Heute morgen habe ich in der Zeitung gelesen, dass Klicker (Bastler, Erfinder und Hund), Klamotte (Hase) und Elvira Klawitter (Schildkröte) – zusammen Kli-Kla-Klawitter, nachdem sie 30 Jahre verschollen waren, in einem Keller in Ottobrunn wieder aufgetaucht sind und nach geringfügigen Restaurationsarbeiten dem Museum der Augsburger Puppenkiste übergeben werden konnten. Das hat mich, als Vertreter der Generation Urmel wirklich gefreut.
Noch mehr gefreut hätte mich allerdings, hätte man dafür Lech (Zwilling und Präsident), Jaroslaw (Zwilling und Ministerpräsident) und Angela (Mädchen und Bundeskanzler) 30 Jahre weggesperrt – meinetwegen auch in Ottobrunn.
Marionettentausch
29.06.2007Rabbit
28.06.2007Vor vielen Jahren habe ich zum ersten Mal die Rabbit-Tetralogie von John Updike gelesen.
Vor kurzem habe ich die schon stark vergilbten und abgegriffenen Bücher wieder hervorgezerrt und lese sie gerade noch einmal. Um es vorweg zu nehmen: sie sind (auch beim zweiten Lesen) einfach wunderbar. Updike versteht es, die Gefühlswelt seiner Romanfiguren, eingebettet in die jeweilige amerikanische Zeitgeschichte auf seine ganz eigene Art und Weise darzustellen. Das hat viel mit Liebe zu tun. Liebe zu seinen Protagonisten, die mitnichten immer sympathisch sind, Liebe zu seinem Land, in dem beileibe nicht alles zum Besten steht, und letztendlich mit Liebe zu den Menschen insgesamt, die man einfach so hinnehmen muss, in ihrer Vielfalt und Unzulänglichkeit.
Wer übrigens eine kurze, durchaus gelungene Inhaltsangabe der vier Bücher (plus einem später erschienenen Zusatzbuch) lesen will, dem sei diese Seite empfohlen.
Warum ich diese Bücher so sehr mag und es bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein wird, dass ich sie lese, liegt unter anderem an Sätzen und Formulierungen, wie im Folgenden, in denen Harry Angstrom, genannt Rabbit, seinen Sohn Nelson mit Familie am Flughafen abholt und sich dabei mit seiner Enkeltochter verläuft.
„Haben wir uns verlaufen, Grandpa?“
„Können wir gar nicht“, antwortet er.
In der kleinen Notlage, in der sie sich plötzlich befinden, wird ihm aufs neue ihre Kostbarkeit bewusst: der erlesene Schnitt ihrer Augen und die langen Wimpern, der flaumige Schimmer vor ihren Ohren und der Glanz ihres üppigen Haars, das straff zu einem dicken Zopf geflochten und mit einer unwirklichen steifen weißen Schleife geschmückt ist. Zum ersten Mal bemerkt er, dass sie außerdem zwei symmetrische weiße, wie Schmetterlinge geformte Spangen trägt. Sie sieht zu seinem Gesicht hinauf und kämpft mit den Tränen angesichts der Leere, die sie dort vorfindet.
„Dieser Mantel ist zu warm“, beschwert sie sich.
„Ich nehme ihn dir ab“, sagt er. Er faltet das Stückchen Stoff und legt es sich über den Arm, und sie ist jetzt selber wie ein Schmetterling in ihrem rosa Kleid. Ihre grünen Augen haben sich weit geöffnet im grauen Flughafen, diesem geschäftigen Zwischenreich, und die eine ihrer rötlichbraunen Brauen hat nahe der flachen Erhebung der sommersprossigen Nase einen kleinen Wirbel, so dass sich die Härchen dort zur falschen Seite auffächern. Nelson hat auch diesen kleinen Wirbel, er hat ihn von Harry, der immer vorm Spiegel der Jungentoilette in der High-School mit spuckefeuchtem Finger seine Braue glattzustreichen versucht hat. Unglaublich, dass so eine Winzigkeit sich weitervererbt. Vielleicht die einzige Unsterblichkeit, die es für uns gibt: eine kleine genetische Schrulle, die immer wiederkehrt, wie eine im Computer gespeicherte Nummer auf dem monatlichen Kontoauszug.John Updike – Rabbit in Ruhe – Rowohlt Verlag
Altstadtfest
25.06.2007Manchmal möchte man schon etwas neidisch werden. Früher, als unsereins noch jung war, gabs Volksbelustigungen auf dem flachen Land nur in Form von Kirchweihen mit Festzelt und öder Blasmusik. Heutzutage gibt es jede Menge Bürger- und Altstadtfeste mit Musikdarbietungen für jeden, aber auch wirklich jeden Geschmack. Unsere Band MASH war in diesem Jahr erstmalig auch auf einem solchen Fest vertreten und zwar in der sympathischen Oberpfalzmetropole Sulzbach-Rosenberg.
Pflichtbewusst fanden wir uns kurz vor 15:00 Uhr am Ort des Geschehens ein – Ottman-Bühne in der Rosenberger Straße direkt vor einem putzigen Landfrauenladen, in dem allerlei Nippes und Tand verkauft wurde. Die Bühne bestand aus einem relativ schief verlegten, ebenerdigen Bretterboden und als Regenschutz diente das nur einen Meter breite Vordach besagten Ladens. Kaum hatten wir unsere hochempfindliche Elektronik und das sündhaft teure Schlagzeug von Ingo aufgebaut, fing es auch schon an zu regnen. Natürlich strebten daraufhin kaufwütige Landfrauen zuhauf dem noch offenen Laden zu und mussten dazu über unsere Kabel und Lautsprecher steigen.
Bewirtschaftet wurde dieser Teil des Festes vom Arbeitskreis Demokratische Kommunalpolitik (AKDK) mit durchweg freundlichen, stark gepiercten jungen Leuten, die uns in der Regenzwangspause auch gleich unbürokratisch mit Bier versorgten. Weil der Wetterbericht nichts Gutes verhieß, besorgte Ingo in einem Baumarkt eine Bauplane und Befestigungsklammern. So konnten wir uns zumindest notdürftig bei einsetzendem Regen schützen.
Der erste Soundcheck verlief katastrophal. Erstens fand er unter der Baufolie statt und zweitens lieferten die beiden Stimmgeräte, die wir zur Gitarrenstimmung herangezogen hatten, unterschiedliche Ergebnisse. Kakophonie mittelstarker Ausprägung.
Irgendwann war aber dann doch alles stimmig, die Baufolie wurde ob des aufgerissenen Himmels auf dem Vordach zusammengerollt, der historische Umzug, bestehend aus Rittern, Landsknechten, Edelleuten, einfachem Volk, Handwerkern und Künstlern, anachronistisch verfremdet von einer Truppe tanzender und feixender Asiaten, schob sich an unserer Bühne vorbei und als Getrommeltes und Gepfiffenes verklungen ward, konnten wir loslegen.

Ich gestehe, ich hatte etwas Bammel vor dem Auftritt, weil ich dachte von 19:00 Uhr bis Mitternacht spielen wir jeden unserer Songs bestimmt mindestens zwei Mal. Aber nichts dergleichen. Es war ein Super-Gig. Zwar fiel der Strom einmal eine halbe Stunde aus, und hie und da gab es so manche Unstimmigkeit, aber wir waren locker, das Publikum ging gut mit und wir hatten uns eine schöne Anzahl von Fans erspielt, die uns von der ersten bis zur letzten Minute treu geblieben sind.
Ganz zum Schluss allerdings – wir hatten vier Lieder überhaupt noch nicht gespielt – fand unser Gig ein jähes Ende und es wurde in zweierlei Hinsicht reichlich ungemütlich: ein plötzlich einsetzendes Gewitter mit starkem Wind und Platzregen, ließ uns völlig absaufen. Zum Glück waren uns ein paar Gäste und AKDK’ler beim notdürftigen Abdecken der Anlage behilflich. Tja und nach dem Regen fühlten sich ein paar Jugendliche genötigt, sich mit einer Horde Nazis zu kloppen. Zum Glück waren unsere Auswring- und Abbau-Arbeiten weitgehend abgeschlossen, so dass wir noch vor den ersten Stein- und Flaschenwürfen flüchten konnten.
Wohliger Selbstbetrug
16.06.2007Immer wenn unser Laptop in den Standby-Modus fährt, lese ich auf dem Bildschirm:
Der Ruhestand wird vorbereitet.
Es heißt natürlich Der Ruhezustand wird vorbereitet.
Trotzdem durchfährt mich immer ein wohliger Schauer.
Die Route wird berechnet
15.06.2007Wie ich zu digitaler Bevormundung stehe, habe ich ja schon vor längerer Zeit einmal niedergeschrieben. Was allerdings geschieht, wenn einem (intelligenten) Navigationssystem aus der Satellitenzentrale für alle erdenklichen Fahrtrichtungen gemeldet wird, dass der Verkehr sich staut, durfte ich gestern auf der Heimfahrt von Karlsruhe erleben.
Kurz vor der Autobahnauffahrt schickt mich NAVInchen erst nach links auf die A8, um mir dann kurz vorm Abbiegen mitzuteilen, dass die A5 wohl doch besser wäre. Kaum bin ich auf der A5, werde ich über die nächste Ausfahrt und das naheliegende Autobahnkreuz dann doch wieder auf die A8 gelotst. Nach wenigen Minuten muss ich erneut die Autobahn verlassen und mich durch den Feierabendverkehr von Pforzheim quälen, um nach schier endloser Schleichfahrt mitgeteilt zu bekommen, auf der Stelle zu wenden und wieder zurück zu fahren …
OH NEIN, nicht mit mir !! Ich habe kurz ins Lenkrad gebissen und bin dann einfach weiter gefahren. Ich habe mich auf der nahen A8 in einen äußerst zähen Stau gestellt und dort genug Zeit gefunden, die sogenannte intelligente Streckenführung des Navigationssystems abzuschalten. Eine geschlagene Stunde hat NAVInchen nicht mehr mit mir gesprochen. Erst als ich zum Pinkeln einen Parkplatz angesteuert habe, riet sie mir schüchtern zu wenden.
Der Satz: die Route wird unter Berücksichtigung von Verkehrsstörungen neu berechnet, ging mir die ganze Nacht nicht aus dem Kopf. Diesmal halfen auch keine Ohrstöpsel.
Mono-Morgen
12.06.2007Manchmal – so wie gestern – höre ich nachts das Gras wachsen. Mich stört dann jedes Geräusch: die Frösche im naheliegenden Dorfteich, unsere Katze, die ständig maunzend rein und raus marschiert, der Wind, der ums Haus streicht. Ich meine sogar, den Mond scheinen zu hören.
In solchen Nächten benutze ich Ohropax.
Heute morgen, als aus weiter Ferne die Stimme des Deutschlandlandfunksprechers aus dem Radiowecker zu mir drang, habe ich den Gehörschutz entfernt und es passierte nichts. Der Deutschlandfunksprecher sprach immer noch aus weiter Ferne zu mir.
Im linken Ohr hatte sich ein Pfropfen gebildet, der sich auch nicht durch noch so wütendes Herumstochern mit einem Wattestäbchen entfernen ließ – im Gegenteil, meine Linkstaubheit wurde nur noch schlimmer.
Ein Anflug von Panik machte sich breit. Ich fühlte mich wie ferngesteuert. Meine Frau, mein Fahrgemeinschaftskollege und sämtliche Mitarbeiter erschraken allesamt, als ich sie ansprach – also anschrie.
Mir wurde bewusst, wie schrecklich es ist, schlecht, bzw. gar nichts zu hören. Ich denke, selbst Blindheit ist nicht so schlimm, wie Taubheit.
Eine Ohrenspülung beim Arzt sorgte schließlich für Abhilfe. Wie dankbar war ich, als sich Mono langsam wieder in Stereo wandelte. Nett verabschiedete mich die Sprechstundenhilfe mit den Worten: „Viel Spaß beim Hören“. Selten habe ich so gerne zehn EURO Praxisgebühr bezahlt.
Chet zu (guter) Letzt
11.06.2007Sonntag Abend ist meistens Jazztime. Chet Baker auf BR-Alpha - Theaterhaus Jazztage in Stuttgart 1988. Welch eine hinreißende Musik. Welch ein menschliches Wrack. Es muss einer seiner letzten Auftritte gewesen sein. Am 13. Mai 1988 stürzt Chet Baker aus einem Hotelfenster in Amsterdam. Mord, Selbstmord, Drogen-Vollrausch – kein Mensch weiß es.
Eine sehr schöne Biographie, geschrieben von Jörg Alisch, habe ich hier gefunden.
And as I’m looking at the colour of the leaves, in your hand
As we’re listening to Chet Baker on the beach, in the sand
When the leaves come falling down,
Oh in September, when the leaves come falling down …Van Morrison – When the Leaves come falling down
Rainer Werner lebt
08.06.2007Was wäre, wenn Rainer Werner Fassbinder nicht gestorben wäre?
Hier ein fiktives Interview mit dem Unsterblichen, das Else Buschheuer Herrn Reinhold Beckmann in den Mund gelegt hat.
Ein klasse Text !!
It’s not a Jesus – it’s a Sony
08.06.2007Herzallerliebst, der Film „Das Jesus Video“. Gestern liefen noch einmal beide Teile auf Pro7. Meine Fresse, war ich gespannt, was auf dem Video wohl drauf sein würde. Als der ultraböse Vatikani endlich die 2000 Jahre alte Videokamera angeschlossen hatte und Bilder wie aus dem Blair Witch Projekt über den Laptop-Bildschirm flimmerten, war ich dann aber doch enttäuscht.
Am besten hätte mir ein Ende gefallen wie bei „Zurück in die Zukunft“: Der Zeitreisende kehrt zurück und alles ist völlig anders, als vor seiner Reise: Bob Geldof ist Premierminister des Vereinigten Königreichs, Herbert Grönemeyer Bundeskanzler und George DoubleU wäre von einer Zeitreise nicht mehr zurückgekehrt.
This is the End
07.06.2007Gestern musste ich kurzfristig zu einem Kunden nach Berlin. Im CD-Wechsler: EZIO, Van Morrison, Don Mc Lean, Joe Jackson, die HotShotBluesBand und The Doors.
Passend zur Endzeitstimmung der nahenden Klimakatastrophe intonierte Jim Morrison auf der Heimfahrt „The End“. Da kamen natürlich sofort die Apocalypse-Now-Bilder vors geistige Auge und Ohr: Hubschrauber, Walkürenritt, Ochsenschlachtfest.
Weil ich jedoch mit wenig umweltschonenden 180 Stundenkilometern unterwegs war, mich deshalb auf die vorbeirasende Thüringer und Sachsen-Anhaltinische Landschaft konzentrieren musste und darüber hinaus endlose Kolonnen blaulichtblinkender Mannschaftswagen der Polizei, die in Gegenrichtung zum G8-Gipfel fahrend, meine Aufmerksamkeit auf sich zogen, waren die fremdartigen Apokalypse-Bilder schnell weggewischt. Übrig blieben Geschwindigkeit und „The End“.
Ob ein Song wirklich gut ist, also ich meine, so richtig gut, entscheidet sich bei mir immer dadurch, ob mir Schauer über den Rücken laufen und wenn ja, wie viele.
Diesmal jagte ein Schauer den nächsten. Dieser Song ist trotz seines Alters so spannend und abwechslungsreich und trotz seiner Länge so kurzweilig, dass man ihn gut und gerne mehrfach hintereinander hören kann. Hab’ ich dann auch getan. Als beim zweiten Hören auch noch ein kräftiges Gewitter aufzog, war die Show perfekt. Weiß glänzende Windkrafträder vor tiefschwarzem Himmel und Hagelkörner aufs Autodach. Danke Jim, das hast Du fein gemacht!
Verfasst von axeage
Verfasst von axeage
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