus gewohnt hat und mit dem wir damals relativ oft zusammen waren. Mit seiner Freundin haben wir im Garten gegrillt, Hüttenwochenenden miteinander verbracht, Fasching und andere Feste gefeiert. Seine Freundin hat er schließlich geheiratet. Ein paar Jahre später haben die beiden ein Haus gebaut und zwei Söhne bekommen.
Neulich ist er abends aus dem Haus gegangen und hat sich vor den Zug geworfen. Punkt. Ende. Aus. Angeblich weiß keiner, warum.
Obwohl ich jahrelang keinen Kontakt mehr zu ihm hatte, hat mich diese Nachricht schwer getroffen. Ich habe mir überlegt, was treibt einen Menschen dazu, so vollständig und endgültig mit sich und der Welt abzuschließen, sich auf so grausige Weise das Leben zu nehmen, seine Frau und seine Söhne zurückzulassen, die jetzt den Rest ihres Lebens mit dieser Last leben müssen.
Selbst wenn er unheilbar krank war, hat er mit dieser, seiner letzten Tat keinem Zurückgebliebenen eine Chance gelassen, sich positiv an ihn zu erinnern. Im Gegenteil. Er hat noch zusätzlich das Leben des Zugführers, wenn nicht zerstört, so doch nachhaltig geschädigt. Seine Söhne werden, auf ihren Vater angesprochen, entweder lügen oder immer alles auf dieses finale Geschehen reduzieren: er hat sich umgebracht.

Nach dem Gespräch mit dem Schwager hat ein Freund angerufen. Der kannte den Selbstermordeten auch, deshalb habe ich ihm davon erzählt. Daraufhin hatte der folgende Suizid-Story für mich:
Ein Bekannter hat eines Abends Besuch von einem Freund bekommen, der auf der Suche nach seiner Frau war. Schließlich kam heraus, dass die Frauen der beiden miteinander ausgegangen waren. Daraufhin haben sie noch ein Bier getrunken und sich unterhalten. Dann ist der Freund nach Hause und hat sich im Dachboden erhängt. Der zuletzt Besuchte macht sich seither bitterste Vorwürfe, nichts, aber auch gar nichts von dem Vorhaben seines Freundes mitbekommen zu haben und es ihm deshalb unmöglich war, den Freitod zu verhindern.

Ich habe daraufhin länger mit der Liebsten gesprochen und die hat gesagt, wenn jemand wirklich und ernsthaft vor hat, sich das Leben zu nehmen, wird man es ihm nicht anmerken. Er ist nicht verzweifelt, oder niedergeschlagen, so wie einem das die Fernsehkrimis und Psychothriller dieser Welt immer weißmachen wollen, sondern er ist froh, endlich diesen einen, letzten Ausweg gefunden zu haben.
Doch was bleibt einem nach einer solchen Erkenntnis an seinem 47. Geburtstag?
Durchatmen und denken: Ja, stimmt irgendwie …


Flock around the Clock

10.04.2008

Ja, ich gebe es zu: ich bin bekennender Eisbärfan.
Schon Knut bin mich fasziniert und nachdem jetzt in Nürnberg eine handaufgezogene Partnerin für Knut heranwächst und ich gestern Geburtstag hatte, hat die Liebste beschlossen, der Tag wird freigenommen und im Zoo verbracht.
Eine feine Idee und obwohl, oder vielleicht gerade weil der erwartete Besucheransturm ausblieb und die eilfertig aufgestellte Tribüne vor dem Eisbärengehege fast ausschließlich von der gelangweilten „Weltpresse“ bevölkert wurde, war es ein sehr schöner Tag, vor allem auch weil das Wetter trotz schlechter Vorhersage halbwegs mitgespielt hat.
Flocke war sehr gut drauf, ist mehrfach spektakulär ins Wasser gehüpft und hat zwei Stunden lang das gesamte Gelände ausgiebig inspiziert. Gut gefallen hat mir auch, dass sich die Pfleger ziemlich zurückgenommen haben und nur dann in Erscheinung getreten sind, wenn es der kleinen Bärin langweilig wurde.

Der kürzeste Weg zu Flocke
Bloß keinen Umweg machen !

Flocke
Flocke übt bereits jetzt: getrennte Wege

Die Weltpresse bei Flocke
Die Weltpresse interviewt eine Schulklasse

Mehr Bilder gibt es hier.


Inflationäre Jubiläen

07.04.2008

Die Zahl der fünfzigsten Geburtstage wird nahezu unüberschaubar. Fünf an der Zahl seit September 2007 und am vergangenen Wochenende schon wieder einer. Diesmal nicht Blues Brothers, sondern Wild Rover.
Zusammen mit meinem alten Freund Günter, der im Januar das halbe Jahrhundert voll gemacht hat, haben wir uns im fränkisch-irischen versucht und uns ein paar wilde Reime zu Herberts Jubelfest ausgedacht.
Im Vorfeld gab’s am Freitag eine lustige Session bei mir zu Hause, in der auch der inoffizielle Songtitel gefunden wurde, frei nach Axel Hackes Der weiße Neger Wumbaba: Joghurt grau grün.

The Wild Rover


MASH twice

06.04.2008

Große Ereignisse werfen ihre Plakate voraus.
MASH an zwei Tagen hintereinander. My Goodness – ich sage nur Stage Fright im Quadrat !!!

Nachtgieger Hersbruck

Rockin' Röthenbach


Stage fright

01.04.2008

… klingt irgendwie besser, als Lampenfieber. Finde ich.
Ich gebe zu, ich stehe gerne auf der Bühne. In einer durchzechten Nacht habe ich in kleinem Kreise zusammen mit einigen psychologisch halbwegs orientierten Menschen auch einmal herausgefunden, warum das so ist – aber davon (vielleicht) ein andermal.
Ich gebe allerdings auch zu, dass mich das Lampenfieber vor jedem Auftritt fast umbringt.
Am Wochenende hatten die Liebste und ich bei einem fünfzigsten Geburtstag einen Gig als Blues-Brothers. Ich habe mir dazu ein Lied mit zwei funkigen Gitarrenriffs und einem Basslauf ausgedacht, die just in time, will heißen vor Publikum, in einen Looper eingespielt werden. Dazu ein paar Textpassagen, die von Born To Be Wild bis Brick House und einigen verkauderwelschten DEnglisch-Ausdrücken die Hobbies, Errungenschaften und Eigenheiten des Jubilars beschreiben. Zur Abgrenzung zwischen den Versen das berühmte Now for something completely different und fertig war ein Auftritt, auf den selbst John Belushi stolz gewesen wäre.

Ich habe diesen Song im Vorfeld gefühlte 2834 Mal geprobt und als ich er mir sprichwörtlich aus den Ohren herausgewachsen ist und ich ihn schon nicht mehr hören konnte, hatte ich, was den Auftritt betraf, nur drei Befürchtungen:

  • Der zweite Gitarrenriff kommt nicht flüssig genug und hackt
  • Ich spiele den zweiten Gitarrenriff zu laut
  • Ich bekomme das Break, das zwischen den Strophen gemacht wird nicht hin, weil blöderweise der Looper zum Stoppen zwei Mal gedrückt werden muss.

Der Tag des Auftritts kam näher und jede Nacht, sowohl vor dem Einschlafen, als auch vor dem Aufstehen oder wenn ich nachts aufgewacht bin, habe ich mehrfach dieses Lied gesungen. Ich konnte es bis zur letzten Silbe auswendig und selbst den Sprechgesang zwischen den Versen hatte ich soweit perfektioniert, dass ich fast punktgenau wieder mit dem Gesang einsetzen konnte.

Am Tag des Auftritts erwachte ich mit Übelkeit. Obwohl ich hätte ausschlafen können, verließ ich um 6:30 Uhr das Bett. Ein letztes Mal zupfte ich auf der Telecaster, übte mit dem rechten Fuß während der Autofahrt das Einloopen, was zu ungewollten Fahrfehlern führte und hinter oder neben mir fahrende Verkehrsteilnehmer zu heftigen Unmutsbekundungen veranlasste.
Am Ort der Fete angekommen, konnte ich kaum ruhig sitzen. Die Liebste bereitete mit der Frau des Jubilars das Jubiläumsmenu vor und ich musste mir im Radion anhören, wie der Club nur ein Unentschieden gegen die verhassten Bayern zusammenbrachte und am Ende dieses Spieltages auf dem letzten Tabellenplatz landete.

Dann der Auftritt.
Bereits in voller Jake-Blues-Montur vermisste ich mein Plektrum. Das steckte in der Hosentasche der anderen Hose. Also nochmal zwei Stockwerke hoch. Mit Sonnenbrille in einem gedimmt beleucheten Haus nicht ganz einfach. Wieder auf der „Bühne“ die Drum-Machine angeworfen. Den ersten Riff eingespielt. Den zweiten natürlich viel zu laut und beim dritten Durchlauf völlig aus dem Rhythmus. Kurze Panik. Sollte ich ihn noch einmal löschen? Das hätte bedeutet, dass sich dass ganze „Vorspiel“ unendlich in die Länge zieht. Ach scheiß drauf, weiterspielen. Jetzt der Bass. Der hat ganz gut geklappt und weil ziemlich laut, auch den Rhythmusfehler halbwegs kaschiert. Dann die Sekunden vor dem Break. Im richtigen Augenblick den Looper zwei Mal drücken. Gleich kommt er. Jetzt !!
Verdrückt. Verdammte Scheiße. Wieder ein kurzer Moment der Panik. Aber jetzt musste es endlich losgehen:
Ladies and Gentlemen – this song is called Mr. Lindener.

Blues Brothers

… und was sag’ ich: ab dem Zeitpunkt lief das Ding. Ich habe mich nicht ein Mal versungen. Den kleinen Gitarrenhacker hat keiner bemerkt. Der versaute Break war längst vergessen. Die Liebste stand als Elwood Blues – wie geplant – stoisch in ihrer Ecke und hat mit versteinerter Miene Textpassagen ins Publikum gehalten, die begeistert mitgeschmettert wurden und als der Song schließlich punktgenau endete und enthusiastischer Beifall aufbrandete, wusste ich, warum ich das alles mache: für genau eben diesen einen wunderbaren, unvergleichlichen und einzigartigen Augenblick.
Und glaubt mir, Ihr da draußen: diesen Augenblick kann man nicht für Geld kaufen!